Paradigmen

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Skizzen

Paradigmen-Dreieck

Paradigmen.png Turns.png

Paradigmenkette

Paradigmenkette.png

Naturwissenschaft und Lebenswelt

Kasten Netz Kette Feld.png

Siehe: Paradigmen und Einstellungen

Ding, Netz, Feld

Ding Netz Topos.png

3er Skizze

Ding Netz Feld
Raum der trennt der trennt der verbindet
Raum-Metapher Behälter Netz Resonanzraum
Paradigma monadisch relational topisch
Kernbegriffe
  • System
  • relatio
  • Feld
  • topos
Ontologie Dingontologie, Substanzontologie Netzontologie Feldontologie, Situationsontologie
Erkenntnistheorie Realismus Sozialer Konstruktivismus Explikationismus
Phänomenologie Husserl ... Schmitz
Anthropologie Mensch als Individuum Mensch als Beziehungsknoten Mensch als Aktualisierung des Feldes
Wissenschaft Mengentheorie, Monadologie Systemtheorie Topologie, Phänomenologie
Haltung des Beraters Akzeptanz eigener Grenzen Allparteilichkeit Herstellen eines hilfreichen Kontextes
Naturalistisch
  • Materie & Eigenschaften
  • Erleben als Sinneskanalreizung
  • Ökologische Systeme,
  • Naturwissenschaftlicher Organismus
  • Neuronale Netze als Erleben
  • Spiegelneuronen
Personalistisch
  • Grundbedürfnis des Menschen: Individuation
  • Eigene Haltung
  • Wertschätzung statt Pathologieorientierung
  • Hypnotherapie
  • Grundbedürfnis des Menschen: Bezogenheit
  • Beziehungen und Verstrickungen zu Anderen
  • Beratungssystem, Herkunftssystem
  • Erleben als Aktivierung von Erlebnisnetzwerken
  • systemische Therapie
Transpersonal Personaler Gott jap. engi

3. Dimension:

  • Wertschätzung
  • Abwertung bzw. Pathologieorientierung

Achsen

Achsen.png

Siehe: Dreieck, Achsen, Dingontologie, Ereignisontologie, Feldontologie

Übersicht

Paradigma Monadisches Paradigma Relationales Paradigma Operatives Paradigma Topisches Paradigma
"turns" - social turn, relational turn linguistic turn
  • topological turn, situative Wende
  • neo-phänomenologische Wende
Individuum-Modell Individuum und Außenwelt Individuum und Relationen mit der Außenwelt/Anderen Individuum als mehrere Prozessketten Individuum und topische Relationen mit der Welt
Philosophie
  • Demokrit, Platon, Aristoteles, Leibniz, Psychologismus, Introjektionismus, Naturalismus, Dualismus, Dingontologie
  • antike und mittelalterliche Philosophie: Frage nach dem Sein des Seienden im Zentrum
  • mit Beginn der Neuzeit (Descartes): Subjekt-Objekt-Relation ins Zentrum gerückt = sich erst der Erkenntnis des Seienden zuwenden, bevor man das Seiende als solches befragt
  • Etappe der Ontologie -> Etappe der Bewusstseinsphilosophie
  • Europa: Feuerbach, Buber, ..., Habermas, Joas
  • Amerika: Meads Symbolischer Interaktionismus
  • Indien: Nâgârjunas Theorie des "pratîtyasamutpâda"
  • Japan: Zen (siehe topisches Paradigma)
  • Strukturenrealismus

Siehe: Ontologische Aufwertung der Relation

Whitehead, Wittgensteins Sprachphilosophie, Luhmann Prozessontologie
Singularismus Vereinzelbare Individuen Vereinzelbare Individuen u. Relationen
  • Sprechen als vereinzelbare Ereignisse in einem System vereinzelbarer Regeln (Wittgenstein)
-
Phänomenologie Unterscheidung durch Abgrenzung Bezogenheit durch Beziehungen Bezogenheit durch Abgrenzung Bezogenheit durch Darin-Sein
Sources of dominance (Forrester Research) Age of manufacturing and distribution: ... - 1990 Age of information: Connected PCs and supply chains mean those who control information flow dominate: 1990 - 2010 s.l. Age of customer: Empowered buyers demand a new level of customers obsession: 2010 - ...
Gefahr Überabgrenzung, Resonanzverlust Über/Unterabgrenzung, Resonanzverlust Überabgrenzung, Resonanzverlust Unterabgrenzung
Psychologie
  • einsame Seele: Bedürfnisbefriedigung im Außen, Freuds dualistische Triebtheorie, Monadentheorie
  • Bedürfnis nach Autonomie, Freiheit
  • Psychotherapie
    • Psychoanalyse: Objektbeziehungstheorie (Klein, Fairbairn), Interpersonelle Psychoanalyse (E. H. Erikson oder Stack), Beziehungsanalyse (Bauriedl),
    • Systemische Therapie: Bezogene Individuation (Stierlin)
  • Bedürfnis nach Bindung, Nähe
  • Säuglingsforschung, Bindungsforschung
  • Versteckter Leib-Seele-Dualismus
  • Kognitive Verhaltenstherapie
Biologie System-Umwelt-Modell Neurobiologie: Spiegelneuronen Autopoiese Spiegelsystem
Soziologie Individuum und Gesellschaft als Mikro/Makro-Spaltung Simmel, Netzwerktheorie Operative Systemtheorie von Luhmann Sozio-Phänomenologie, Topische Systemtheorie
Gesellschaft Schichten Netzwerke (Ereignis-)Ketten Atmosphären
Physik Beobachterunabhängigkeit Beobachterabhängigkeit Beobachterreflexivität Beobachter als kontextuell Betroffener
+ Neues Individuum und Andere + Beziehungen (relational turn) + Beziehungsereignisse, z.B. als Sprache (linguistic turn): Beziehungen als temporale Entitäten + topische (=vertikale) Beziehungsqualität (topological turn) Achsen

Paradigmen und Einstellungen

Monade.png

  • monadisch

Netz.png

Feld.png

naturalistische Sicht:
Organismus als Objekt
in objektivierender neutralisierender Haltung (nur IQM-Eigenschaften)
  • Organismus als Maschine
  • Fälschliche Annahme des autistischen Säuglings
  • Bezogenheit: Spiegelneuronen
  • Organismus ist bezogen auf Kontakte nach außen
    • von Zelle bis zum Organismus (vertikal)
    • Zelle, Organ: Austauschprozesse
    • Organismus: Wahrnehmung und Bewegung
  • Quatentheorie: Strukturenrealismus
  • Mathematik: Beziehung statt Zahl: Hilbert, Bouraki
  • Austauschprozesse zu Körpern in der Umwelt auf allen Kanälen: von Zelle, Organ bis Organismus
  • duales Verhältnis des Umwelt-Kontaktes: Am-Ort oder Im-Behälter-Sein (mathematische Topologie)
  • Naturalistische Räume, Orte und Felder mit IQM-Merkmalen
  • Imanishi Kinji: Rolle des Ortes in der Evolution
  • wenig Dauerhaftes, da nur duales Verhältnis zur Umwelt
  • Biologische Felder:
    • Kohärentes Feld der Bio-Photonen
    • Rhythmik der Cranio-sakralen Therapie
  • Physikalische Felder
personalistische Sicht:
Person leiblich in eingebunden
in Situationen im lebensweltlicher Haltung
  • Person und Person als Einzelnes

Siehe: Therapie

Monadisches Paradigma

Relationales Paradigma

Philosophie

  • relational turn
  • social turn
  • dialogical turn
  • intersubjective turn

Siehe auch: Relation

The social turn to an intersubjective model of the self initiated by thinkers like Mead and Buber in the West along with Nishida and Watsuji in Japan signifies a radical overcoming of the German tradition of philosophical anthropology. (SO-TSS 438)

It can therefore be said that Mead's principle of sociality defined as the betwixt and between of I and Me, Buber's principle of das Zwischen defined as the between of I and Thou and the Japanese principle of aida defined as the between of self and other, all represent a dialogical principle of "betweenness" in interpersonal relationships functioning as the basis for a social theory of self. Each of these thinkers develop the "between" as an ontological category functioning to signify the social field of relationships in which both self and others arise through mutual encounter. Hence, from the standpoint of the history of philosophical anthropology, G. H. Mead in American pragmatism and Martin Buber in European existentialism as well as Watsuji Tesurô, Kimura Bin, Nishida Kitarô, Ueda Shizuteru and others in the tradition of modern Japanese philosophy, have together converged upon an intersubjective communication model of the social self based on a dialectic of I-Other relations and a dialogical principle of betweenness. (SO-TSS 435f)

Furthermore, all of these frameworks have shifted from a monological concept of self as a solitary I to a fully dialogical concept of self located in the between of "I and Thou". Again, all of these frameworks have shifted from a subjectivist model of self wherein individuation precedes sociation to an intersubjectivist model of self as an interplay of individuation and sociation. It can thus be said that in the twentieth century, both in the East and in the West, there has been a social turn in the history of philosophical anthropology; namely, a paradigm shift to a new ideal of personhood as a bipolar self arising through communicative interaction between the individual and the society. (SO-TSS 454)

Westliche Philosophie

Schließlich erscheint eine erkenntnistheoretische Rückbindung der Relationalen Soziologie an Ernst Cassirers „Substanzbegriff und Funktionsbegriff“ (1910) fruchtbar, der in den modernen Wissenschaften die schrittweise Ersetzung von Dingbegriffen durch Relationsbegriffe diagnostiziert und darin den entscheidenden Durchbruch des neuzeitlichen Erkenntnisgewinns sieht. (Roger Häußling in: RH-RS83)

For this reason Mead, Macmurray, and Buber have been described as three paradigmatic figures in twentieth-century Western thought representing the social turn from a monological to a dialogical notion of man as a relation between I and Other. (SO-TSS 452)

Das Selbst ist wesentlich eine soziale Struktur, es bildet sich in sozialer Erfahrung (in: „Geist, Identität, Gesellschaft“, 182, engl.: „Mind, Self and Society“, 1934)

Ernst Cassirer
  • Ernst Cassirers „Substanzbegriff und Funktionsbegriff“ (1910)

Hua-Yen-Buddhismus

Die grundlegende Struktur der phänomenalen Welt, von diesem Standpunkt aus gesehen, wurde am besten von der Hua-Yen-(jap.: Kegon)-Schule der Mahayana-Philosophie, die in China blühte, erläutert. Diese Schule lehrt, alles im Universum sei eine einzigartige Verkörperung der absoluten Wirklichkeit; alles sei ein Spiegel, der das höchste Licht widerspiegelte. Und alle Spiegel, die alle in sich das höchste Licht widerspiegeln, spiegeln auch einander auf solche Art und Weise wider, dass sie jeweils alle anderen Spiegel widerspiegeln. Das ganze Universum wird als unendliche Anzahl von leuchtenden Spiegeln dargestellt, die einander gegenüberstehen, so dass die ganze Welt als unendliche Lichtmasse unergründbarer Tiefe erscheint. In einer solchen Situation muss die kleinste Bewegung eines einzigen Spiegels die ganze Lichtwelt verändern. Und da sich in der phänomenalen Dimension alle Dinge von Moment zu Moment verändern und die kleinste Bewegung der Dinge eine neue Anordnung bedingt, wird in jedem Moment eine neue Welt geboren. (TI-PZB 77)

Japanische Philosophie

Als, both simultaneously with and independently of Martin Buber in the West, Nishida Kitarô recognized the epochmaking significance of Feuerbach's turn to a concept of self as a unity of I and Thou, and then proceeded to thematize the I-Thou (ware to nanji) relationship constituting the social self in the context of his own Zen Buddhist philosophy of absolute Nothingness. ... This turning point described in the philosophical anthropologies of Watsuji and Nishida in modern Japanese thought has thereby converged with the social turn of classical American pragmatism initiated by G. H. Mead. It has therefore been suggested that Mead's turn to a communication model of the social self as an I-Other relation and Nishida's Zen notion of the self as an I-Thou relation in Japan. (SO-TSS 453)

Siehe: Zen

Psychoanalyse

Der Mensch wendet sich dem anderen Menschen nicht nur zu, weil er ein Kommunikations- oder Triebbedürfnis zu befriedigen hat, weil er Schutz braucht oder Hunger verspürt oder weil ihm langweilig ist, sondern weil er sich dadurch als Mensch erst konstituiert. (AT-DvS 17)

Was diese Nachfolger Freuds betonen, ist die Wichtigkeit der Vorgänge zwischen emotional verbundenen Menschen in langandauernden Beziehungen, wie sie für das menschliche Leben charakteristisch ist. Laut W. Ronald D. Fairbairn (...) ist der früheste, innigste Wunsch jedes Neugeborenen der nach einer liebevollen, befriedigenden Beziehung zu dem ihn versorgenden Elternteil. Die Herstellung auf Aufrechterhaltung dieser entscheidenden Beziehung ist - viel mehr als die bloße Befriedigung angeborener sexueller Triebe - das Ziel, auf das die machtvolle Libido des Kindes letztendlich gerichtet ist. (MS-AuN 233)

Siehe: Objektbeziehungstheorie, Psychoanalyse

Soziologie

In einem richtungsweisenden Text, der den bezeichnenden Titel „Manifesto for a Relational Sociology“ trägt, hat Emirbayer (1997) das Paradigmatische der Relationalen Soziologie herausgearbeitet. Er sieht im Grunde nur zwei Möglichkeiten, heutzutage Soziologie zu betreiben, entweder in einer „substantialistischen“ oder in einer „relationalistischen“ Weise. (Roger Häußling, in: Relationale Soziologie)

Quelle: http://www.soziologie.rwth-aachen.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaacifdb
  • Karl Löwith
  • Simmel

Karl Marx

Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn. (Karl Marx 1976: 188. Zit.n.: RH-RS 64)

Marxistisch inspirierte Philosophie der Intersubjektivität, die das Individuum nicht atomar, sondern in seinem ursprünglichen Sozialbezug zu erfassen sucht. (Vgl.: RS-MJP 333)

Mathematik

Seit Hilbert und anderen, endgültig seit der Arbeit des französischen Mathematikzirkels Bourbaki, ist die Mathematik einer durchgreifenden Formalisierung unterworfen, die darin besteht, dass nicht mehr über bestimmte Gegenstände gesprochen wird, sondern über Systeme von Beziehungen zwischen unbestimmt gelassenen Gegenständen, für die es zwar noch eine primär intendierte, bevorzugte Deutung gibt, aber auch andere Deutungen zugelassen werden. Die Beziehung hat als primäres Thema der Mathematik die Zahl eingeholt oder gar überholt. Dagegen sind die Mathematiker blind für die Verhältnisse geblieben, die den Beziehungen zu Grunde liegen, aus denen diese hervorgehen. (S-KGM 97)

Hypostasierung der Intersubjektivität als Drittes

Die relationale Intersubjektivität wird als eigenständiges Drittes hypostasiert, z.B. als Sprache.

Intersubjektivität als Sprache bei Lacan:

Aber Lacans Vorstellung von Sprache lässt jenen vorsprachlichen Teil der Verständigung außer Acht, den die Säuglingsforschung zum unverzichtbaren Bestandteil psychoanalytischer Theorie gemacht hat. (Jessica Benjamin in: AT-DvS 76)

Kritik, Intersubjektivität als vorsprachlicher gemeinsamer Rhythmus:

Nach meinem Triangulierungskonzept konstituiert sich Anerkennung nicht erst in der Vermittlung durch Sprache, sondern bereits in einem frühen, nonverbalen Entwicklungsstadium, das dem Kind in der Interaktion mit der Mutter (oder mit einer anderen Bezugsperson) die emergente Erfahrung eines miteinander geteilten Verhaltensmusters, eines gemeinsamen Rhythmus vermittelt. Deshalb habe ich vorgeschlagen, ein "emergentes" oder "synergetisches" Drittes anzunehmen, das sich vom intrapsychischen Dritten der Mutter unterscheidet (Benjamin 2007). Diese Form des Dritten ist bereits in jenem frühesten, gestisch vermittelten Austausch zwischen Mutter und Kind wirksam, der der so genannten symbiotischen Phase angehört. Ich sehe darin bereits eine Form der Triangulierung und schlage vor, das Prinzip der Affektresonanz, das Mutter und Kind miteinander verbindet und sich buchstäblich in der symbiotischen Einheit konstituiert, die "Gemeinschaft im Dritten" (one in the third) zu nennen. (Jessica Benjamin in: AT-DvS 76)

In seiner Auseinandersetzung mit der Säuglingsforschung hat Sander (2002) das der Affektresonanz zugrunde liegende rhythmische Prinzip als "Rhythmizität" bezeichnet; es ist für ihn eines von zwei Prinzipien menschlicher Interaktion (das andere Prinzip nennt er "Spezifität"). (Jessica Benjamin in: AT-DvS 76)

In empirischen Studien zum mimischen Austausch zwischen Mutter und Kind (Beebe u. Lachmann 1994) zeigt sich, wie beide sich an einem Dritten ausrichten und einen gemeinsamen Rhythmus erzeugen, der sich nicht auf ein Schema Aktion/Reaktion reduzieren lässt, bei dem einer aktiv und der andere passiv ist oder einer vorgibt und der andere nachzieht. ... Aktion und Reaktion charakterisieren in ihrer Einseitigkeit den Erfahrungsmodus komplementärer Zweiheit, während ein geteiltes Drittes als Gemeinschaftsleistung erlebt wird. (Jessica Benjamin in: AT-DvS 77)

Dualistischer Restbestand

Im relationalen Paradigma gibt es den dualistischen Restbestand der Trennung zwischen Körper und Seele: Dualismus. Siehe auch: Duales Verhältnis

Relationale Übertreibungen

Bei allem Intersubjektivismus geht es darum, den relational turn auch nicht zu übertreiben, d.h. ein ausgewogenes Verhältnis von inter- und intra-psychischem Geschehen zu betrachten.

Übliche Übertreibungen des interpsychischen und damit intersubjektiven Geschehens sind:

  • Das Selbst ist nur Produkt der Interaktion

Gegen die relationalen Übertreibungen ist zu betonen:

Kritik am Intersubjektivismus

Weltlosigkeit der Ich-Du-Beziehung

Auch Bubers dialogisches Denken tendiert zu einer ausgeprägten Weltlosigkeit der Ich-Du-Beziehung. - Die "Abwesenheit" oder "Unerheblichkeit" einer Welt und die Abschaffung irgendwelchen Mediums oder Rahmens der Beziehung ist in analoger Weise auch bei Buber vorzufinden. Einerseits betont auch er die Unabhängigkeit der Ich-Du-Beziehung von irgendwelcher Welt (und insbesondere von der Welt des Erfahrens und des Gebrauchens), denn das Medium im Sinne von Mittel entpuppt sich bei Bubers Ich-Du-Beziehung als unerheblich: "Vor der Unmittelbarkeit der Beziehung wird alles Mittelbare unerheblich" Martin Buber: Das dialogische Prinzip, S. 16. Über die Welt kann man sich laut Buber "verständigen", aber "du kannst anderen nicht in ihr begegnen" (ibid., S. 35). Auf der anderen Seite wird bei Buber auch die Herauslösung der Ich-Du-Beziehung von "allerlei Zwecken des Eswelt deutlich, denn die Ich-Du-Beziehung ist Selbstzweck: "Der Zweck der Beziehung ist ihr eigenes Wesen, das ist: die Berührung des Du. Denn durch die Berührung jedes Du rührt auch ein Hauch des ewigen Lebens uns an" (ibid., S. 65). (Giovanni Tidona, in: KL-DIRM 51)

Ausgleichendes Bedürfnis nach Autonomie und Freiheit

Siehe: Topische Bipolarität

Grundlegende Asozialität als Gegenpol zur Intersubjektivität

Die Behauptung einer vorgängigen Form der elementaren Selbstempfindung lässt sich durchaus als Hinweis auf eine konstitutive Dimension der "Asozialität" in jeder Subjektivität verstehen, weil sie als Gegenpol zur Intersubjektivität eine unhintergehbare Perspektive des subjektiven Erlebens festzuhalten versucht. (Vgl: Axel Honneth in: AT-DvS 325)

Als Rettung des vorreflexiven Selbst (Joel Whitebook)

  • ursprüngliche Feindseligkeit (mit Hobbes gegen Locke)
  • das vorreflexive Selbst (mit Henrich gegen Habermas)
  • den primären Narzissmus (mit Freud gegen Balint)

Zusammengenommen bewirkten diese drei in der menschlichen Natur begründeten Tendenzen das, was Whitebook in Anlehnung an André Green "die Arbeit des Negativen" nennt: eine im innersten Kern des Subjekts beheimatete, per se asoziale bzw. antisoziale Neigung des Unbewussten, die Beziehung zum Anderen zu zerstören, Bindungen zu verhindern oder aufzulösen und sich widerständig gegen alles Intersubjektive zu verhalten. (AT-DvS 334 (Kritik an Joel Whitebook))

Logischerweise kann das Selbst nicht gänzlich ein Interaktionsprodukt sein, weil die Fähigkeit zu interagieren eine Keimform des Selbst voraussetzt, das in diese Interaktion eintreten kann. Ob wir nun das Spiegelkonzept nehmen (Spiegelung durch die Umwelt) oder die sprachphilosophische Position (Reflexion in der Sprachgemeinschaft) - in beiden Fällen müssen wir ein keimhaft bereits bestehendes Selbst unterstellen, das sich bei dieser Begegnung reflexiv erkennen kann. (Joel Whitbook in: AT-DvS 344)

Als Rettung der Leiblichkeit (Hermann Schmitz)

Als Rettung des topischen Raumes (Thomas Latka)

  • auch das relationale Paradigma geht noch von einem dualem "Im-Raum-Sein" aus, d.h. von der Gegenüberstellung von Mensch und Raum.
  • gegen das relationale Raummodell, in dem übergeordneten Koordinatensystem, in dem man sich immer schon befindet.

Operatives Paradigma

Siehe: Prozessontologie

Topisches Paradigma

Vom Relationalen zum Topischen Paradigma

Mit der theoretischen Verselbständigung der Relationen gegenüber den Elementen, die sie miteinander verbinden, lassen sich Felder als Medien begreifen, die diese Elemente in ihrer Bestimmtheit erst hervorbringen. Die theoretische Verselbständigung ist jedoch nicht zu verwechseln mit einer Resubstanzialisierung der wissenschaftlichen Wirklichkeitsauffassung. Anders gesagt: Die feldtheoretische Betrachtungsweise geht nicht darin auf, die von ihr zu überwindenden Substanzmetaphysik gegen eine Metaphysik der Relationen einzutauschen. [Fussnote: Bekanntlich hat Bourdieu genau dies zum Anlass seiner Kritik an den strukturalistischen Ansätzen von Ferdinand de Daussure und Claude Lévi-Strauss genommen (...). Merleau-Ponty hat die Gefahr der Hypostasierung der Struktur anhand ihrer Doppeldeutigkeit als "leichter" und "schwerer Sinn" aufgewiesen (...). Diese Kritik trifft auf alle Spielarten des Präformismus zu, eines Denkens also, das immer schon voraussetzt, was eigentlich erklärt werden müsste und das sich nicht nur in Chomskys "generativer Grammatik", sondern auch bei den französischen Strukturalisten und Konrad Lorenz wiederfindet. (SN-KdsV 236)

The "betweenness of person and person" (hito to hito to no aida) and "betweenness" (aida) do not signify merely a relationship between two individuals. The "betweenness of person and person" is the "place" (basho) functioning as the source from out of which both I and others arise. (Kimura Bin 1972, 65. Zit.n.: SO-TSS 433)

Die Grundbedürfnisse nach Autonomie und Freiheit (im monadischen Paradigma) und nach Nähe und Bindung (im relationalen Paradigma) können auch gleichzeitig erfüllt werden. Es besteht nur ein scheinbarer Konflikt. Siehe: Scheinbarer Gegensatz zwischen Freiheit und Bindung