In-Sein

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Die primäre Erfahrung des In-Sein ist die Grundlage des topischen Verhältnisses, und damit der Topologie und der topischen Praxis.

Typen des In-Seins

Ich-Welt-Modelle.png

Etwas in sich

Spinoza: „In-sich-Sein“ (in se est)

Welt in mir

Kritik:

Somit ist die im "Psychojargon" oft gebrauchte simple Idee, im Vorgang der Identifikation und Introjektion werde "etwas von außen nach innen hineingenommen", zu vereinfachend. "Die Eltern müssen erst wahrgenommen werden, bevor sie introjiziert werden können, und um wahrgenommen zu werden, müssen sie innerhalb der Vorstellungswelt als Objektvorstellungen irgendwelcher Art gebildet worden sein." (Sandler und Rosenblatt 1984, S. 239-240) (JP-HAT 81)

Es leuchtet unmittelbar ein, wenn Sandler und Rosenblatt vorschlagen, diese Raummetapher "von außen geht etwas nach innen" aufzugeben und den Vorgang der Identifikation und Introjektion "im Sinne von Besetzungswechseln innerhalb der Vorstellungswelt begrifflich" (ebd., S. 240) zu fassen." (JP-HAT 81)

Ich in der Welt

Im-Behälter-Sein

  • Einmauerung der Seele im Haus
  • Im-Raum-Sein als im Haus der Seele sein (Introjektionismus, Repräsentation)

leibliches In-Sein

  • im Leib sein: leibliches Dasein

situatives In-Sein

  • in (sozialen) Situationen sein: im (sozialen) Quasi-Leib sein
  • Dasein in sozialen Systemen, vor allem in Familie, aber auch in Organisationen: Siehe Aufstellung

In-Sein und Gegen-Sein

In-Sein.png

Leugnung des topischen In-Seins

Siehe: Haben, Sein, In-Sein

In-Sein in der Bibel

Johannes

Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. (Johannes 14,23)

  • "wird er an meinem Wort festhalten": logozentrisch
  • "wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen": topozentrisch

Johannesbrief

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Johannesbrief.)

In-Sein bei Paulus

  • Römer 8,9:
  • "Ihr aber seid nicht vom Fleisch bestimmt, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt." (Einheitsübersetzung)
  • "Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Pneuma, wenn doch Pneuma Gottes in euch wohnt." (Internet)
  • "Ihr seid nicht im Fleisch, sondern im Pneuma, wofern Gottes Pneuma in euch wohnt." (Schmitz)

Bei Paulus kommt das In-sein häufig in beiden Richtungen vor, als Sein in Christus oder im Pneuma und als deren Sein in uns, aber in der Verschlingung, ..., nur in Römer 8, 9: "Ihr seid nicht im Fleisch, sondern im Pneuma, wofern Gottes Pneuma in euch wohnt." Hier handelt es sich aber nicht um eine Verschlingung des Inseins von Personen zum wechselseitigen Ineinandersein, sondern um die schlichtere und leichter vollziehbare Vorstellung, dass es eine Atmosphäre (wie das Wetter) den Ergriffenen zugleich umgibt und durchdringt. (S-DWdeP2 34)

So gebraucht auch Paulus die Präposition "in", und der Gnostiker Markos stellt sich sogar Christus als Raum vor, in dem man sich bewegen kann, indem er den Gläubigen auffordert: "Nimm den Bräutigam auf, und gehe in ihm herum." Für die damaligen Christen brauchte diese Aufforderung nichts Verblüffendes zu haben, da ihnen Christus selbst in der Atmosphäre aufging, die als der heilige Geist ihr Element war; ... (S-H 148)

Urchristen

  • Johannes (1. Joh. 4)
  • Paulus: "Der Herr ist der Geist."
  • Gnostiker Markos: "Nimm den Bräutigam auf, und gehe in ihm herum."

Im Heiligen Geist

Ich habe untersucht, wie sich diese kollektive Hochstimmung zu der Person verschiebt, als die der heilige Geist dann in die göttliche Trinität des christlichen Dogmas eintritt. Wie schwierig dieser Weg war, bekam noch im 4. Jahrhundert Basilius von Cäsarea zu spüren, als er auf Gläubige traf, die sich lieber die Zunge abbeißen wollen, als auf die Worte "im heiligen Geist" zu Gunsten der trinitarischen Formeln "mit dem heiligen Geist" oder "und dem heiligen Geist" zu verzichten. Dieses "im" ist für das urchristliche Verständnis konkret räumlich als Befinden in einer Atmosphäre zu verstehen, wie bei Johannes, wenn er schreibt, dass Gott, den niemand je gesehen habe, Liebe sei und in uns bleibe wie wir in ihm, wenn wir die Mitglieder der Gemeinde, einander lieben (1. Joh. 4). (S-H 148)

Siehe: Heiliger Geist

In Frieden

Eine solche räumlich ergossene Atmosphäre, in der man leben kann, ist nach urchristlichem Verständnis auch der Friede; die noch heute in der Liturgie erhaltenen Wendungen "Geh' hin in Frieden" und "Er möge ruhen in Frieden" sind ursprünglich in ganz konkretem Sinn der Präposition gemeint. (S-H 148)

In-Sein als reziproke Immanenz

Für die Neuplatoniker ist die reziproke Immanenz - z.B. als Umgreifung der Teilgeister durch den Gesamtgeist und umgekehrt (...) oder als Sein des Geliebten im Liebhaber und des Liebhaber im Geliebten (...) - ein Ausdruck der nicht-numerischen Mannigfaltigkeit inniger Integration (...). Die durch keine Übertragung vermittelte Übereinstimmung zwischen Johannes und den heidnischen Neuplatonikern im Motiv der reziproken Immanenz ermöglicht die johanneisch-neuplatonische Synthese im ostkirchlichen Christentum seit Maximus Confessor mit prägender Wirkung auf Scotus Eriugena. (S-DWdeP2 34)

Im ersten Johannesbrief wird die Integration durch reziproke Immanenz als Liebe konkretisiert: "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm." (4,16) (S-DWdeP2 33f)

In-Sein als Offenheit

Siehe: Offenheit

In-Sein als Ausgesetztsein

Ausgehen möchte ich dabei von einer Tatsache, die wohl für alle menschlichen Kulturen gültig sein dürfte: dass es für jede Person Menschen und Dinge gibt, deren Schicksal ihr wichtig ist - sei es in der Weise, dass sie ihr Glück und Fortbestehen, sei es, dass sie ihre Zerstörung wünscht -, sowie andere Personen und Dinge, die ihr gleichgültig sind. Auf diese Weise ist der Mensch stets schon affektiv in der Welt verstrickt, d.h. die Tönung seines affektiven Betroffenseins ist davon abhängig, wie es dem ergeht, das ihm am Herzen liegt. Selbstverständlich wird er sich daher nach Kräften dafür einsetzen, dass alles nach seinen Wünschen verläuft, aber ebenso selbstverständlich ist es, dass er das nicht umfassend und dauerhaft wird bewerkstelligen können, so dass er prinzipiell immer von Geschehnissen und Mächten abhängig bleibt, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Diesen Sachverhalt - der so basal, ja so banal ist, dass ihm hoffentlich niemand den Status einer anthropologischen Konstante absprechen wird - werde ich als "Ausgesetztheit" bezeichnen. (SS-FdS (Formen der Subjektivität) 20 (tbc))

Bandbreite: Von der Ausgesetztheit zur Erlösung/ Autonomie

In-Sein als Resonanz

Siehe: Resonanz

Innen bei Schmitz

Damit zeichnet sich ein phänomenologisch haltbarer Sinn der Rede vom Inneren (in Wendungen wie "Blick nach innen" u.dgl.) ab: Nicht mehr ein Inneres im Sinne der Introjektion ist gemeint, sondern das von einer Umfriedung gestiftete Innere, in dem namentlich den Gefühlen trotz ihrer Abgründigkeit und uferlosen Ergossenheit mehr oder weniger eine Heimstatt angewiesen ist, die sie menschlichem Verfügen eher zugänglich macht. Solches Verfügen über Atmosphärisches bezeichne ich, sofern ihm durch eine Umfriedung ein Spielraum gewährt wird, als Wohnen im allgemeinsten Sinn. (S-III4 213)

In-Sein bei Cassirer

Perspektiven und Gesichtspunkte sind vielmehr als unser In-Sein im Welt-Individuum zu begreifen, und die Wahrnehmung nicht als Konstitution des wahren Gegenstandes, sondern als unser Sein-unter-den-Dingen. In Gestalt der Sinnesfelder und der Welt als des Feldes aller Felder entdeckt das Bewusstsein in sich selbst die Undurchdringlichkeit einer orginären Vergangenheit. Aufgrund der Erfahrung des In-seins meines Bewusstseins in seinem Leib und in seiner Welt aber bietet die Wahrnehmung des Anderen wie auch die Mehrheit der Bewusstsein keine Schwierigkeiten mehr. (MP-PdW 402)

Auch: Feld bei Cassirer

In-Sein bei Heidegger

In-Sein dagegen meint eine Seinsverfassung des Daseins und ist ein Existential. Dann kann damit aber nicht gedacht werden an das Vorhandensein eines Körperdinges (Menschenleib) "in" einem vorhandenen Seienden. Das In-Sein meint so wenig ein räumliches "In-einander" Vorhandener, als "in" ursprünglich gar nicht eine räumliche Beziehung der genannten Art bedeutet: "In" stammt von in-nan-, wohnen, habitare, sich aufhalten; "an" bedeutet: ich bin gewohnt, vertraut mit, ich pflege etwas; es hat die Bedeutung von colo im Sinne von habito und diligo. Dieses Seiende, dem das In-Sein in dieser Bedeutung zugehört, kennzeichneten wir als das Seiende, das ich je selbst bin. Der Ausdruck "bin" hängt zusammen mit "bei"; "ich bin" besagt wiederum: ich wohne, halte mich auf bei ... der Welt, als dem so und so Vertrauten. Sein als Infinitiv des "ich bin", d.h. als Existential verstanden, bedeutet: wohnen bei ..., vertraut sein mit ..., In-Sein ist demnach der formale existenziale Ausdruck des Seins des Daseins, das die wesenhafte Verfassung des In-der-Welt-seins hat. (Heidegger: Sein und Zeit, S. 54)

In-Raum-Sein bei Bollnow

Der Mensch befindet sich nicht im Raum, wie ein Gegenstand sich etwa in einer Schachtel befindet, und er verhält sich auch nicht so zum Raum, als ob zunächst etwas wie ein raumloses Subjekt vorhanden wäre, das sich dann hinterher auch zu einem Raum verhielte, sondern das Leben besteht ursprünglich in diesem Verhältnis zum Raum und kann davon nicht einmal in Gedanken abgelöst werden. (OFB-MuR 23)

Sloterdijks Bezug zu Heideggers In-Sein

Seine [ Heideggers ] Formel vom In-der-Welt-Sein enthält dieses eher rätselhafte "in", diese scheinbar evidenteste aller räumlichen Präpositionen, die zugleich die dunkelste ist. Wir sind "in der Welt": Was heisst das eigentlich? Wo sind wir wenn wir in der Welt sind? Was hat es mit diesem In- oder Innen-Sein auf sich? In-Sein wird üblicherweise abgeleitet von der Erfahrung gewöhnlicher Behälterbeziehungen. Wir sind in einem Zimmer, dieses Zimmer ist in einer Stadt, die Stadt ist in einem Land, das Land ist auf der Erde, die Erde ist im Weltraum. Das ergibt Babuschka-Physik, orientiert am Enthaltensein von Etwas in Etwas, vom kleinsten "In"halt bis zum Behälter aller Behälter, dem All. Heidegger hat mit dieser Gewohnheit, das In-Sein alltagsphysikalisch auszulegen, gebrochen und gezeigt, dass das menschliche In-etwas-Sein gar keine Behälteranalogien zulässt, sondern im Gegenteil ein Hinausstehen, eine ekstatische Positionalität oder ein Hinausgehaltensein bedeutet. (Sloterdijk in SH-DSudT 175)

Nach dem Durchgang durch die siebenfältige Wendung des Sinns von In-Sein in den vorangegangenen Kapiteln dieses Buches hat sich gezeigt, wie der Gegensatz: In-Gott-Sein oder In-der-Natur-Sein zugunsten einer allgemeinen Logik des Seins-in-geteiltem-Raum verschwindet. (Sloterdijk in PS-B 597)

Hierin liegt auch der primäre Grund dafür, weshalb Sloterdijk an einer zentralen Stelle der Sphären-Trilogie auf Heideggers Begriff des "In-Seins" rekurriert. Dieser Begriff ist für ihn vorrangig gegenüber dem bekannteren Existenzial des In-der-Welt-Seins aus Heideggers Sein und Zeit. Sloterdijk spricht sogar von "Inheit". (Oliveira in VDU 87)

Das "In-Sein" ist ein übergreifendes Muster, das alles "umschließt" und "ausschließt". Sloterdijks Grundintuition, die eine eindeutige subjektivitätstheoretische Drehung an Heideggers Weltbegriff vornimmt, kann nicht hoch genug angesehen werden. (Oliveira in VDU 87)

In-Sein der Personen

Es gibt keinen Gottesgesichtspunkt, den wir kennen oder uns mit Nutzen vorstellen könnten, sondern nur die verschiedenen Gesichtspunkte tatsächlicher Personen, die verschiedene Interessen und Zwecke erkennen lassen, denen ihre Beschreibungen und Theorien dienlich sind. (Putnam 1990, 76. Zit.n. FV-OW 345)

Doch rechnet der internal realism nach Putnam damit, dass alles, was wir über die Wirklichkeit erfahren können, immer auch durch die Begriffe und Methoden geprägt ist, mit denen wir die Wirklichkeit untersuchen. Objekte, die wir untersuchen, werden ebenso gemacht, wie wir sie finden, sie sind ebenso Erzeugtes wie auch Entdecktes. (FV-OW 435)

Siehe: