Repräsentation

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Die psychologistische Beziehung zwischen Bild und Abbild ist eine Repräsentation. Die Beziehung zwischen Explikat und Situation ist eine Explikation. Stellvertreter in Aufstellungen repräsentieren gar nichts, sondern spüren nur die Wirkung der leiblichen Betroffenheit in ihrer situativen Rolle.

Kritik der Repräsentationsmetapher

Der Begriff der Repräsentation, der inneren Bilder, ist aus der visuellen Sphäre abgeleitet, die am meisten von allen Sinnesmodalitäten ein statisches Gegenüber von Wahrnehmendem und Wahrgenommenen herstellt. Er beruht auf einer Wahrnehmungstheorie, die uns nicht mit der Welt in Verbindung bringt, sondern nur mit aus Sinnesdaten gewonnenen Konstrukten. Angewandt auf neuronale Prozesse werden "Repräsentate" zu vermeintlich diskreten, lokalisierbaren und damit verdinglichten Gebilden. (F-DG 176)

In einer Welt ohne subjektives Erleben gibt es Zeichen ebensowenig wie Symbole oder Information, Repräsentationen oder Metarepräsentationen, Bedeutung oder Sinn. Repräsentationen in einen rein objektiven Kausalzusammenhang von Naturprozessen 'hineinzusehen', ist insofern eine begrifflich nicht gedeckte, uneigentliche Redeweise, die den neuronalen Prozessen einen Anschein von Intentionalität verleihen soll. (F-DG 61)

Zwischen Einmauerung in die Innenwelt und Ausgriff des Erkennens in die Außenwelt sucht sich die klassische Erkenntnistheorie durch den faule Kompromiss der Repräsentationstheorie durchzuhelfen, ... (S-NGE 15)

Siehe: Kritik des Isomorphiemodells der Wahrheit, Resonanz statt Repräsentation

Keine Repräsentation sondern ein Sich-Zeigen

Er [Cassirer] unterscheidet Ausdruck als unmittelbares Sich-Zeigen von der hinweisenden, repräsentierenden "Darstellung" und schließlich von der "reinen Bedeutung" des Zeichens. In diesen beiden phylo- wie ontogenetisch späteren Symbolkategorien treten Bedeutung und Bedeutetes zunehmend auseinander. (F-LRP 195)

Keine Repräsentationen im Gehirn

Weder im semantischen noch im ikonischen Sinn "gibt es" im Gehirn Repräsentationen der äußeren Welt. Den Sachverhalt, dass der 1. Weltkrieg 1914 begonnen hat, kann nur eine Person wissen, denken und aussagen - in ihrem Gehirn ist er nirgends zu finden. (F-DG 63)

Das Gedicht ist aber nicht als "Repräsentant" im Gehirn "gespeichert", ebensowenig wie meine Erinnerung an das Datum des 1. Weltkriegs oder an den Montblanc, denn das Gehirn enthält weder Sätze noch Bilder. Sätze in Büchern repräsentieren für uns Sachverhalte; Bilder in Fotoalben repräsentieren für uns Erinnerungen. Doch im Gehirn gibt es keinen Homunculus, der in der Lage wäre, neuronale Aktivitätsmuster als Repräsentationen aufzufassen, als Abbilder zu sehen oder als Erinnerungsspuren zu lesen. (F-DG 63)

Solange der Begriff der Repräsentation also im Sinn funktioneller Zuordnung gebraucht wird, ist gegen entsprechende Forschungen nichts einzuwenden. Dient er aber der Elimination des subjektiven Erlebens oder der Identifikation von subjektiven mit neurophysiologischen Zuständen, so vergisst der Neurowissenschaftler die Voraussetzung seines Forschens: seine eigene Subjektivität. (F-DG 64f)

Repräsentation und diskrete Ontologie

Repräsentationssysteme des Wissens, die eindeutige Verhältnisse logisch absichern, fußen insgesamt auf der diskreten Ontologie. Diese liefert die Anwendungsbedingungen für quantorenlogisch formulierte Theorien und ist auf Entschiedenheit darüber abgestellt, welche Dinge es gibt, welche Eigenschaften sie haben und nicht haben, welche Beziehungen zwischen ihnen bestehen und nicht bestehen. Sie ist für eine Repräsentation des Wissens zugeschnitten, die mit Informationen operiert, die unter dem Aspekt ihrer logischen Organisation konditional in Rechnung gestellt werden, die mit Objekten operiert, für die glasklare Identitätskriterien bestehen, mit Eigenschaften, die knitterfeste Ränder bzw. mit Prädikaten, die trennscharfe Extensionen haben. (MH-MuM 116)

Siehe: Perspektive, Repräsentierende Wahrnehmung, Resonanz, Leibliche Resonanz, Repräsentation als duales Verhältnis, Symbol, Spielerische Identifizierung

Repräsentationsschema

Siehe auch: Semiotik der Repräsentation

das klassische Schema der westlichen Metaphysik (HGM-Feng Youlang 142)

Zeichen Bedeutung
Diesseits als defizitärer Bereich der Erscheinung Jenseits als ideale Wirklichkeit, z.B. Gott oder Ideen