Identifizierung

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Etwas mit etwas identifizieren.

Es gibt aber auch eine Selbstfindung vor aller Identifizierung.

Eine Identifizierung arbeitet mit relativen Identitäten.

Auflösungen von Identifizierungen (Verstrickungen) durch Aufstellung, z.B. der Selbstintegrations-Aufstellung.

Siehe:

Identifizierung als Verhältnis

Identifizierung als duales Verhältnis

Eine Identifizierung setzt ein duales Verhältnis von zwei Einzelnen voraus, die miteinander in eine Identifikationsbeziehung gesetzt werden.

Identifizierung als topisches Verhältnis

Identifizierung als topisches Verhältnis im Unterschied zur Beobachtung als duales Verhältnis:

Identifikation mit einem Vorgang und Beobachtung eines Vorgangs sind aber Zuständlichkeiten, die sich gegenseitig gradweise ausschließen. Die Identifizierung ist der Zustand höchster subjektiver Beteiligung; Beobachtung erfordert aber Gegenüberstellung, Objektivierung. (Zutt 1923, S. 60: Zit. n.: GR-LS 254)

Identifikation durch Introjektion und Projektion

Topoebene.png

Alternativen:

  • Introjektebene: Introjektion in den eigenen personalen Raum
  • Topoebene: Personales Stehen an externen Orten (bzw. Projektion auf externe Orte)

Identifikation durch Introjektion und Projektion kommt gewöhnlich gleichzeitig vor. (Ignes Sodré in: FW-PI 48)

Die Verwendung der Begriffe projektive und introjektive Identifizierung ist in der Literatur sehr unterschiedlich. Teils werden beide Begriffe als einander ausschließend, teils in einem Ergänzungsverhältnis gedacht. Sodré (...) wiederum sieht im Begriff der projektiven Identifizierung einen Oberbegriff, der verschiedene Prozesse umfasst, u.a. auch Projektion und Introjektion. (Tomas Plänkers in: FW-PI 125)

Bei der pathologischen Identifizierung ist die Richtung der Identifizierung unwesentlich - ob einverleibend, eindringend, projizierend oder introjizierend. Ziel der zu Grunde liegenden Phantasie ist es, das Objekt zu vereinnahmen. (Helen Schonehals Hart in: FW-PI 168)

Unterscheidungen:

Introjektion und Projektion:

  • Introjektion: Fremdes rein -> Eigenes rein = Selbstintegration
  • Projektion: Eigenes raus -> Fremdes raus = Ableitung

Problem und Lösung:

  • Problem: Projektion von Eigenem und Introjektion von Fremden
  • Lösung: Introjektion von Eigenem und Projektion vom Fremden

Freud verwendet den Begriff der Projektion, Ferenczi stellt ihm den Begriff der Introjektion gegenüber. Projektion und Introjektion werden zunächst hauptsächlich als Abwehrmechanismen verstanden. Freud bringt den Begriff der Identifizierung mit der Introjektion in Verbindung, um die pathologische Abwehr in der Melancholie zu beschreiben. (Helen Schoenhals Hart in: FW-PI 164)

Tatsache ist, dass sowohl die projektive als auch die introjektive Identifizierung zwar eine Unterscheidung zwischen Objekt und Subjekt voraussetzt: Man kann aber erst in ein Objekt projizieren oder etwas vom Objekt introjizieren, wenn eine Abgrenzung vorhanden ist. Aber der Prozess der projektiven Identifizierung selbst zerstört oder verhindert - zumindest aus der Perspektive des objektiven Betrachters - eine realitätsgerechte Begrenzung. Auch für den Beobachter - besonders wenn er als äußeres Objekt das Ziel der Projektion sein soll und mit meiner Gegenübertragung reagiert - ist es verwirrend. Sobald etwas in das Objekt projiziert wird, wird die Abgrenzung schon wieder verwischt. ... Wenn die Subjekt-Objekt-Grenze nach dem Lustprinzip funktioniert und das Verhältnis sich plötzlich auch noch umdrehen kann, wie ist dann innen von außen zu unterscheiden? (Helen Schoenhals Hart in: FW-PI 173f)

Introjektive Identifizierung

Offensichtlich meint Klein mit der projektiven Identifizierung einen tiefer gehenden Mechanismus als den der Projektion. (Helen Schoenhals Hart in: FW-PI 165)

Die Anhänger der Objektbeziehungs-Schule sind der Meinung, dass wir alle geistige Vorstellungen von Menschen und Beziehungen verinnerlicht haben, denen wir stark emotional verbunden waren. Diese internalisierten Objekte (Melanie Klein nannte sie 'Imago') haben wir unserer geistigen Landschaft einverleibt; sie sind Teil unserer subjektiven Welt. (MS-AuN 233f)

Projektive Identifizierung

Andere Begriffe (Vgl: MS-AuN 231)

  • irrationale Rollenzuweisung
  • Externalisierung
  • Austausch von Dissoziationen

Der Begriff der projektiven Identifizierung wurde von Melanie Klein, einer früheren Schülerin Freuds, in die psychoanalytische Literatur eingeführt. Melanie Klein war die Vorläuferin einer analytischen Richtung, die sich später von der streng Freudianischen Schule abspaltete und als die Lehre von der 'Objektbeziehung' bekannt wurde. ... Bei der Theorie der Objektbeziehung steht die Beziehungen zwischen den Personen im Vordergrund. (MS-AuN 231f)

Melanie Klein unterschied in ihren unveröffentlichten Aufzeichnungen zwischen zwei Phasen der projektiven Identifizierung, wobei es sich bei der ersten um eine Zuschreibung, bei der zweiten um ein Eindringen in das Objekt handelt. Obwohl es zweifelhaft ist, ob es rein attributive, d.h. nicht-eindringende Projektionen gibt, ist es doch klinisch sinnvoll, von unterschiedlichen Graden des Eindringens zu sprechen, welche die Psyche des Analytikers in unterschiedlicher Weise affizieren. (Heinz Weiß in: FW-PI 198)

Zunächst sein nochmals in Erinnerung gerufen, dass Klein mit dem Begriff "projektive Identifizierung" eine im Wesentlichen unbewusste omnipotente Phantasie kennzeichnete, durch die unerwünschte störende psychische Inhalte ausgestoßen - in ein Objekt projiziert - werden, damit das Selbst etwas Böses loswerden kann, gelegentlich aber auch, um das Objekt, dem die Projektion gegolten hat, anzugreifen oder zu kontrollieren. Da dabei auch ein Teil des Ichs ausgestoßen wird, enthält das Objekt, dem die Projektion gegolten hat, auch einen Teil des Selbst und wird mit ihm identifiziert. Dadurch kommt es zu der paradoxen Situation, dass das Objekt zwar teilweise mit einem Teil des Selbst identifiziert wurde, aufgehoben wird, sodass nicht anerkannt wird, dass das Objekt irgendetwas mit dem Selbst zu tun hat. Statt dessen wird es wahrgenommen, als enthalte es diese Qualitäten, Motive oder Funktionen aus sich heraus. (Michael Feldmann in: FW-PI 41f)

Es scheint weder theoretisch noch klinisch hilfreich zu sein, auf einem genauen Unterschied zwischen der Projektion und der projektiven Identifizierung zu bestehen. Ich stelle mir ein Kontinuum vor, von der einfachen lebensnotwendigen Projektion bis hin zur krankhaften projektiven Identifizierung. (Helen Schoenhals Hart in: FW-PI 176)

Nach Ansicht des Psychiaters L.B. Feldmann ist projektive Identifizierung ein Abwehrmechanismus, der in zwei Schritten abläuft. Der erste Schritt "besteht darin, sein intrapsychisches Selbst und seine Vorstellungen zu 'spalten' und einerseits das 'völlig Schlechte' (frustrierend, abweisend, grausam usw.), andererseits das 'völlig Gute' (förderlich, befriedigend, freundlich, akzeptierend, bewundernd usw.) wahrzunehmen". Der zweite Schritt "besteht darin, eine oder mehrere dieser abgespaltenen Vorstellungen auf einen oder mehrere Außenstehende zu projizieren und dadurch seine Wahrnehmung von diesen anderen und von sich selbst zu verändern. Mit anderen Worten, anstatt sich selbst und die anderen als teilweise gut und teilweise schlecht zu betrachten, sieht man sich selbst ganz weiß und den anderen ganz schwarz." (MS-AuN 249f)

Das Gute wird im eigenen Selbst und in dem imaginären perfekten Partner gesehen, der eines Tages auf seinem weißen Schlachtroß erscheinen wird. Das Schlechte wird auf den Partner projiziert und an ihm als unkorrigierbar betrachtet. Wenn zwei Menschen sich polarisiert haben, dann kann der andere nur eine Idealgestalt oder eine Laus sein; dazwischen ist kaum etwas möglich. (MS-AuN 250)

Attributive projektive Identifizierung

Allerdings wird in dieser Phase das Innere des Analytikers noch nicht wesentlich affiziert. Er erlebt die projektive Identifizierung eher als etwas von außen Kommendes, das heißt zweidimensional wie eine angeheftete Projektion. (Heinz Weiß in: FW-PI 186)

Evokatorische projektive Identifizierung

Britton unterscheidet zwischen "akquisitiven" (= "Ich bin Du") und "attributiven" (= "Du bist ich") projektiven Identifizierungen (...); und Spillius nennt die projektive Identifizierung, die eine Veränderung im äußeren Objekt hervorruft, "evokatorisch" (...). [Helen Schoenhals Hart in: FW-PI 164]

Eigene Selbstanteile im Raum des Anderen:

Mit der Präzisierung "in" statt "auf" gelangte sie [Melanie Klein] zu der Vorstellung, dass die Projektion nicht nur die Oberfläche des Objekts berührt, sondern in es hinein gelangt und damit dessen inneren Zustand beeinflusst und modifiziert. Das Konzept der Projektion wurde nur als ein Prozess betrachtet, der den inneren Raum und die emotionale Erfahrung eines anderen Menschen berührt, und nicht länger als etwas, das lediglich zu einer Verzerrung seines Bildes führt. Gleichzeitig wurde damit anerkannt, dass die projektive Identifizierung mit einem vorübergehenden oder dauerhaften Verlust von Teiles des Selbst einhergehen kann. (FW-PI 11)

Auch in Aufstellungen geschieht nicht nur die Projektion einer Rolle auf einen Stellvertreter, sondern eine projektive Identifikation, welche auch den inneren Leibraum des Stellvertreters verändert. Siehe: Repräsentierende Wahrnehmung.

Analogie: Projektive Identifizierung als emotionales Outsourcing. (Siehe: http://hutterer.blog.de/2010/08/06/emotionales-outsourcing-9138349/)

Siehe: Projektion