Kant

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... wenn er nicht wie Kant zweigleisig fahren will, mit einem naiven Sozialrealismus neben einer damit unverträglichen Erkenntnistheorie. (S-AHG 37)

Wo vieles ist, muss es nach Kant lauter Einzelnes sein, so dass die Explikation nicht Verleihung der Einzelheit ist, sondern bloßes Auspacken des zuvor Vergrabenen. Kants Singularismus empfängt dadurch eine eigentümliche Note, dass er unter den großen Singularisten der neuzeitlichen Philosophie der Erste ist, der sich um den Singularismus gar nicht mehr zu bemühen braucht, weil dieser ihm so selbstverständlich geworden ist, dass keine entgegengesetzte Denkweise mehr in seinem Horizont auftaucht. (S-DWdeP2 324)

Siehe auch:

Motivation

Kants Verlangen geht auf

  • Selbständigkeit
  • Unabhängigkeit
  • eigene Initiative. (S-DWdeP2 331)

Mit dieser Sorge nähern wir uns dem Motiv des transzendentalen Idealismus bei Kant. Es handelt sich um die Sorge, mit der Freiheit seine Selbständigkeit als Substanz, die er für sich und alle Dinge in Anspruch nimmt, in der Weise zu verlieren, dass er zu einer bloßen Bestimmung oder Modifikation eines anderen (nämlich Gottes) herabsinkt, der dann in Wirklichkeit statt seiner der Denkende und Handelnde wäre. ... Offenkundig ist hier die warnenden Anspielung auf Spinoza, für den die Seele (mens) und der Körper des Menschen einander zugeordnete Modifikationen (modi) Gottes sind, der Geist eines modus göttlichen Denkens, der Körper ein modus der göttlichen räumlichen Ausdehnung. ... Der transzendentale Idealismus, die Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit als bloßer subjektiver Anschauungsformen, ist hiernach die einzige Rettung vor dem Spinozismus, der tödlichen Gefahr für Freiheit und Selbständigkeit (Substantialität) der Person, das Ichideal Kants. (S-DWdeP2 333)

Geschichtliche Stellung

Unter den berühmten Philosophen der aufsteigenden Moderne ist Kant der Erste, der die drei Säulen des Verfahrens der modernen Naturwissenschaft -

Kant steht im Rufe und gibt sich mit plakativer Verve den Anschein, ein Revolutionär der Denkungsart und unerbittlicher Kritiker der philosophischen, besonders der metaphysischen, Tradition zu sein. Das ist nicht der Fall. Nicht nur weicht er vor der Versuchung eines experimentellen Denkens in die synthetischen Urteile a priori aus, sondern er hängt wie nur je ein anderer an den Vorurteilen, die, der Antike und dem Mittelalter entsprungen, das neuzeitliche Denken prägen. Das gilt zunächst für die psychologistisch-reduktionistisch-introjektionistische Vergegenständlichung. (S-DWdeP2 322)

Transzendentaler Idealismus

Man kann sicher sein, dass Kant den transzendentalen Idealismus nicht wirklich geglaubt hat. Sonst hätte er keine Bücher geschrieben und dem Publikum zur Lektüre überlassen. Lesen geschieht im Raum, weil Bücher räumlich ausgedehnte Gegenstände sind; wenn alles, was im Raum vorkommt, ebenso wie dieser selbst nur eine Vorstellung in Kant ist, die außer seinen Gedanken keine in sich gegründete Existenz hat, wird unbegreiflich, warum er mit seinen Vorstellungen käuflich im Druck verkehrt, statt bloß seine Gedanken zu wälzen. (S-DWdeP2 329f)

Er kommt in zwei Fassungen vor, die Kant ohne Hinweis auf ihren wesentlichen Unterschied zufällig oder je nach Absicht mischt, so dass der Leser, der nichts davon merkt, vor Rätseln steht: als psychologischer Idealismus und als materialer Realismus. Der Unterschied betrifft die Art, wie die Seele oder - wie Kant lieber sagt - das Gemüt von den Dingen an sich selbst affiziert wird. (S-DWdeP2 328)

Kopernikanische Wende

Die kopernikanische Wende bestehe in der These: Der Verstand gibt der Natur in Raum und Zeit a priori Gesetze. (S-DWdeP2 336)

Kritizistischer Immanentismus

Der kritizistische Immanentismus ist die These: Wir können die Dinge an sich nicht erkennen, sondern nur ihre Erscheinungen in Raum und Zeit. (S-DWdeP2 336)

Erkenntnistheoretischer Realismus

... Kant, dem einflussreichsten Klassiker des erkenntnistheoretischen Realismus in den letzten Jahrhunderten ... (S-HL 353)