Physiologismus

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Der Physiologismus zieht aus der Tatsache, dass ohne fein abgestimmte Mitwirkung gewisser Körperteile (z.B. Sinnesorgane, Nervensysteme) keine Wahrnehmung zu Stande kommt und Variationen jener Mitwirkung entsprechende Variationen der Wahrnehmung nach sich ziehen, den voreiligen Schluss, dass die Wahrnehmung als einzige Quelle von Informationen aus der sogenannten Außenwelt durch die betreffenden Körperteile wie durch Schleusen oder Werkzeuge erfolge, so dass deren Kapazität darüber entscheide, was als Information eingeht. Von der faktisch wahrgenommenen Welt bleiben dann für die empfangenen Informationen nur Fragmente aus wenigen standardisierten Klassen von Qualitäten als Korrelate physischer Reize übrig; die Welt wird zerschlagen und muss aus den dürftigen Resten in der sogenannten Innenwelt nachgebaut werden, ... (S-SaP 340)

Physiologismus ist die These, dass Informationen aus der Außenwelt dem Menschen nur durch physiologisch interpretierbare Sinnesreize zukommen, die nach gehörigen Metamorphosen in die seelische Innenwelt transportiert und dort in Auffassungen über Ereignisse und Zustände in der Außenwelt (z.B. verständliche Reden anderer Menschen) zurückübersetzt werden. (S-WegeII 613f)

Eine knappe Veranschaulichung dieses (mit der psychologistisch-reduktionistisch-introjektionistischen Vergegenständlichung zusammenhängenden) Konstruktes bietet Gottfried Keller mit folgenden Anfangszeilen eines Gedichtes:

Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein.
(S-WegeII 613f)

Der Physiologismus schränkt das Wahrnehmbare auf Reizquellen ein, die sich als korrespondierende Gegenpole zu körperlichen Aufnahmeorganen konstruieren lassen;... (S-NP 32)

Es handelt sich um das Dogma, dass zum Menschen Informationen über den Teil der Welt, der als seine Außenwelt objektiviert ist, nur auf dem Weg über physische Reize gelangen, die von gewissen Körperteilen – namentlich den sogenannten Sinnesorganen wie Augen und Ohren, ferner von Teilen des Nervensystems wie z.B. dem Gehirn – aufgefangen und in mehr oder weniger verwandelter Fassung weitergeleitet werden, um schließlich durch einen mysteriösen Umformungsprozess in die Innenwelt des Menschen, die als seine Seele oder sein Bewusstsein bezeichnet wird, hinübergehoben zu werden. (S-NGE 2)

Nahewirkungsprinzip

Dieser [i.e. Physiologismus] reduziert die Informationsquellen in Bezug auf Ereignisse in der Außenwelt eines Subjekts auf das, was durch physische Signale an dessen Sinnesorgane gemeldet werden kann, und führt dadurch ein Nahewirkungsprinzip ein, durch das die nähere Umgebung als Aufschlussgeber vor der ferneren bevorzugt wird; ... (S-WwK 341)

Siehe: