Elementarismus

Aus TopoWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Platon ist synthetisch konstruierender Elementarist, der die Zerlegung wie Descartes in den Regulae nur einsetzt, um auf fixe Urbestandteile zu kommen und durch deren geordnete Aufzählung das jeweilige Erkenntnisobjekt zu rekonstruieren, mit Abweisung des Unendlichen als der "millionenfache Hydra der Empirie", vor der sich das Denken auf die Konstruktion fester Typenaus genau bestimmten einzelnen Bausteinen zurückziehen will. Plotin ist dagegen wie Aristoteles Widersacher des konstruktiven Elementarismus, er will wie Goethe "das Ganze im Kleinsten erblicken" und wehrt daher die Zusammensetzung aus Teilen ab, während er - im Gegensatz zu Platons Forderung - das Auseinanderlegen beim Geist sofort und nicht erst nach einer Aufzählung ins Unendliche münden lässt, da ihm auf Rekonstruktion aus einfachen Elementen nichts ankommt. (S-AHG 107)

Platonischer Elementarismus

Jede Bestimmtheit ist einzeln.

Alle Bestimmungen, wodurch etwas als bestimmt wird, sind einzelne Sachen (Umstände, nicht Eigenschaften). (Vgl: S-DWdeP2 580)

Der Singularismus verschärft den Elementarismus, in dem alles ohne weiteres einzeln ist, nicht nur jede Bestimmung von etwas als etwas.

Scotus, der sich vor den meisten Scholastikern dadurch auszeichnet, dass er nicht in die Falle des Singularismus - zu glauben, das alles ohne weitere einzeln ist - geht, ist trotzdem Elementarist wie Platon, d.h. er fordert, dass wenigstens alle Bestimmungen, wodurch etwas als etwas bestimmt ist, einzeln sind. (S-DWdeP2 129)

Inventartheorie der Sprache (der Rede)

Diesem Elementarismus entspricht die linguistische Inventartheorie, wonach die Rede (Logos) in einer inventarisierenden Folge von Aufrufungen der zum Was eines Gegenstandsbereiches gehörigen Einzelheiten besteht. (Vgl: S-DWdeP2 580)

Der Logos ist für Platon entsprechend dem ursprünglichen Wortsinn ein Zusammenlegen von Worten als von An- oder Aufrufen von Sachen nach Art eines Inventars, das ohne syntaktische Struktur Informationen liefert, wie Frachtbriefe, Vermögensaufstellungen, Inhaltsverzeichnisse von Büchern usw. (S-DWdeP2 238f)

linguistische Inventartheorie: die Lehre, dass Sätze und Satzfolgen Aufzählungen von Gegenständen nach Art von Inventaren sind. (S-NWdeP 825)

Aristotelischer Anti-Elementarismus

Als Gegner des platonischen Elementarismus, der jede Bestimmung, wodurch etwas als etwas bestimmt ist, als einzelne Sache behandelt, widersetzt sich Aristoteles dem Versuch Platons, für jedes Prädikat, dessen Umfang mehrere Objekte umfasst, eine Idee anzusetzen, als ob für jeden Aspekt, unter dem etwas angesprochen werden kann, ein stabiles, aller sinnlichen Wandelbarkeit und Konfusion enthobenes Objekt da sein, das dieser Aspekt in völliger Reinheit und weiter nichts ist. (S-DWdeP2 133)

Dieses Erbe des aristotelischen Anti-Elementarismus, das Verständnis der Form als das, wodurch und nicht was etwas ist, steht in latenter Spannung dem scholastischen Singularismus gegenüber, der Überzeugung, dass alles ohne weiteres einzeln ist (numerisch einzeln ...) (S-DWdeP 134)

Ein gelehriger und getreuer Schüler des Aristoteles ist Thomas an der Frontlinie des Kampfes gegen den platonischen Elementarismus, diesem Ariadnefaden durch das labyrithische Gedankengebäude des Aristoteles. In diesem Sinn lehr Thomas, ganz in Übereinstimmung mit Aristoteles, dass die Artidee nicht aus Gattung und spezifischer Differenz zusammengesetzt ist. (S-DWdeP2 109)

Siehe: Singularismus