Raum

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Menschliche Existenz ist grundlegend 'raumgreifend'. Ohne Raum ist der Mensch nicht.

Raum zwischen Subjekt und Objekt

Prämisse ist, daß der Raum weder absolut gegeben noch bloßes Wahrenhmungsphänomen ist, sondern durch Bewegung und durch Wahrnehmung sowie durch soziales und symbolisches Handeln von Menschen hervorgebracht wird. (GL-RuG 10)

Räumlichkeit

Der Raum, wie ihn der Handwerker und Naturwissenschaftler für ihre Zwecke benötigen, besteht nicht aus Körpern, sondern aus Orten (genauer: relative Orten). Der nötige Ortsbegriff lässt sich zirkelfrei nur auf Grundlage unwillkürlicher leiblicher Erfahrungen einführen. (Vgl: S-Replik Pos107)

Räumlichkeit ist weder ein den Sinneswahrnehmungen entnommene Kategorie noch eine apriorische Form der Anschauung wie bei Kant, sondern primär im eigenleiblichen Spüren selbst gegeben. (S-III/1: 206f)

Die physiologistische Reduktion legt sich spätestens seit Demokrit auf ein ziemlich einseitiges Modell des Räumlichen fest, das als ernst zu nehmender Gegenstand stehen gelassen wird: auf das Modell des festen, von Flächen begrenzten, neben anderen seinesgleichen aufgereihten, vom Subjekt abrückbaren Körpers, so etwa, wie er sich im zentralen Gesichtsfeld darstellt. ... Sogar die platonischen Ideen sind quasi Körper, weil sie sich wie solche verflechten, aneinanderreihen und verschachteln lassen. Es geht hier aber nicht nur um feste Körper, sondern auch um solche, die durch Flächen begrenzt werden. (S-NP 36)

Geschichte des Raumbegriffs

In der abendländische Tradition ist die Aufmerksamkeit auf Raumformen ausschließlich auf flächenhaltige Räume gelenkt worden.

Das beginnt mit der griechischen Geometrie, die überwiegend ebene Flächen betrachtet und auch in der Stereometrie der platonische Körper diese durch die Zahl ihrer Oberflächen charakterisiert, und pflanzt sich fort über die cartesische Koordinatengeometrie bis zur modernen Mathematik und Physik. Unter den flächenhaltigen Räumen wurden die flächenlosen vergessen, obwohl sie in der faktischen, unwillkürlichen Lebenserfahrung in vielen und reichen Gestalten vorkommen. (S-L 12)

Phänomenologie des Raumes

Ortsraum

Siehe: Ortsraum

Weiteraum

Siehe: Weiteraum

Richtungsraum

Siehe: Richtungsraum

Typologien des Raumbegriffs

Raum als Behälter

Er neigt auf Grund seiner Studien der Auffassung zu, dass der moderne Raumbegriff b), d.h. der Raum als Behälter ("container") aller körperlichen Objekte, sich erst seit der Renaissance entwickelt habe. Es scheint mir, dass die Atomtheorie der Alten mit den separat existierenden Atomen den Raumbegriff b) zur notwendigen Voraussetzung hatte, während allerdings die einflussreiche Schule des Aristoteles suchte, ohne den Begriff des selbständigen Raumes auszukommen. (Albert Einstein in: Max Jammer: Das Problem des Raumes 1960, Darmstadt, S. XV)

  • Raum als absoluter Behälter
  • Raum als relativer Behälter

Raum als relationales vierdimensionales Feld: Raumzeit

Die Überwindung des absoluten Raumes bzw. des Inertialsystems wurde erst dadurch möglich, dass der Begriff des körperlichen Objektes als Fundamentalbegriff der Physik allmählich durch den des Feldes ersetzt wurde. Unter dem Einfluss der Ideen von Faraday und Maxwell entwickelte sich die Idee, dass die gesamte physikalische Realität sich vielleicht als Feld darstellen lasse, dessen Komponenten von vier raum-zeitlichen Parametern abhängen. Sind die Gesetze dieses Feldes allgemein kovariant, d.h. an keine besondere Wahl des Koordinatensystems gebunden, so hat man die Einführung eines selbständigen Raumes nicht mehr nötig. Das was den räumlichen Charakter des Realen ausmacht, ist dann die Vierdimensionalität des Feldes. Es gibt keinen leeren Raum, d.h. keinen Raum ohne Feld. (Albert Einstein in: MJ-PdR, S. XV)

Die nach-Einsteinsche Wissenschaft hingegen sieht die Welt als etwas an, was im Sinne von energischen Prozessen und Vorgängen abläuft oder, anders ausgedrückt, als Differenzierung von Raum-Zeit in Form von Feldern beschrieben werden könnte. (EW-PuS 70)

Da alle Eigenschaften eines elementaren Materiepartikels zum umgebenden Feld statt zum substantiellen Kern im Zentrum des Feldes gehören, stellt sich unausweichlich die Frage, ob das Vorhandensein eines solchen Kerns nicht eine Annahme sei, derer man sich vollkommen entledigen könne. Die Feldtheorie der Materie beantwortet diese Frage mit einem Ja. (Weyl aus: EW-PuS 70)

Die Vorstellung von Materiepartikeln, die von der Energie herumgeschoben werden, ist durch die Konzepte von Form und Feld abgelöst worden. (EW-PuS 70)

Siehe: Feld und Raum, Ortsraum

Von den Sachen zum "Feld" als objektiven Sachverhalt: Siehe Sachen und Sachverhalte

Raumzeit als objektive Prozessgestalt

Die Natur ist eine Bühne für die wechselseitigen Beziehungen von Aktivitäten. Alle Dinge ändern sich, die Aktivitäten wie ihre Wechselbeziehungen ... An die Stelle der aristotelischen Vorstellung von der Prozession der Formen ist (in der modernen Physik) die Vorstellung von den Formen der Prozesse getreten. (Whitehead, Nature and Life, S. 36. Zit.n.: EW-PuS 70)

Siehe: Prozessontologie

Raum als Medium des In-Seins

Als Medium ist er ein Mittleres zwischen "Gegenstand" und "Anschauungsform", weder ein subjektunabhängiger "Behälter", noch ein bloß subjektiver Entwurf. Mit dieser Redeweise vom Raum als einem Medium soll keineswegs der alte Streit über die Idealität oder Realität des Raums wieder aufgenommen werden, sie ist keineswegs als eine Hypothese über das "Wesen des Raums" aufzufassen, sondern sie wird nur in einer behelfsmäßigen Weise aufgenommen, um das aussprechen zu können, was in der unmittelbaren Raumerfahrung phänomenal gegeben ist: dass ich mich wirklich zum Raum in verschiedener Weise verhalten kann. (OFB-MuR 274)

Weil die Spaltung zwischen Subjekt und Objekt hier aufgehoben ist oder besser, sich noch nicht ausgebildet hat, darum kann dieser Raum nie gegenständlich werden, vielmehr kann sich der Mensch mit ihm identifizieren. Der Raum gehört zum Menschen wie sein Leib und wir haben ja auch zu ihm das eigentümlich schwebende Verhältnis, das zwischen Haben und Sein in der Mitte steht. In einem gewissen Sinn können wir sagen: wir sind unser Raum. (OFB-MuR 304)

Siehe: Leib als Medium

Mit festen Schultern steht der Raum gestemmt gegen das Nichts. Wo Raum ist, da ist Sein. (Nietzsche 1980, Bd. 10, S. 207, Nr 179. Zit.n.: S-L 147)

Auch für Melissos gehört zum Sein der Raum, den das Seiende mit unendlicher Größe ungeteilt ganz und gar ausfüllt, da es das Nichts, das er mit dem Leeren identifiziert, nicht gibt. Das Seiende ist eines, immerdar und unendlich, ganz gleichmäßig. ... Weil das Seiende eines ist, kann es keinen Körper haben, denn mit der dicke hätte es Teile und wäre nicht mehr, d.h. nicht mehr das Stärkste, das ganz Gleichförmige, das Seiende. ... Körperlose, unteilbare Ausdehnung ist in flächenlosen Räumen selbstverständlich, und von dieser Art ist mit dem Raum des Schalls der Raum des Leibes, den Melissos als den Raum des Seienden offenbar im Sinn hat, ... (S-L 147f)

Raum und durchdringende Körper

Dass es sich nicht um materielle, also nach der communis opinio undurchdringliche, Körper handelt, ergibt sich aus dem gemeinstoischen Dogma der durchdringenden Mischung, die sogar einem einzelnen Tropfen gestattet, die Ausdehnung des ganzen Weltmeers anzunehmen. (S-L 148)

Die Körper der Stoiker sind vielmehr Leiber mit leiblicher Dynamik, ... (S-L 149)

Siehe: Weiteraum

Grundlegende Raumtypen

Dimensionaler Raum Topischer Raum
flächenhaltig nicht flächenhaltig
teilbare Ausdehnung unteilbare Ausdehnung
relative Örtlichkeit absolute Örtlichkeit


mathematischer Raum erlebter Raum
homogen nicht homogen
Kein Punkt ist vor dem anderen ausgezeichnet. Dieser Raum hat keinen natürlichen Koordinaten-Mittelpunkt, sondern man kann aus Gründen der Zweckmäßigkeit durch eine einfache Koordinaten-Verschiebung jeden beliebigen Punkt zum Koordinaten-Mittelpunkt machen. Es gibt in ihm einen ausgezeichneten Mittelpunkt, der in irgendeiner Weise ... durch den Ort des erlebten Menschen im Raum gegeben ist.
Auch keine Richtung ist vor der anderen ausgezeichnet. Man kann durch eine einfache Drehung jede beliebige Richtung im Raum zur Koordinaten-Achse machen. Es gibt in ihm ein ausgezeichnetes Achsensystem, das mit dem menschlichen Körper und seiner aufrechten, der Schwerkraft entgegengestellten Haltung zusammenhängt.
Die Gegenden und Orte in ihm sind qualitativ unterschieden. Auf ihren Beziehungen baut sich eine reiche inhaltliche Gliederung des erlebten Raumes auf, für die es im mathematischen Raum kein Analogon gibt.
Dabei gibt es nicht nur fließende Übergänge von einem zu andern Bereich, sondern auch scharf ausgeprägte Grenzen. Der erlebte Raum weist ausgesprochene Unstetigkeiten auf.
Auch das Problem der Unendlichkeit wird wesentlich komplizierter. Der erlebte Raum ist zunächst als ein abgeschlossener endlicher Raum gegeben und erweitert sich erst in späteren Erfahrungen zur unendlichen Weite.
Im ganzen ist der erlebte Raum kein wertneutraler Bereich. Er ist durch Lebensbeziehungen fördernder wie hemmender Art auf den Menschen bezogen. Er ist tragend wie hemmend das Feld menschlichen Lebensverhaltens.
Jeder Ort im erlebten Raum hat seine Bedeutung für den Menschen. Darum sind es in den Geisteswissenschaften gebräuchliche Kategorien, die wir zur Beschreibung des erlebten Raums heranziehen müssen.
Es handelt sich nicht um eine vom konkreten Bezug zum Menschen losgelöste Wirklichkeit, sondern um den Raum, wie er für den Menschen da ist, und in eins damit um das menschliche Verhältnis zu diesem Raum; denn beides ist voneinander gar nicht zu trennen.

[Quelle: OFB-MuR 17f]

Dimensionaler Raum

Flächen kann man weder hören, noch riechen, noch schmecken, namentlich aber nicht am eigenen Leib spüren, wenn man diese nicht wie einen Fremdkörper besieht und betastet. Aber sogar dem Tasten und dem Sehen werden Flächen nur unter besonderen Umständen zugänglich, nämlich wenn man an glatten, harten Gegenständen entlangstreicht oder feste, matte Körper erblickt, auf denen keine blendenden Lichtreflexe und keine Schatten liegen. Andernfalls ist man wahrnehmend auf Flächen zwar gefasst, man rechnet mit ihnen, aber sie zeigen sich nicht von sich aus. Die Fläche ist das erste Leibfremde im Raum; ... (S-NP 36f)

Wenn wir im täglichen Leben ohne näheres Nachdenken vom Raum sprechen, so denken wir gewöhnlich an den mathematischen Raum, den in seinen drei Dimensionen nach Metern und Zentimetern ausmessbare Raum, so wie wir ihn in der Schule kennen gelernt haben und wie wir ihn auch immer wieder zugrunde legen müssen, wenn wir im praktisch handelnden Leben (etwa wenn wir darüber nachdenken, wie wir eine neue Wohnung mit unsren alten, vielleicht reichlich großen Möbeln einrichten können) von den ausmessbaren räumlichen Beziehungen Gebrauch machen müssen. Selten werden wir uns dagegen dessen bewusst, dass dies nur ein bestimmter Aspekt des Raums ist und dass der konkrete, im Leben unmittelbar erfahrbare Raum keineswegs mit diesem abstrakt mathematischen Raum zusammenfällt. (OFB-MuR 16)

Geometrischer und topologischer Raum

Vgl: Serres 2005, S. 67ff. (aus: BW-OZ 107}}

In seinem Spätwerk verstärkt Merleau-Ponty die ontologische Revision des Sichtbaren, indem er empfiehlt, das euklidische Raummodell durch ein topologisches zu ersetzten, das heisst durch ein Raummodell, das nicht planimetrisch angelegt ist, sondern mehrdimensional, in dem es 'Nachbarschaften', 'Umgebungen', 'Einschließungen' und 'Ränder' gibt, die selbst dem mathematischen Denken eine eigentümliche Körperlichkeit verleihen. (BW-OZ 107)

Phänomenaler Raum

Der Phänomenale Raum soll zusammenfassend als topischer Raum bezeichnet werden.

Räumlichkeit des Leibes (Cassirer)

[MP-PdW 437-442]

Leibraum und Gefühlsraum (Schmitz)

Siehe: Leibraum, Gefühlsraum

Erlebter Raum (Bollnow)

Der Mensch befindet sich nicht im Raum, wie ein Gegenstand sich etwa in einer Schachtel befindet, und er verhält sich auch nicht so zum Raum, als ob zunächst etwas wie ein raumloses Subjekt vorhanden wäre, das sich dann hinterher auch zu einem Raum verhielte, sonder das Leben besteht ursprünglich in diesem Verhältnis zum Raum und kann davon nicht einmal in Gedanken abgelöst werden. (OFB-MuR 23)

Als Medium ist er [der Raum] ein Mittleres zwischen "Gegenstand" und "Anschauungsform", weder ein subjektunabhängiger "Behälter", noch ein bloß subjektiver Entwurf. (OFB-MuR 274)

In diesem Sinn können Raum und Welt, Im-Raum-sein und In-der-Welt-sein nahe aneinanderrücken und manchmal fast gleichbedeutend werden. Raum ist die allgemeinste Form der Welt, wenn man von den sie erfüllenden einzelnen Dingen absieht. (OFB-MuR 274)

Drei Raumtypen:

  • innerweltlich-objektiver Raum, in dem Dinge und Menschen vorhanden sind
  • intentionaler Raum, der sich in Abständen und Richtungen um das menschliche Subjekt aufbaut
  • Eigenraum als Raum, den man hat und braucht

Enge und Weite sind die Grundbestimmungen dieses vom Menschen benötigten Raums. (OFB-MuR 284)

Der Raum, den der Mensch braucht und den er im konkreten Fall hat oder nicht hat, ist also das, was man in einem allgemeinen Sinn seinen Bewegungsraum oder vielleicht besser (wenn das Wort nicht durch einen nachlässigen Sprachgebrauch abgenutzt wäre) seinen Lebensraum nennen kann. (OFB-MuR 284)

Es ist sein Raum, der ihm in einer ausschließlichen Weise gehört, den er als seinen Raum besitzt und als seinen Besitz verteidigt. (OFB-MuR 285)

Das ursprüngliche Verhältnis zum Raum ist also das des Wohnens und nicht das der Intentionalität. (OFB-MuR 304)

Gelebter Raum (Dürckheim)

Der gelebte Raum ist für das Selbst Medium der leibhaftigen Verwirklichung, Gegenform oder Verbreiterung, Bedroher oder Bewahrer, Durchgang oder Bleibe, Freme oder Heimat, Material, Erfüllungsort und Entfaltungsmöglichkeit, Widerstand und Grenze, Organ und Gegenspieler dieses Selbsts in seiner augenblicklichen Seins- und Lebenswirklichkeit. (Graf Dürkheim, S. 389. Z.n.: OFB-MuR 20)

espace vècu (Minskowski)

Der Raum reduziert sich für uns nicht auf geometrische Beziehungen, die wir festsetzen, als wenn wir selbst, auf die einfache Rolle neugieriger oder wissenschaftlicher Zuschauer beschränkt, uns außerhalb des Raums befänden. Wir leben und handeln im Raum, und im Raum spielt sich ebenso sehr unser persönliches Leben ab wie das kollektive Leben der Menschheit. (Minkowski, Le temps vècu, S. 367. Zit.n. OFB-MuR 19f)

Lebensraum

Siehe: Lebensraum

Spezifische Räume

Vertrauensraum
  • Raum, in dem man sich öffnen kann.
  • Angstfreiheit
  • Sicherheit bei der Zugehörigkeit zum System
  • Sicherheit zur eigenen Rolle
Lernraum
  • Raum, in dem man lernen kann.
  • Gegenteil: In dem Moment, wo jemand auf Wut, Kampf oder Angst focussiert, wird jemand dümmer. Weil sein Denken eingeengter, weniger differenzierter wird. (Gunther Schmid)
  • Welche Feedbackschleifen mit wem müssten eingerichtet werden, damit es eine lernende Organisation wird.
    • Feedback zwischen Gesellschaftern, Geschäftsführern und Mitarbeitern

Syntopie, Verschränkung

Beide Räume kommen (normalerweise) syntopisch zur Deckung. Sind zwar nicht identisch, aber doch grundsätzlich koextensiv. Wo die Nadel die Hand sticht, dort tut es auch weh. Aber wir erfahren dabei keine zwei verschiedene Hände - die Hand als physischen, sicht- und tastbaren Körper und die Hand als Ort der Schmerzempfindung. Vielmehr ist sie von vorneherein apperzeptiv charakterisiert als Hand mit ihrem Empfindungsfeld, d.h. als eine physisch-aesthesiologische Einheit. (Fuchs 101)

Aufstellung als syntopisches Phänomen

In Aufstellungen stellt man fest, dass sich durch Stellvertreter auch der phänomenale Raum im dimensionalen Raum erfahrbar wird.

Syntopische Deckung des körperliche und leiblichen Raumes

Subjektiv-leiblicher und objektiv-körperlicher Raum kommen (normalerweise) syntopisch zur Deckung (...). Sie sind zwar nicht identisch, aber doch grundsätzlich koextensiv. (F-DG 101)

Es gibt also eine räumliche Übereinstimmung oder Syntopie von Leiblichem und Körperlichem. (F-DG 33)

subjektiv-leiblicher Raum

...

objektiv-körperlicher Raum

...

Ruhender und bewegender Raum

Intentionaler als sich bewegender Raum

Bollnow geht aus von dem intentionalen Raum Heideggers:

Man kann sich die Weise, wie der Mensch um sich herum diesen Raum aufbaut, schematisierend mit einem System von Polarkoordinaten verdeutlichen, die als Richtung und Abstand auf den wahrnehmenden Menschen bezogen sind. (OFB-MuR 272)

Analogie zur Aufstellung.

[D]enn der Mensch ist bleibende Mitte dieses seines Raums, und der Raum als Beziehungssystem der Dinge wandert mit, wenn der Mensch sich bewegt. (OFB-MuR 273)

Dieser Raum ist ein bloßes Relationssystem. (OFB-MuR 274)

Siehe Kritik an der Intentionalität.

Therapie: Aufstellungen

Naturraum als ruhender Raum

Und trotzdem, so hatten wir schon in der Einleitung betont, hat es einen guten Sinn, wenn man sagt, dass der Mensch sich im Raum und den Raum dabei als etwas Ruhendes betrachtet. Der Mensch befindet sich "irgendwo", an einer bestimmten Stelle im Raum, wobei der Raum, insbesondre ganz konkret die Erdoberfläche, als feststehend und alles menschliche Stehen begründend empfunden wird. ... ein solches Bewusstsein ist vom intentionalen Raumbegriff aus gar nicht sinnvoll zu begründen. ... Auch die Weise der Befindlichkeit an diesem Ort kann sehr verschieden sein, je nachdem der Mensch in der Zufälligkeit eines "irgendwo" verloren ist oder sich an diesen einen bestimmten Ort als den ihm zugehörigen und zugewachsen gebunden fühlt. (OFB-MuR 273)

Therapie: Naturtherapie

Mythischer und wissenschaftlicher Raum

Die Unterscheidung zwischen mythischen und wissenschaftlichem Raum (von Kurt Hübner: Die Wahrheit des Mythos: 169f):

Wissenschaftlicher Raum Mythischer Raum
Medium allgemeines Medium, in dem sich Gegenstände befinden kein allgemeines Medium, sondern Raum und Rauminhalt bilde eine unauflösliche Einheit
Gesamtraum kontinuierliche, homogene und isotrope Punktmannigfaltigkeit (Gesamtraum) keine kontinuierliche Punktmannigfaltigkeit dar, sondern ist aus lauter diskreten Elementen (Témena)
homogen Punkte sind nicht voneinander zu unterscheiden nicht homogen, da sich in ihm Orte dadurch unterscheiden, dass sie nicht nur eine relative, sondern auch eine absolute Lage haben (Oben, Unten usf.).
isotrop isotrop, weil es für Ereignisfolgen gleichgültig ist, in welcher Richtung sie sich ausbreiten. nicht isotrop, da es keineswegs gleichgültig ist, in welcher Richtung sich eine Ereignisfolge ausbreitet (rechts herum und links herum).
Metrik jeder räumliche Gegenstand ist metrisch bestimmt nicht jeder räumliche Gegenstand ist metrisch bestimmt

Wissenschaftlicher Raum

  1. Der Raum ist ein allgemeines Medium, in dem sich Gegenstände befinden.
  2. Dieses Medium wird als kontinuierliche, homogene und isotrope Punktmannigfaltigkeit aufgefasst. Sie ist homogen, weil Punkte nicht voneinander zu unterscheiden sind, und sie ist isotrop, weil es für Ereignisfolgen gleichgültig ist, in welcher Richtung sie sich ausbreiten. Diese Punktmannigfaltigkeit nennt man den Gesamtraum oder Weltraum.
  3. Jeder Gegenstand, sofern er wirklich ist, befindet sich an einer Raumstelle. Der Raum ist aber nur in diesem dreifachen Sinne topologisch (wobei es hier nicht erforderlich war, alle seine topologischen Eigenschaften aufzuzählen), sondern er ist auch metrisch definiert.
  4. Es steht fest, was unter der gleichen Länge zweier Raumstrecken zu verstehen ist und dass jeder räumliche Gegenstand eine metrisch bestimmte Ausdehnung nach drei Dimensionen besitzt.

Mythischer Raum

  1. Der mythische Raum ist kein allgemeines Medium, in dem sich Gegenstände befinden, sondern Raum und Rauminhalt bilden eine unauflösliche Einheit.
  2. Er stellt keine kontinuierliche Punktmannigfaltigkeit dar, sondern ist aus lauter diskreten Elementen, den sog. Témena, zusammengesetzt, die sich aneinanderreihen und Räumliches konstituieren.
  3. Der mythische Raum ist nicht homogen, da sich in ihm Orte dadurch unterscheiden, dass sie nicht nur eine relative, sondern auch eine absolute Lage haben (Oben, Unten usf.).
  4. Er ist nicht isotrop, da es keineswegs gleichgültig ist, in welcher Richtung sich eine Ereignisfolge ausbreitet (rechts herum und links herum).
  5. Mythisch wird ein heiliger von einem profanen Raum unterschieden. Der heilige Raum wird in den profanen eingebettet.
  6. Nicht alle Orte des heiligen Raumes lassen sich in den profanen einbetten, sie bilden, in der Sprache des Mathematikers ausgedrückt, Singularitäten (Olymp, Tartaros usf.). Auch hat die Einbettung zur Folge, dass identisch heilige Orte an verschiedenen Stellen des profanen Raumes mehrfach wiederkehren können (Omphalos).
  7. Der profane Raum ist topologisch ausschließlich durch die unter Punkt sechs angegebenen Phänomene bestimmt. Er gibt sich also nur dadurch zu erkennen, dass die heiligen Témena mit ihrer Diskontinuität, Inhomogenität und Anisotropie für den Sterblichen teils unerreichbar sind, teils in Gewande des Verschiedenen auftreten können, obgleich sie ein Gleiches sind. Der Mensch vermag zwar den heiligen Raum anzuschauen, ja, in ihm zu leben, aber dessen profane "Außenbetrachtung" führt zu topologischen Zerreißungen und Verzerrungen, welche dessen "Innenbetrachtung" nicht kennt.
  8. Mythisch gibt es keinen Gesamtraum, in dem alles seine Stelle hat, in den alles eingeordnet werden kann, sondern es gibt nur Aneinanderreihungen einzelner Raumelemente, und diese einmal als heilige (Témena) und zum anderen als profane.
  9. Während der profane Raum metrisch dadurch definiert ist, dass jeder seiner Gegenstände eine metrisch bestimmte Ausdehnung nach drei Dimensionen hat, gilt dies für den heiligen Raum nicht.

Wirklichkeits- und Möglichkeitsraum

(Robert Musil) ...

Raum der trennt und verbindet

den Seins-Raum, der uns eher verbindet, und den physikalischen Raum, der uns eher trennt. (RB in BEK-VK)

Raum der trennt Raum der verbindet
physikalischer Raum Seins-Raum
asychnroner Zeitraum synchroner Präsenzraum
Nachzeitigkeit Gleichzeitigkeit
  • Gewöhnliches Bewusstsein
  • Treffen von Unterscheidungen
  • Einsammeln einer Geschichte (Karma)
  • Verkörperte Situationen der Vergangenheit
  • Körpergeist
  • Zonen flüssigen Karmas
  • Siehe: Zen, Präsenz
  • "In ihm leben und weben und sind wir." (Apostelgeschichte 17,28)
  • "der Raum macht Beziehung" (Kant)
  • barocke Raumtheologie (Vgl.: S-DWdeP2 334)

Raum der trennt

Ein guter Anfang dazu ist, einfach zu bemerken, wie wir uns Raum ständig als etwas vorstellen, das Dinge voneinander trennt. Zum Beispiel was sich auch immer gerade jetzt vor uns befindet - dieses Buch, eine Wand, ein Baum, eine Person -, automatisch nehmen wir an, dass es von uns durch Raum getrennt ist. Wir nehmen es als gegeben an, dass wir "hier" sind und andere und der Rest der Welt "dort".

Diese Getrenntheit wird uns durch die Tatsachen der Wahrnehmung ununterbrochen bestätigt. Die Tatsachen sind jedoch genau das Gegenteil. Die Ansicht, dass Raum trennt, geht der Wahrnehmung und dem Ergreifen der Wahrnehmung voraus. Sie ist in uns, bevor wir noch wahrnehmen. Solche grundlegenden kulturellen Ansichten befinden sich an der Wurzel des Geistes und gehen den Prozesses der Wahrnehmung und des Ergreifens dieser Wahrnehmungen voraus. ... Außerdem setzen europäische Sprachen räumliche Getrenntheit voraus. Von unserer Geburt an wird für uns räumliche Getrenntheit durch unsere Kultur geschaffen. (RB in BEK-VK 31f)

Raum der verbindet

Der Raum muss der erste actus der göttlichen Allgegenwart sein: wodurch die Dinge in nexus kommen: der Raum macht Beziehung. (Kant Ak. XXVIII 888, 4-6. Zit.n.: S-DWdeP2 334)

Tatsächlich verbindet Raum uns und alle Dinge vielleicht auf viel grundlegendere Weise, als er uns trennt. Ich kann Sie darauf hinweisen, besser ist es aber, das durch Praxis selbst zu entdecken. Auf effektivste Weise schaffen wir die Grundlage für die Erfahrung, dass Raum verbindet, durch Meditationserfahrung. Nach und nach oder plötzlich erfahren wir, dass wir uns in einem flüssigkeitsähnlichen Medium befinden, das uns mit allem anderen verbindet. Als ich zum ersten Mal diese Erfahrung machte, nannte ich es ein "Unterwassergefühl", denn alles fühlte sich an, als wäre es durch eine Flüssigkeit miteinander verbunden. Es ähnelt dem Gefühl, in ein Aquarium zu schauen und die Fische und Wasserpflanzen zu sehen, die sich alle in Beziehung zueinander bewegen.

Wenn wir Raum als verbindend erfahren, fühlt sich die Welt weniger zerteilt an. Irgendwie fühlt sich jedes Ding, jede Situation, jeder Moment vertraut und einzigartig zugleich an. Wir fühlen uns in Berührung mit allem um uns herum. Wir empfinden alles als bereit und empfänglich. Alle Dinge fühlen sich an wie Geist. Shenhui, ein chinesischer Zen-Meister, sagte: "Identifiziere dich mit Raum, und es wird keinen Ort geben, den du nicht einschließt." (RB in BEK-VK 33)

Optimales Raumerleben

Für mich z.B. stellt dieser optimale Raum einen Kreis dar, der um ich herum wirkt, auch hinter meinem Rücken, und der mir Entfaltungsmöglichkeit und Schutz bietet. Ich nutze meine Arme, um ihn mir mithilfe kleiner, ritueller Gesten vorzustellen und sinnlich spürbar zu machen. Dann imaginiere ich eine schützende Grenze um diesen Raum. Diese Grenze ist so beschaffen, dass sie - wenn ich es will - mir sehr guten Kontakt erlaubt, mich aber auch schützt. Für mich wird die Grenze durch eine Lichtschranke aus angenehm goldenem Licht symbolisiert. Den Raum stelle ich mir ebenfalls mit wärmendem, goldenem Licht erfüllt vor. Diese Imagination bewirkt meist sofort, dass sich meine Physiologie in sehr angenehmer und Kraft gebender Weise verändert und sich mein Atemmuster verändert: Meine Atmung wird tiefer und weiter. Dann reaktiviere ich die dazu passenden Körperkoordination, sowohl die Körperhaltung als auch die passenden Bewegungsmuster, mit optimalem Bodenkontakt bewege ich mich so, dass ich das Gefühl deutlich spüren kann, gut "im Lot" zu sein. Bewegungen des Kopfes pendeln sich in ein Muster ein, das mir einen klaren Blick und eine Wahrnehmung der Anteil nehmenden Neugier und des Respekts gibt. Um mich auch in gutem Kontakt zu meinen Ressourcen zu erleben, imaginiere ich sie mir als "Wesen", als Mitglieder meines "inneren Teams". Dazu gehören auch meine potenziellen "irrationalen" Impulse. Ich bringe sie an den passenden Platz. Für mich ist dieser Platz meist ein Halbkreis hinter mir, von dem aus sie mir den Rücke stärken. Dann imaginieren ich, wie ich in einer angenehmen, gelösten Haltung, die aber jede Aktivität erlaubt, von meinen Ressourcen bedient werde. Für mich heißt das, z.B., dass alle Wahrnehmung von außen als Energiestrom in mich hereinfließt, sowohl über die Augen, Ohren als auch in Höhe des Solarplexus durch meine Bauchdecke. Meine Ressourcen bitte ich um Unterstützung. Sie wirken für mich als Prüfer, Hypothesenlieferanten, Bilderproduzenten, Fragenfabrikanten, aber auch als Leibwächter für den Fall, dass mir irgendetwas zu eng und zu bedrohlich werden sollte. Sie spielen mir alles, was sie aus der Außen- und Innenwahrnehmung gemacht haben, auf eine Art große innere Leinwand. Ich habe dabei immer die freie Wahl, was ich aus den Angeboten meiner Ressourcen machen will. (GS-LPL 193f)

Raumgestaltung

  • Raumgestaltung per Abstecken
  • Raumgestaltung per Proklamation

(Vgl: AB-BuB 226)

Raum und Therapie

Raumtherapie.png


Raumtheologie

Siehe: Raumtheologie

Zitate

  • “... dass die Topologie einen relationalen Raumbegriff voraussetzt” (Pichler 24)
  • “Die Vorstellung vom Raum als einem Gefüge, bei dem die Relationen letztlich wichtiger sind als die Relata, wird im Fall der Topologie in besonderer Weise anschaulich, befasst sie sich doch mit Strukturen wie Graphen, Oberflächen und Knoten, bei deren Studium es grundsätzlich mehr auf das Wie als auf das Was des jeweiligen Zusammenhangs ankommt. Jedenfalls hat gerade die Topologie regelmäßig solcher Denker angezogen, die - nicht nur im Hinblick auf den Raum - der Relation den Vorzug gegenüber absoluten Größen oder positiven Bestimmungen geben. Daher die Topologie-Rezeption im (Umfeld des) Strukturalismus. Jean Piaget etwa gewann durch seine Auseinandersetzung mit der mathematischen Topologie eine Serie von Relationsbegriffen, die ihm auch in epistemologischer Hinsicht fundamental zu sein schienen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die ontogenetische Entwicklung von Raumvorstellungen: Ordnung, Nachbarschaft, Umhüllung und Kontinuität.” (Pichler 24-5)
  • “Relations, it seems, are what we think with, rather than what we think of.” (aus: Pichler 26)
  • "Mit festen Schultern steht der Raum gestemmt gegen das Nichts. Wo Raum ist, da ist Sein." Nietzsche (aus: S-L 147)