Abstraktionsbasis

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Zwischen dem Betroffensein in unwillkürlicher Lebenserfahrung und den kulturspezifischen Systemen der Begriffe und Bewertungen liegt die Abstraktionsbasis einer Kultur. Ich verstehe darunter den Filter, der darüber entscheidet, was von der unwillkürlichen Lebenserfahrung so wichtig genommen wird, dass es in Begriffe, Theorien und Bewertungen Eingang findet, und in welcher Beleuchtung das geschieht. Einen wichtigen Anteil an diesem Filter hat die suggestive Wirkung der sprachlichen Strukturen (S-WNP 364)

Auf einer reduktionistischen Abstraktionsbasis ist für ganzheitliche binnendiffuse Bedeutsamkeit kein Platz. (S-WNP 340)

Damals [in der 2. Häfte des 5. vorchristlichen Jahrhunderts] zuerst wurden die vielsagenden Eindrücke aus der Abstraktionsbasis der europäischen Intellektualkultur verdrängt. (S-WNP 368)

Unter der Abstraktionsbasis einer Kultur verstehe ich die zäh prägende Schicht vermeintlicher Selbstverständlichkeiten, die zwischen der unwillkürlichen Lebenserfahrung einerseits, den Begriffen, Theorien und Bewertungen andererseits den Filter bilden. Die Abstraktionsbasis entscheidet darüber, was so wichtig genommen wird, dass es durch Worte und Begriffe Eingang in Theorien und Bewertungen findet. Deshalb sind gegensätzliche Theorien und Bewertungen auf derselben Abstraktionsbasis möglich. (S-LRG 7)

So ist die Abstraktionsbasis naturwissenschaftlicher Zugänge massiv reduziert und wesentlich auf die quantifizierbaren Dimensionen des untersuchten Phänomenbereiches hin ausgerichtet. Im Gegensatz dazu beinhaltet die Abstraktionsbasis der "Neuen Phänomenologie" bzw. die Fundamentalontologie Heideggers affektive, leibliche, atmosphärische, phänomenologisch-subjektivistische u. a. Dimensionen, die im Rahmen naturwissenschaftlicher Zugänge ausgeklammert werden. (Wimmer in AE-GfA 119)

Jede Abstraktionsbasis lässt unterschiedliche Theorien, Bewertungen und Methoden zu.

Siehe: Kulturelle Bedingungen der Explikation