Idealismus

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Der Idealismus ist eine Spielart der Dingontologie. Man versucht sich die Welt als dinghafte Idee einzuverleiben (Die-Welt-im-Ich), anstatt sich mit dem ursprünglicheren leiblichen In-der-Welt-Sein (In-Sein) abzufinden.

Der Idealismus kann zugleich eine Spielart der Prozessontologie sein, da versucht wird die klassische Subjekt-Objekt-Spaltung durch einen idealistische Bewusstseinsstrom zu überwinden. Die Leiblichkeit des In-der-Welt-Seins geht damit aber leicht verloren.

Der Idealismus ist mit seinem Counterpart des Materialismus eine ontologische Verstärkung des anthropologischen Dualismus, im Falle des Idealismus des hypostasierten Denkens in Ordnungen.

Der Idealismus ist daher auch keine Alternative zum Dualismus, da nur spekulativ. Die Alternative wäre das topische In-Sein als Feldontologie.

Für den Idealisten ist die Welt ein Beiwerk (Epiphänomen)

  • menschlichen Vorstellens (Bewussthabens)
  • oder einer analog dazu im Menschen unbewusst wirkenden Gestaltungskraft
  • oder eines Bewussthabens, das in gewissem Sinn übermenschlich ist, zu dem sich der Mensch aber erheben kann, wenn er sich darauf besinnt, was er eigentlich ist. (S-GedW 11)

Geschichte des Idealismus

Der Idealismus ist die Philosophie, die sich in der Nachfolge Descartes' besonders aus der Bild-Theorie der Wahrnehmung entwickelt. Leibniz vergleicht den Verstand mit einem Zimmer, durch dessen Fenster die Bilder der Außenwelt hereinfallen. Auch für Locke, Hume und Kant sind unsere Wahrnehmungen "impressions", "ideas" oder "Vorstellungen", aus denen wir nur problematische Schlüsse auf die Wirklichkeit ziehen können, in der wir zu leben glauben. Der Idealist sitzt im Gehäuse seines Bewusstseins und empfängt die "ideae als Abgesandte und Repräsentanten der Dinge, die er selbst niemals zu sehen bekommt. (F-DG 27f)

Mit Recht betont Fichte, dass Berkeleys System kein individualistisches ist, trotz "esse est percipi", weil Gott in diesem System die Welt ersetzt. Auch Leibniz war kein Idealist. Der subjektive Idealismus kommt erst nach ihm zur Sprache, indem Kant lehrt: ... (S-GedW 15)

Fichte zeigt in der "Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre" (1794), wie die Welt aus dem Ich tatsächlich produziert werden kann; hier taucht zum ersten Mal der philosophische Begriff der "Außenwelt" auf. Über Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung" und Nietzsches Perspektivismus führt der Weg schließlich bis zum radikalen Konstruktivismus der Gegenwart. (F-DG 28)

Kant

Wir haben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend bewiesen: dass alles, was im Raume oder in der Zeit angeschauet wird, mithin alle Gegenstände einer uns möglichen Erfahrung, nicht als Erscheinungen, d.i. bloße Vorstellungen sind, die, so wie sie vorgestellt werden, als ausgedehnte Wesen, oder Reihen von Veränderungen, außer unseren Gedanken keine an sich gegründete Existenz haben. Diesen Lehrbegriff nenne ich den transzendentalen Idealismus. (S-GedW 15f)

In der Kantischen Erkenntnistheorie wird die Welt konsequent in den Innenraum hineingenommen: Raum und Zeit sind Formen der Anschauung und daher im Gemüt. Die Welt ist erkennbar, aber nur weil wir nicht in ihr, sondern sie in uns ist. "Allein Erscheinungen sind nur Vorstellungen von den Dingen, die, nach dem, was sie an sich sein mögen, unerkannt da sind. Als bloße Vorstellungen aber stehen sie unter gar keinem Gesetze der Verknüpfung, als demjenigen, welches das verknüpfende Vermögen vorschreibt." Der Verstand erhält zwar alle Vollmacht, die Welt zu strukturieren, aber nur innerhalb seines abgeschlossenen Hoheitsbereichs. Dagegen hat schon Goethe mit dem untrüglichen Blick des anschauenden Naturforschers eingewandt, die idealistische Philosophie gelange niemals zum Objekt. (F-DG 28)

Schopenhauer

Die Welt ist meine Vorstellung (Schopenhauer, zit.n.: S-GedW 16)

Fichte

Die ganze Natur ist Produkt der Einbildungskraft. (Fichte Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung 4, Band 2, S. 216 Z.12f. Zit.n.: S-GedW 17)

Mein reines Denken hingeschaut ist Erscheinung und gibt die Welt. (Ebd. S. 243 Z 14. Zit. n.: S-GedW 17)

Ausprägungen des Idealismus

Perzeptionsidealismus

Sein der empirischen Welt als ihr Vorgestelltwerden durch mich und meinesgleichen. (S-GedW 16)

Vertreter: Berkeley

Konstruktiver Idealismus

... indem er lehrt, dass Gegenstände in der Welt nur mit Urteilsformen des menschlichen Verstandes durch eine davon geleitete Synthesis der Einbildungskraft hergestellt werden und die Welt nichts als die Idee einer ins Unendliche verlängerbaren Ausbreitung dieser Synthesis ist. Der Hauptvertreter dieses konstruktiven Idealismus ist Fichte in seinen späteren Jenaer Jahren (etwa 1796-1799) nach seinem ersten Hauptwerk Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre (1794/95), in dem er statt des reinen Idealismus noch eine Mischung von Idealismus und Realismus vertritt. (S-GedW 16)

Mit dieser monistischen Wendung hat sich der subjektive Idealismus allerdings ad absurdum geführt, denn wenn die Welt Produkt des reinen Denkens oder der Einbildungskraft und ganz dasselbe wie das Ich, nur anders angesehen, ist, wird auch das Ich, das Subjekt, zum Produkt der Einbildungskraft, und es bleibt nur noch Eingebildetes ohne Einbildenden übrig. (S-GedW 17)

Der radikale Konstruktivismus Fichtes ist in einer philosophischen Strömung oder Schule, die sich selbst so nennt und in den letzten Jahrzehnten (bis vor einiger Zeit) virulent war, wieder aufgelebt. (S-GedW 18)

Der steile Anspruch des radikalen Konstruktivismus wirkt halsbrecherisch und ist wegen mannigfaltiger Widersprüche und Fehleinschätzungen so nicht haltbar, schon deshalb nicht, weil die Berufung auf Physik, Chemie und Biologie nicht mehr taugt, wenn man die Wirklichkeit nicht erkennen kann (und die Erkenntnis keinen Gegenstand hat), aber als philosophische Extremposition gleichwohl der Beachtung und Diskussion wert. (S-GedW 18f)

Subjektiver Idealismus

Eine Sonderstellung nimmt der subjektive Idealismus ein, den Husserl im 1. Buch seines Werkes Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, dem Manifest seiner phänomenologischen Bewegung, vertritt. (S-GedW 19)

Die Wendung, dass das Bewusstsein die Welt mit ihren realen Inhalten in seinen Erfahrungen "setze", klingt zwar nach einer perzeptiven und konstruktiven Abhängigkeit wie bei Kant und Fichte, aber das zweite Zitat weist eher auf eine Art magischer Bindung dem Sinn nach hin, als ob die Welt nur durch Sinnzusammenhänge bestehen könne, die sich nach Sinnzusammenhängen des Bewusstseins richten. Warum das so sein soll, bleibt zwar dunkel, aber ein erweiterter Sinn von Idealismus zeichnet sich ab,

  • der nicht wie bei Kant und Schopenhauer eine Abhängigkeit der Welt vom bloßen Vorstellen
  • oder wie bei Kant und Fichte vom Konstruieren des Subjektes meint,
  • sondern eine Beteiligung anderer Art,womit der Bewussthaber und sein Bewussthaben einen unerlässlichen Beitrag dazu leisten, dass es die Welt gibt. In diesem ganz weiten Sinne, der aber nur mit umständlichen Vorbereitungen in phänomenologisch geprüfter und haltbarer Form herausgearbeitet und gegen Missverständnisse geschützt werden kann, könnte ich mich selbst dem Idealismus anschließen. (S-GedW 20)

Physikalischer Idealismus

Siehe: Naturalismus, Physikalismus

Es existieren nur noch messbare Einzelereignisse.

Subjektiver Idealismus

Für den Idealisten ist die Welt ein Beiwerk (Epiphänomen) menschlichen Vorstellens (Bewussthabens) oder einer analog dazu im Menschen unbewusst wirkenden Gestaltungskraft oder eines Bewussthabens, das in gewissem Sinn übermenschlich ist, zu dem sich der Mensch aber erheben kann, wenn er sich darauf besinnt, was er eigentlich ist. (S-GedW 11)

Daß für uns als Radio- und Fernseh-Konsumenten die Welt nicht mehr als Außenwelt auftritt, in der wir sind, sondern als unsere, war schon in Punkt 1 formuliert worden. Tatsächlich ist die Welt ja auf eigentümliche Weise umgesiedelt: zwar befindet sie sich nicht, wie es in der Vulgärformeln des Idealismus heisst, "in unserem Bewusstsein" oder gar "in unserem Gehirn"; aber da sie doch von außen nach innen verlegt ist, da sie, statt draußen stattzufinden, nun in meinem Zimmer ihre Stätte gefunden hat, und zwar als zu konsumierendes Bild, als bloßes eidos, ähnelt die Verlegung der klassisch-idealistischen doch aufs frappanteste. Die Welt ist nun meine geworden, meine Vorstellung, ja sie hat sich, wenn man das Wort "Vorstellung" einmal im Doppelsinne, nicht nur im Schopenhauerschen, sondern im Theatersinne, zu verstehen bereit ist, in eine "Vorstellung für mich" verwandelt. In diesem "für mich'" besteht nun das idealistische Element. Denn "idealistisch" im breitesten Sinn ist jede Attitüde, die die Welt in Meines, in Unseres, in etwas Verfügbares, kurz in ein Possessivum verwandelt: eben in meine "Vorstellung" oder in meine (Fichtesches) "Produkt des Setzen". (GA-DAdM 112)

Gemeinsam allen Idealismen im weitesten Sinne ist die Voraussetzung, dass die Welt für den Menschen, entweder als Gabe oder als in Freiheit Hergestelltes da sei - so dass der Mensch selbst nicht eigentlich zur Welt gehört; kein Weltstück, sondern den Gegenpol der Welt darstellt. (GA-DAdM 113)

Wenn es von allen Spielarten des Idealismus gilt, dass sie die Welt in ein Possessivum ummünzen: in einen Herrschaftsbereich (Genesis); in ein Wahrnehmungsbild (Sensualismus); in ein Konsumgut (Hegels Tier); in ein Produkt des Setzens oder der Herstellung (Fichte); in Eigentum (Stirner) - so darf in unserem Fall der Ausdruck tatsächlich mit bestem Gewissen verwandt werden, da alle nur möglichen Nuancen des Possessivs hier vereinigt sind. (GA-DAdM 113)

Wie weit also die Geräte des Rundfunks und des Fernsehens die Fenster zur Welt auch aufreißen mögen, zugleich machen sie den Weltkonsumenten zum "Idealisten". (GA-DAdM 113)

Siehe:

Medialer Idealismus

Der subjektive Idealismus wird zum medialen Idealismus, wenn die Welt nur noch medial z.B. vorallem durch Bilder vermittelt ist. Die Welt verschwindet daher hinter ihren Abbildungen, wird "virtuell".

Idealismus der Information

Dieser "Idealismus der Information" ist also das Pendant zur Abschnürung der Subjektivität in eine Welt des Mentalen, der reinen Kognition. Materie und Information verhalten sich zueinander wie Physisches und Mentales. Soll diese für das Naturalisierungsprojekt grundlegende Dichotomie überwunden werden, so muss die Person als lebendig, und Subjektivität als unabdingbar verkörpert und leiblich gedacht werden. Als Lebewesen lässt sich die Person nicht aus Körper und Geist zusammensetzen. Eine Neubegründung des Lebensbegriffs aus der leiblichen Selbsterfahrung des Menschen ist insofern die zentrale Voraussetzung dafür, die naturalistische Aufspaltung der Person in Physisches und Mentales zu überwinden. (TF-G 293f)

Topischer Idealismus

Es gibt keinen topischen Idealismus, da das Feld nicht spekulativ ist, sondern immer leiblich erfahrbar.