Relation

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Synonym mit Beziehung.

Inhaltsverzeichnis

Beziehung und Prozess

Beziehungen und Abläufe (Prozesse) gleichen sich in der Gerichtetheit. Sie unterscheiden sich darin, dass Beziehungen (z.B. vom Vater zum Sohn) durch Umkehrung (vom Sohn zum Vater) zum Ausgangspunkt zurückkehren, entsprechende Wiederholungen in umgekehrter Richtung aber einen Ablauf nur verlängern, ohne zum Ausgangspunkt zurückzuführen. (S-KGM 98)

Beziehung und Verhältnis

Grundlage der Beziehung: Verhältnis als Situation

Alle Beziehungen beruhen auf Verhältnissen. (S-BW 57)

Der Begriff "Beziehung" impliziert ein bestimmtes Verhältnis zwischen zwei Interaktionspartnern im Sinne eines Konstellationismus, der Subjekt und Objekt, die sich auf vielfältige Weise zueinander verhalten können, voneinander trennt (...). Der Situationsbegriff hingegen bezieht sich auf das Fundament, auf dem Beziehungen sich überhaupt erst gestalten lassen, ohne in die traditionelle Subjekt - Objekt - Dichotomisierung zu verfallen. (Moldizio: Schizophrenie: Eine Philosophische Erkrankung 189)

Siehe: Relationales Paradigma

Kein Apriori der Beziehung

Apriori der Beziehung (Martin Buber: Die Schriften über das dialogische Prinzip, Heidelberg 1954. Zit.n.: MB-IuD 137)

Wie Wirklichkeit auch verstanden werden mag, sie muss in ihrer Ursprünglichkeit jedenfalls als Beziehung verstanden werden heisst der Grundsatz, mit dem Buber entschieden über jenes von Aristoteles herkommende Schema hinausgeht, welches die in sich ruhende Substanz an die erste Stelle dessen setzte, womit es der Mensch zu tun hat. Eine der unselbständigen (akzidentiellen) Kategorien in diesem Schema war ja durchaus auch die der Beziehung, des pros ti. Aber sie konnte eben nur akzidentiell' an einer schon vorliegenden Substanz auftreten. Für Buber hingegen ist der Grundvorgang, in welchem Wirklichkeit überhaupt zugänglich wird, die geschehende Beziehung selbst. (Bernhard Casper in: MB-IuD 137)

Beziehungen setzen Zahlen voraus, sowohl für ihre Stellenzahl als auch für die Anzahl der Beteiligten; (S-KGM 80)

Beziehung als Aufspaltung eines Verhältnisses

Alle Beziehungen sind gerichtet (von etwas, das sich bezieht, auf etwas, worauf es sich bezieht) und gehen durch Spaltung aus ungerichteten Verhältnissen hervor, z.B.

  • die Abstammungsbeziehungen in einer Familie aus dem Stammbaum
  • die Beziehungen von Tönen zu Tönen in einer Tonleiter aus Intervallen und Akkorden,
  • die Beziehungen des Rechten zum Linken aus dem Verhältnis der Lage neben einander. (S-DRdN 169)

Beziehungen sind aber nicht ursprünglich, sondern entstehen durch Aufspaltung von Verhältnissen, z.B. die Beziehung des c zum g in der Grundtonart und die umkehrte durch Aufspaltung der Quinte, die Beziehung der Wurzel zum Quadrat und die des Quadrats zur Wurzel durch Aufspaltung des arithmetischen Potenzverhältnisses. (S-JDN 30)

Menschen können nicht denken, ohne Verhältnisse in Beziehungen aufzuspalten. Wer anders zu denken vermöchte, hätte einen anschauenden Verstand, den Kant ohne ersichtlichen Grund Gott vorbehalten und an dessen Schöpferkraft binden wollte; ein solcher brauchte nicht Netze von Beziehungen von Knoten zu Knoten zu durchlaufen, um komplexe Verhältnisse bis ins Detail zu durchschauen. ( S-JdN 31)

Menschen, wie auch Tiere, können komplexe Verhältnisse im Umgang ganzheitlich auffassen und durch ihr Verhalten erfolgreich beantworten, aber für ein ins Einzelne eindringendes Verständnis benötigen sie die Aufspaltung der Verhältnisse in Beziehungen. (S-JdN 32)

Unter den Beziehungen ist die zweistellige Beziehung grundlegend

Die grundlegenden Beziehungen sind die zweistelligen von etwas zu etwas; sie tragen das Erbe ihrer Herkunft aus zweiseitigen Verhältnissen an sich durch ihre Umkehrbarkeit, ihre Paarung mit einer Beziehung, die statt von A zu B von B zu A führt. Jedes zweiseitige Verhältnis lässt sich in zwei so gepaarte Beziehungen aufspalten. (S-JDN 30)

Relation als Spezialform der Richtung

Eine Relation (oder auch Beziehung) ist als duales Verhältnis schon eine Spezialform der Richtung, nämlich eine Richtung, deren Start und Ziel feststeht.

Eine Relation oder synonym Beziehung ist eine mindestens zweistellige Entität:

  1. Startpunkt
  2. Zielpunkt

Zusätzlich kann die Qualität der Relation als dritte Größe hinzugenommen werden, die sich selbst wieder in verschiedene Größen aufteilen kann, wie z.B.:

  • Stärke
  • Verankerungstiefe mit Start und Ende
  • Startdiffusion: Wie stark die Relation am Startpunkt gebündelt oder verstreut ist
  • Zieldiffusion: Wie stark die Relation am Endpunkt gebündelt oder verstreut ist

Relation als Zwischen

Dem lebensgeschichtlichen Zusammenhang von Außen und Innen kommt die Wissenschaft vom Unbewussten freilich nur auf die Spur, wenn sie in der Lage ist, auch das vermittelnde Zwischen zu konzeptualisieren. (AT-DvS 27)

  • Zwischen Mensch und Mensch (Kimura Bin)

Relation als Geschehen

  • Beziehung als Beziehungsvorgang
  • Beziehung als Operation

Beziehung als Beziehungsgeschehen

Bubers Denken findet dadurch einen ursprünglicheren Zugang zur Wirklichkeit, dass es diese von vorneherein nicht als vorliegende Substanz versteht, sondern als sich in geschehender Beziehung eröffnend. "Im Anfang ist die Beziehung" (22) - das "Apriori der Beziehung" (31). (Bernhard Casper in: MB-IuD 137)

Beziehung als Realisierung

Die erlebten Beziehungen sind Realisierungen des eingeborenen Du am begegnenden; dass dieses als Gegenüber gefasst, in der Ausschließlichkeit aufgenommen, endlich mit dem Grundwort angesprochen werden kann, ist im Apriori der Beziehung begründet. (MB-IuD 27f)

Beziehung als Beziehungsereignis

Der Mensch wird am Du zum Ich. Gegenüber kommt und entschwindet, Beziehungsereignisse verdichten sich und zerstieben, und im Wechsel klärt sich, von Mal zu Mal wachsend, das Bewusstsein des gleichbleibenden Partners, das Ichbewusstsein. (MB-IuD 28f)

Relationen in Systemmodellen

  • operative Systemmodelle (Prozessphilosophie)
    • Eine Relation wird als Anschluss-Relationen verstanden (Kettenmodell)
  • retive Sytemmodelle (Netzwerk, Netzmodell)
    • polyzentrische Relationen sind die direkte Verbindungen zwischen zwei Punkten
    • topozentrische Relationen sind die Verbindungen über den Raum, indem zwei Geraden durch Punkte gezogen werden, die sich an einem dritten Punkt im Raum treffen

Siehe: Systemtheorie

Ontologische Abwertung der Relation

In der abendländischen Philosophie beginnt die Thematisierung der Relation in der akademischen Prinzipienlehre in ihrer im Sextus-Referat erhaltenen pythagoreischen (...), dann von Platon modifizierten (...) Version. Dabei kommt die Relation von Anfang an zu kurz, weil statt ihrer nur das erste Beziehungsglied zweistelliger Relationen, das auf ein Relat sich beziehende Referens, unter dem Titel des Zu-etwas (...) betrachtet wird. (S-DWdeP1 303)

Die Neigung zur Degradierung des Seins der Relationen hat in der Philosophie schon vor Leibniz eine lange Geschichte (...). Dafür sind nicht nur theoretische Fehlgriffe verantwortlich, sondern in der verkehrten Ontologie prägt sich eine Tendenz des Lebenswillens aus: die Bejahung der Selbständigkeit des Einzelwesens auf der objektiven wie auf der subjektiven Seite. Auf dieser handelt es sich um das Interesse personaler Emanzipation, der Eigenmächtigkeit, der Abstandnahme von allem Einbettenden und Verstrickenden, (...). Auf der objektiven Seite entspricht ihm die seit den Atomisten Leukipp und Demokrit dominante Tendenz der Vergegenständlichung des Begegnenden nach dem Muster fester Körper, an denen standardisierte Merkmale in optischem Zählen abgelesen werden können. Das emanzipierte Subjekt sucht sich das fixierte Objekt als eine Substanz mit standardisierten Merkmalen. ... (S-DuG 110f)

  • subjektive Seite: Interesse personaler Emanzipation, der Eigenmächtigkeit, der Abstandnahme.
  • objektive Seite: Vergegenständlichung des Begegnenden nach dem Muster fester Körper.

Platon

Platon teil im Sophistes (...) die Seienden ein in solche, die an sich und die zu anderem sind (entsprechend der Gegenüberstellung von Ansichsein und Sein für anderes in Hegels Wissenschaft der Logik). (S-DWdeP 303)

Aristoteles

Einflussreicher ist die von Aristoteles im 14. Buch der Metaphysik 1098b 23f. eingeführte Gliederung der Gegenstände in drei Sorten der Substanzen (d.h. der Dinge an sich), ihrer inneren Eigenschaften und ihrer Relationen oder vielmehr Referens--Rollen. (S-DWdeP1 303)

Aristoteles hat im letzten Buch der Metaphysik mit seiner dreistufigen Substanzontologie (Substanzen mit inneren Eigenschaften und äußeren Relationen zu einander) der Degradation der Relation mächtig Vorschub geleistet, gefördert durch den fast noch mächtigeren Einfluß der pseudoaristotelischen Kategorienschrift. (Vgl: S-WNP 341

(Quellen zu Aristoteles: 1088a 23. 29 f., 1089b 23 f., vgl. Nikomachische Ethik 1096a 21f.))

Leibniz

Bisweilen wird die ontologische Degradation der Relation so weit getrieben, sie zum bloßen Gedankending herabzusetzen, das erst der Verstand, und sei es der göttliche, zu den an sich bestehenden Substanzen mit ihren inneren Eigenschaften hinzufüge, so von dem Scholastiker Petrus Aureoli (frühes 14. Jahrhundert) und dann, an prominentere Stelle im Licht philosophiegeschichtlicher Beachtung, von Leibniz. (S-NGE 20f)

Kant

Wie mächtig die erkenntnistheoretischen Konsequenzen dieser ontologischen Vorurteile sein können, zeigt der Krizitismus Kants, dessen Ausstrahlungskraft in der Geschichte der Philosophie unübertroffen sein dürfte. Der Primat der Substanz, die Degradation der Relation sind die maßgeblichen ontologischen Voraussetzungen dieses Kritizismus, die sich in dem Grundsatz treffen, dass die Substanzen an sich isoliert bestehen und ohne Beziehungen zu einander auskommen. ... Auf dieses ontologische Postulat geht Kants terminologische Prägung "Ding an sich" zurück; ... (S-NGE 21f)

Degradation der Beziehungen zu bloßen Anhängseln bei Kants transzendentalem Idealismus.

Wilhelm von Ockham

Der Singularismus Wilhelms schöpft seinen unerhörten Radikalismus aus der Kappung oder Zerstörung aller Zusammenhänge. Aus der der Einzelheit wird die Absolutheit von lauter Dingen an sich. (S-DWdeP2 137)

Relationen sind nichts weiter als Intentionen oder Begriffe der Seele. Aristoteles hat gelehrt, dass Relationen (oder vielmehr Referentien, Vorderglieder zweitstelliger Relationen als solche) das mindest Seiende und sozusagen nur Auswüchse am Seienden seien. Das genügt Wilhelm nicht: "Beziehungen (respectus) sind nicht kleine Sachen, die von den absoluten verschieden wären, sondern sind selbst die absoluten (abgelösten Sachen). Daher können sie vor Gott so gut wie die absoluten geschaffen werden." ... Wilhelm vergisst das "und" ... (S-DWdeP2 137f)

Das Bestreiten der Relationen für Wilhelm zu umwälzenden Neuerungen des Denkens und Sprechens auf vielen Gebieten. Als erstes Beispiel nenne ich die Kausalität. Wilhelm lehrt, "dass es keine solche Beziehung des Tätigen zum Erlittenen oder zum Produkt gibt, wie es sich die Mensch gewöhnlich einbilden. Vielmehr: Außer der Ursache ist da bloß das Produkt, und Gott kann es machen ohne jede mitwirkende Zweitursache." Das Weswegen (propter hoc), da wir zu beobachten glauben, ist gemäß der bekannten Formel für Humes Kausalskepsis nur ein Danach (post hoc). (S-DWdeP2 139)

Wilhelms Relationsverzicht hat nur Sinn im Zuge des ihn leitenden Bemühens, überall die Absolutheit des per se oder ohne weiteres Einzeln durchzusetzen und dessen Einzelheit von jeder Abhängigkeit von der Bestimmtheit als etwas - auch der Einordnung an einem Platz im Universum - loszusprechen. (S-DWdeP2 141)

Die Kappung der Zusammenhänge, die Verbannung der Relationen ist auch die Grundlage der Erkenntnistheorie Wilhelms, ... (S-DWdeP2 150)

Wie bei seiner Einführung des Projektionismus ersetzt Wilhelm also auch beim Erkennen und Wirken (Gottes oder der Sonne) Relationen durch Bezeichnungsweisen von Zeichen, die Dinge an sich sind wie das Bezeichnete und gewissermaßen angeben, wie etwas ohne Beziehung auf etwas ist und nebenbei (connotando) noch auf etwas anderes bezogen wird. Die Angabe einer Beziehung kommt nach ihm ohne wirkliche Beziehung aus. Geschichtsträchtig ist diese seltsame Verweigerungshaltung, weil sie das Immanenzdogma vorbereitet, nach dem das Subjekt in seinem Bewusstsein wie in einer Festung eingeschlossen ist, ohne die Brücke einer Beziehung zu den Gegenständen schlagen zu können; dieses Dogma, das aus der Antike (Skeptiker, Kyrenaiker) stammt, setzt sich von Descartes bis zu Husserl, den Satre zu Unrecht als Überwinder dieser von ihm verachteten "Verdauungsphilosophie" ausgab, bei vielen Denkern wie eine selbstverständliche Wahrheit fest, krass zum Beispiel bei Fichte (...), aber auch bei Leibniz, Kant und ihren Nachfolgern. (S-DWdeP2 151)

... bis Wilhelm von Ockham die Elimination der Relationen nach Art der von Simplikios bekämpften Relationsleugner wiederholt und dadurch das Baukastendenken des in der Neuzeit triumphierenden Singularismus ("Alles ist ohne weiteres einzeln") und Konstellationismus anregt. (S-DWdeP1 306)

Nietzsche

Ein bestimmter Körper ist gleich so und so viel Relationen. Relationen können nie das Wesen sein, sondern nur Folgen des Wesens. (Nietzsche, Zit.n.: S-DWdeP2 560)

Einen zusätzlichen Fallstrick legt Nietzsche seinem Erkenntnisvertrauen, indem er, genau wie Kant, das traditionelle Vorurteil ontologischer Degradation der Relation festhält und daher mit der Erkenntnis, wo sie sich auf einen Relationsgeflecht bezieht, nicht zu dem eigentlich zu erkennenden Wesen der Dinge vordringen zu können glaubt. (S-SaP 345)

Luhmann

Der Beziehungsbegriff bildet oft den Ausweg aus einem schon verkorksten Theorieanfang. Der Begriff hat nach alter Auffassung etwas ontologisch Minderwertiges (und doch Ontologieabhängiges) an sich, da er Substanzen (hier eben: Menschen) voraussetzt, die nicht in den Beziehungen aufgehen und auch nicht durch die Beziehungen definiert sind, die "zwischen" ihnen bestehen. (NL-1988a, 76)

Mengentheorie

In der mathematischen Logik oder Mengenlehre hat man den Unterschied zwischen Eigenschaften und Relationen eingeebnet; die Relationen (eigentlich die zweistellige, auf die alle mehrstelligen Relationen reduziert werden) gilt (nach Wiener und Kuratowski) als Eigenschaft geordneter Paare, in die an erster Stelle das Referens und an zweiter Stelle , um für den Fall reflexiver Relationen der Paarung eines Dings mit sich selbst zu entgehen, statt des Relats die Menge, deren einziges Element das Relat ist, aufgenommen wird. Diese Einführung der Relationen ist zirkelhaft, weil Paarung selbst eine Relation ist. In Wirklichkeit unterscheidet ein anderer Typ des Zukommens zum Fall die Relation von der Eigenschaft. (S-DuG 107f)

Allgemein

Die klassische Metaphysik hatte immer das Wesentliche auf die erste Stelle gerückt und dann das zufällig Hinzukommende folgen lassen; sie hat die Substanz, die essenz, glorifiziert und das Akzidens, das Attribut, eher kavaliersmäßig behandelt. Die Sprachspiele der Alltagsontologie verfahren bis heute nicht anders: zuerst das Zugrundeliegende, dann das Daraufgestellte; zuerst die Träger, dann die zufüllig angehängt Eigenschaft; zuerst die Sprache selbst, dann ihre Beziehungen zu anderem. Unsere Sprachen sind so gebaut, dass wir praktisch mit jedem Satz diesen Habitus bestätigen. (SP-DSudT 150)

Kausale Aufwertung der Relation

Siehe: Kausalität

Ontologische Aufwertung der Relation

Buddhismus

An diesem Punkt angelangt, sollten wir daran erinnern, dass der Buddhismus ganz allgemein auf dem Begriff des pratîtyasamutpâda (jap.: engi/縁起) aufgebaut ist, das heißt auf der Idee, dass alles entsteht und als das existiert, was es ist, dank der unendlichen Anzahl von Beziehungen, die es mit anderem verbindet; all diese "anderen Dinge" erhalten ihrerseits ihre vermeintliche selbst-ständige Existenz von anderen Dingen. So gesehen, ist der Buddhismus ein ontologisches System, das auf der Kategorie der relatio gründet, im Gegensatz zum Beispiel zum platonisch-aristotelischen System, das auf der Kategorie der substantia gründet ist. (Toshihiko Izutsu: Philosophie des Zen-Buddhismus 28)

Indien

Nâgârjunas Theorie des „pratîyasamutpâda“

China

Mit anderen Worten, im chinesischen Kontext gilt nicht die Aufeinanderfolge Substanz-Akzidens-Relation; vielmehr die Gewichtung auf Relation und Kontext bzw. auf der Funktion (yong) einer grundlegenden Gegebenheit (ti). (GL-LoK 310)

Die klassische chinesische Kultur, die die Weltanschauung und das Lebensgefühl mit einem Geflecht analogischer Beziehungen als Manifestation atmosphärisch spürbarer und wirksamer Mächte durchdringt, ist den entgegengesetzten Weg gegangen; die Substanzontologie, das Pressen der elementaren Einheit und die Degradation der Beziehungen sind ihr fremd. (S-DuG 111)

Japan

Zen

Wir müssen uns nochmals vergegenwärtigen, dass das philosophische Denken des Zen – und des Buddhismus im allgemeinen – auf der Kategorie der relatio, und nicht der substantia, ruht und sich darauf gründet. Alles, die ganze Welt des Seins wird als Beziehung gesehen. Nichts soll als selbst-ständig und selbst-genügend betrachtet werden. (TI-PZB 46)

Zen begnügt sich jedoch nicht mit dieser Beobachtung. Es fährt fort und beharrt darauf, dass wir einen Zustand erreichen sollten, von dem aus wir das ursprünglich nicht-artikulierte Feld beobachten können, während es sich selbst frei und freiwillig artikuliert, was ohne die zweiteilende Aktivität unseres Intellekts, das heißt die Trennung in "Subjekt" oder "Objekt" geschieht. Dazu müssen wir unbedingt festhalten, dass die Selbst-Artikulation des Feldes das ganze Feld und nicht nur ein Teil davon mit einbezieht. Anstatt eine Abstraktion zu sein, sind "Subjekt" und "Objekt" in diesem Falle eine totale Konkretisierung oder Aktualisierung des gesamten Feldes. (TI-PZB 46f)

Siehe auch: Feldontologie

Hiromatsu

In Die intersubjektive Seinsstruktur der Welt unternimmt Hiromatsu aus seiner eigenen Perspektive der "Priorität der Relation" eine kritische Überprüfung von Wahrnehmung, Sprache, Geschichte, Rollenverhalten und Urteil. (Tashiaki Kobayashi, In: JL3-240)

Hiromatsu hat selbst auf die Verwandschaft seiner Theorie mit der des indischen Philosophen Nâgârjunas hingewiesen, der als Begründer des Mahajana-Buddhismus gilt und einen großen Einfluß auf den Buddhismus in China und Japan ausübte. In Nâgârjunas Theorie des „pratîyasamutpâda“ ist die Vorstellung einer Substanz in jedem Sinne ausgeschaltet, und die Dinge werden als eine bloße Zusammenstellung von Beziehungen betrachtet. Diese Idee stieß in Ostasien auf großes Interesse und findet sich in ähnlichen Konzeptionen bei vielen japanischen Philosophen wieder, so beispielsweise in Nishida Kitarôs These der „reinen Erfahrung, in der Subjekt und Objekt noch nicht voneinander geschieden sind“. Auch Watsuji Tetsurô hat in seiner bekannten Ethik das Verständnis des Menschen als Individuum abgelehnt und statt dessen den Begriff des „Zwischenmenschen“ als „Zusammenhang der Handlungen“ entwickelt. Diese Denktradition zeigt sich meines Erachtens auch bei Hiromatsu, wenn er unsere Welt auf das „vor-reflexive Phänomen“ zurückführt, in dem es noch keinen Unterschied zwischen Subjekt und Objekt gibt, oder wenn er der Beziehung Priorität einräumt und die Dinge als deren Gerinnen betrachtet. (TK in SR-JL3)

Hiromatsu: Ereignisbezogener Relationismus

Plotin

Siehe: Plotin

Johannes Scotus Eriugena

Im Gefolge neuplatonischen Denkens hat im 9. Jahrhundert Johnnes Scotus Eriugena die Relation über das bloße Referens hinaus abermals thematisiert um im 1. Buch von Periphyseon durch alle Kategorien hindurch verfolgt. Kurt Flasch bescheinigt ihm deshalb die "Größe" einer "relationstheoretischen Entdeckung", doch handelt es sich bestenfalls um eine Nachentdeckung, mit allerdings origineller Anwendung auf das seit Boethius virulente Universalienproblem. (S-DWdeP1 306)

Hermann Schmitz

Relationen sind demnach viel tiefer und breiter im Weltstoff verwurzelt als Eigenschaften. (S-DuG 109)

Der Vorrang der Relationen nicht nur vor den Eigenschaften, sondern sogar vor den Einzelwesen, die Eigenschaften besitzen können, wird vollends dadurch garantiert, dass Identität und Verschiedenheit, ohne die es keine individuelle Einheit und daher keinen Träger von Eigenschaften gäbe, selbst Relationen sind. (S-DuG 109)

Peter Sloterdijk

Das philosophische Engagement von Sphären I besteht in dem Vorsatz, die in der philosophischen Tradition stiefmütterlich behandelten Kategorie der Relation, der Beziehung, des Schwebens in einem Ineinander-Miteinander, des Enthaltenseins in einem Zwischen, zu einer erstrangigen Größe zu erheben und die sogenannten Substanzen und Individuen nur als Momente oder Pole in einer Geschichte des Schwebens zu behandeln. Dies alles aber nicht im Stil einer Dialogphilosophie, wie sie unter den Theologen populär geworden ist, sondern mithilfe einer profanen oder anthropologischen Theorie des geteilten Raums oder des subjektiven Feldes. (SH-DSudT 139)

Strukturenrealismus: Struktur als Menge von Relationen

Siehe: Mengentheorie, Struktur, Strukturenrealismus

Relationstypen

Dialogische und topische Relationen

Dialogisch Topisch
Direkt Indirekt
Explizit Implizit
Freundlichkeit (Han) kommunikative Freundlichkeit archaische Freundlichkeit

Siehe: Stufen

Dialogische Relation

Eine polyzentrische Relation ist eine Relation, die zwischen zwei oder mehreren Elementen auf direkte, explizite Weise erfolgt.

Die dialogische "Beziehung" setzt dagegen eine Innerlichkeit des Ich voraus, von der eine Anrufung des von ihm geschiedenen Du ausgeht. (BCH-PZB 133)

Aristokratische & Kommunikative Freundlichkeit:

  • setzt ein volles, überfülltes Innen voraus, das vom Außen getrennt bleibt durch eine "Festung"
  • eine Freundlichkeit des "Fenster", hinter dem die Innerlichkeit glüht, eine Freundlichkeit der mit Fenstern versehenen Monaden

Siehe: Duales Verhältnis

Topische Relation

Eine topische Relation ist eine Relation, die zwischen zwei oder mehreren Elemente auf indirekte, implizite Weise erfolgt.

Topische Relationen.png

Siehe: Topisches Verhältnis, Allozentrische Relation

Unterscheidung als Relation

Eine Unterscheidung ist duales Verhältnis.

Abbildende Beziehung

Siehe: Abbildende Beziehung der linguistischen Inventartheorie (Elementarismus).

Beziehungsmodi: "Und" + "Entweder-Oder"

Siehe:

"Entweder-Oder" als grenzenlose Beziehung

Solche Beziehungen gleichen in meiner theoretischen Vorstellung zwei (oder mehr) übereinander liegenden Kreisen, die sich mehr oder weniger überdecken. Im Prinzip stellen die beiden Kreise zwei Personen dar, deren Grenzen sich nicht von außen berühren, sondern sich gegenseitig überschneiden. Das Bild macht klar, dass an den Stellen der "Überschneidung" nicht klar ist, welche Teile zu welchem Beziehungspartner gehören. Die Grenzen zwischen ihnen sind sind unklar, sie gehen nicht miteinander um wie zwei psychische Wesen, sondern behandeln sich gegenseitig so, als wären sie Teile voneinander. (TB-LiB 16)

Zwei Ängste sind für diese "grenzenlose" Beziehungsstruktur charakteristisch. Es sind die beiden sozialen Grundängste, von denen wir alle bestimmt werden, soweit wir uns in unseren Beziehungen nicht sicher und geborgen fühlen und können:

  • die Angst vor dem Vereinnahmt-Werden und
  • die Angst vor dem Ausgestoßen-Werden. (TB-LiB 18)

Siehe: Symbiose, Unscharfe Grenze, Unterabgrenzung

Ding- und Sinnverknüpfungen (Cassirer)

Zwei Arten von Verknüpfungen (Cassirer PhsF 3, 108):

  • Dingverknüpfungen (z.B. auch ursächliche Vernküpfungen)
  • Sinnverknüpfungen (deren ursprünglichste Form eben im leiblichen Ausdruck zu suchen ist)

Dingverknüpfungen

z.B. ursächliche Verknüpfungen.

Symbolische Relation (Verschränkung)

Nicht jeder empirische "Nexus" lässt sich, mittelbar oder unmittelbar, in einen Kausal-Nexus auflösen. (C-PhdsF III, 115)

Der Mittelpunkt jeder symbolischen Relation ist das reine Ausdrucksphänomen, wo Seelisches auf Leibliches, Leibliches auf Seelisches bezogen erscheint. (Vgl: C-PhdsF3, 121)

[U]nd eben gegen diese Form des Durch-Einander-Bestimmtseins setzt sich die eigentümliche Weise des In-Einander, des wechselseitigen Verwoben-Seins und Verschränkt-Seins, wie sie die Beziehung von Leib und Seele aufweist, immer aufs neue zur Wehr. (C-PhdsF3, 116)

Verhältnis von Seele und Leib

Das Verhältnis von Seele und Leib stellt das erste Vorbild und Musterbild für eine rein symbolische Relation dar, die sich weder in eine Dingbeziehung noch in eine Kausalbeziehung umdenken lässt. Hier gibt es ursprünglich weder ein Innen und Außen, noch ein Vorher oder Nachher, ein Wirkendes oder ein Bewirktes; hier waltet eine Verknüpfung, die nicht aus getrennten Elementen erst zusammengefügt zu werden braucht, sondern die primär ein sinnerfülltes Ganze ist, das sich selbst interpretiert, - das sich in eine Doppelheit von Momenten auseinanderlegt, um sich in ihnen "auszulegen". (C-PhdsF3, 117)

Letzthin beruhen alle Dingverknüpfungen und alle ursächlichen Verknüpfungen auf Sinn-Verknüpfungen. (Vgl: C-PhdsF3, 177)

Verkümmerung zur Dingverknüpfung

Die Art der "Gemeinschaft", die zwischen Leib und Seele besteht, erscheint jetzt als die eines bloßen "Beisammen" - und dieses Beisammen schließt zugleich prinzipiell ein Auseinander in sich. Die Zweiheit ist aus einer Zweiheit der Momente zu einer Zweiheit von Gebieten geworden: die Wirklichkeit hat sich endgültig in eine "Innenwelt" und eine "Außenwelt" zerlegt. (C-PhdsF3, 120)

Identitäts- und Realisationsrelation

Was sich festhalten lässt, ist die ontologische Tatsache, dass Personen nicht mit ihren Körpern identisch sind, weil hier nicht die Identitätsrelation, sondern die Realisationsrelation zu greifen hat. (Schärtl in AdL 72)

Identitätsrelation

Realisationsrelation