Symbiose

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Symbiose als ominpräsente Unterabgrenzung

Der seelische Hintergrund sehr vieler Lebens- und Beziehungskonflikte sind symbiotische Verstrickungen. (FR-SuA 21)

Siehe: Unterabgrenzung, Atopische Gefühle

Symbiose als Ursache und Folge von Gewalt

Symbiosemuster ist Folge und Ursache von Gewalt. (Langlotz)

Ursache von Symbiose

Äußere Gewalt

  • Unfall, Krieg, Erdbeben

Familiäre Gewalt

  • körperlicher oder seelische Missbrauch

Früher Verlust

Früher Verlust von

  • Eltern, Bezugspersonen,
  • früh gestorbener Geschwister oder "Zwillinge"

Eltern sind nicht erreichbar. Kinder wollen nah bei ihnen sein, daher wird die Nähe zu den Eltern dem eigenen Selbst vorgezogen.

Symbiotische Verstrickungen entstehen, wenn die ursprünglichen kindlichen Symbiosebedürfnisse nicht befriedigt werden. Die dauerhafte Frustration kindlicher Symbiosebedürfnisse stellt eine eigene Kategorie von Trauma dar: das Symbiosetrauma. (FR-SuA 21)

Die Ursache dafür, warum Eltern ihre Kinder nicht ausreichend symbiotisch versorgen können, sind ihre eigenen Traumaerfahrungen. Weil sie traumatisiert sind, können sie ihren Kindern weder den erforderlichen emotionalen Rückhalt bieten noch sie in ihrer Autonomieentwicklung unterstützen. Traumatisierte Eltern merken es nicht, wenn sie ihre Traumata auf ihre Kinder übertragen. (FR-SuA 21)

Folgen von Symbiose

  • Manipulation: Verführung, Erpressung, Bedrohung. Aktive und Passive Seite von fehlender Abgrenzung können verschmelzen (Erpresser und Erpresster, Bedrohender und Bedrohter, Verführer und Verführter)
  • Überabgrenzung: Abwertung, Hass
  • Destruktion noch Innen: Depression, Schuldgefühle, psychosomatische Erkankungen
  • Destruktion nach Außen: Gewalt

Symbiosemuster

Das Symbiosemuster entwickelt sich aus dem Dilemma, das aufgrund von bestimmten Umständen die topische Bipolarität von Autonomie und Nähe nicht gleichzeitig gelebt werden kann.

Bei Symbiose wird der Hofhund gezähmt, er wird zur Schmusekatze.

Symbiose ist als ob eine Rose - um noch süßer zu sein? - ihre Dornen nach innen wendet. Sie verliert dadurch ihren Schutz, ihre Überlebensmöglichkeit. Gerade weil sie so kostbar ist, bedarf sie des Schutzes der Dornen! (Langlotz: [1])

Trennung von zentralen Selbstaspekten

  • aus Liebe zu den Eltern
  • aus nicht verarbeitetem Trauma

Die Trennung von zentralen Selbstaspekten führt zur Identitätslosigkeit:

In destruktiven symbiotischen Beziehungen können weder die Stärkeren noch die Schwächeren, weder die Täter noch die Opfer die Frage beantworten: Wer bin ich? Beide leiden mit verschiedenen Vorzeichen unter Identitätsverwirrung und Identitätslosigkeit. Sie spiegeln sich wechselseitig ineinander, ohne dass ihr Identitätsproblem dadurch zu lösen wäre. Das Ergebnis bleibt am Ende auf beiden Seiten eine inhaltsleere Subjektivität ohne personale Substanz. (Ruppert 66)

Besetzung mit Fremdanteilen (Introjekten)

Die Besetzung mit Fremdanteilten (Introjekten) führt zur Fremdbestimmung.

Wenn der „Personale Raum" nicht dem Selbst zur Verfügung steht, wird er schnell von anderen „Introjekten" (psychoanalytische Terminologie) besetzt. (Vgl: Langlotz [2])

Ungesunde Abgrenzung

Im symbiotischen Zustand ist die Abgrenzung häufig zu schwach, oder (seltener) zu stark.

Details siehe unter Abgrenzung.

Abgrenzungsarten

  • Gegen Personen
    • Familie: Vater, Mutter, Geschwister, "früher Zwilling", etc.
    • Täter (eines Übegriffes)
  • Gegen Haustiere (!)
  • Gegen Zweckverbände: Firmen, Organisationen
  • Gegen Ereignisse (Unfall etc.)
  • Gegen Vergangenheit und Zukunft

Symbiose bei Täter und Opfer

Bei Übergriffen identifiziert sich das Opfer häufig mit einem Selbstanteil mit dem Täter, so dass Täter und Selbst an demselben Ort stehen. Erst wenn die Abgrenzung mit dem Täter vollzogen ist (als vollendete Traumaverarbeitung), kann das Selbst in den eignen Raum wieder zurückkommen und Kontakt mit dem Ich aufnehmen.

Die symbiotische Verschmelzung mit dem Täter hat bereits Anna Freud als „Identifikation mit dem Aggressor". Damit verbunden ist offensichtlich eine bleibende (!) Einschränkung der Abgrenzungsfähigkeit, der Fähigkeit, einen eigenen „inneren" Raum zu etablieren und zu schützen. Die Befreiung des INNEREN RAUMES schafft auf elegante und nachhaltige Weise gleichzeitig den SICHEREN RAUM, der in der Traumatherapie für den Klienten so entscheidend ist. (Langlotz 2008: [3])

http://de.wikipedia.org/wiki/Identifikation_mit_dem_Aggressor

Symbiose bei Kinder und Eltern

(1) Amputationswunde der Eltern

Amputationswunde als Leerstelle im Raum der Eltern, deshalb keine Nähe zu den Kindern möglich

  • früh verstorbene Angehörige oder den Partner (Parentisierung)
  • scheinbare Überforderung durch ihre Last, Trauer, Schmerz oder Schuld

(2) Kinder als Prothesen

Kinder haben aber Nähebedürfnis, und setzen sich als passende Prothese symbiotisch auf die Amputationswunden der Eltern um ihnen nahe zu sein. Kinder identifizieren sich mit dem, was die Eltern in ihnen sehen, von ihnen erwarten. („falsches Selbst“, Winnikott, „Persona“ als Teil der „kollektiven Psyche“ bei C.G.Jung) (Vgl: Langlotz 2008: [4]) (Symbiotische Anpassungstendenz)

Eigene Selbstanteile werden abgespalten, z.B. kindliche Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse. (Abspaltung der Selbstanteile -> Selbst-Entfremdung)

Kinder geben damit aus Liebe zur ihren Eltern ihr eigenes Grundbedürfnis nach Autonomie und Freiheit im sozialen Leben auf. Die Abrenzungsfähigkeit geht verloren. (Fremdbestimmung)

Auseinandersetzung, Identitätsfindung und persönliches Wachstum sind blockiert. (Blockierung vitaler Prozesse -> Aggressionshemmung)

(3) Destruktive Aggression

Wenn für das naturgegebene Aggressionspotential kein konstruktiver Ableitungskanal gefunden werden kann, dann gibt es destruktive Ableitungen der Aggressionen.

Kinder können wegen der symbiotischen Verschmelzung mit den Eltern ihr eigenes Autonomiebedürfnis (Kontakt zum eigenen Selbst) nicht sozial leben (keine Abgrenzung zu den Eltern), und es kommt zu Aggression gegen das eigene Selbst oder einzelne Selbstanteile:

  • Selbst: Depression (Verlagerung nach Innen)
  • Körper: körperliche Selbstverletzungen (in unkontrollierten Ausbrüchen)

Metapher: Wenn das Selbst seine Dornen nicht konstruktiv nach Außen wenden kann, wie bei einer Rose, dann wendet es sie destruktiv nach Innen.

In der Symbiose kann sich das naturgegebene Aggressionspotential nicht auf konstruktive Weise, in der Abgrenzung entfalten, es staut sich, bricht unkontrolliert aus oder richtet sich destruktiv nach innen, gegen das eigene Selbst: Depression, Selbstverletzung, Krankheit. (Langlotz 2008) [5]

Das zweite Grundbedürfnis, das nach Autonomie, lässt sich jedoch auf die Dauer nicht unterdrücken. Die abgespaltenen Selbst-Anteile sind nicht einfach weg. Ungezähmt brechen sie ins Bewusstsein, stören die brüchige Harmonie, den „faulen“ Frieden und werden deshalb als zerstörerisch erlebt und noch stärker unterdrückt. Abgrenzung und Aggression richten sich immer mehr gegen eigene Selbst-Anteile. Das führt zu akuten Krisen, zur Zerrissenheit, zu einem Identitäts-Stress, zu psychosomatischen und somatischen Erkrankungen, zu einer spezifischen symbiotischen Verwirrung: Die Betroffenen identifizieren sich mit dem Gegenüber – anstatt mit den eigenen Selbst-Anteilen. Und anstatt vom Gegenüber grenzen sie sich von den eigenen Selbst-Anteilen ab. (Langlotz 2008: [6])

Überabgrenzung als Kompensationsstrategie

Vervollständigt wird dieser Symbiosekomplex noch durch spezifische Kompensations-Strategien: Um Verletzungen und Abhängigkeit zu vermeiden entwickeln manche eine Haltung der Überabgrenzung, der „Pseudo-Autonomie“. Sie lassen sich auf Nähe nicht mehr ein, unterdrücken ihr Mitgefühl, werden bitter, egoistisch, böse. Andere, vitalere Naturen versuchen das Dilemma dadurch zu lösen, dass sie andere manipulieren, von sich abhängig zu machen, um ihre eigene Abhängigkeit nicht zu spüren. Diese Menschen entwickeln Macht, sie finden sich in den „oberen Etagen“ von Wirtschaft und Finanzwelt, suchen nur selten therapeutische Hilfe. Aber wenn der manipulierte Partner sich befreit, merken auch sie, wie abhängig sie eigentlich waren. (Langlotz 2008: [7])

Wut über die verlorene Autonomie

Das "normale" Aggressions-Potential wird jedoch noch vergrössert durch die Wut über die verlorene Autonomie. Die Betroffenen sitzen auf einem Pulverfass! (Langlotz 2008) [8]

Symbiose von Mitarbeiter und Arbeit (Burnout)

Wenn ein Mitarbeiter an der Stelle des Selbst die Arbeit stellt, dann führt das zu eine Überforderungen und häufig auch zum Burnout.

Geschichte der Symbiose

Eine „kollektive Symbiose“, dies „symbiotische“ Selbstverständnis, dass der Clan vor dem einzelnen Mitglied Vorrang hat, war vielleicht für die Familienverbände unter den Extrembedingungen der menschlichen Frühzeit eine Überlebensstrategie. Seit dreitausend Jahren entwickelt sich jedoch etwas Neues: ein vom Clan abgegrenztes Ich-Bewusstsein. Der griechische Held Odysseus ist ein Beispiel für dieses neue Bewusstsein. Vielleicht kann das Auftreten der „kollektiven Symbiose“ in traumatisierten Systemen als eine Art von „Regression“ verstanden werden, als Rückfall in ein entwicklungsgeschichtlich früheres Stadium. (Langlotz 2008: [9])

  • Erich Fromm
  • Margaret Mahler
  • Martin Dornes

(siehe FR-SuA 34ff)

Philosophie der Symbiose

Unterabgrenzung/ Symbiose/ Falscher Ort Gesunde Abgrenzung Überabgrenzung
Keine (eigene) Subjektivität,
  • nur die Subjektivität der Anderen
  • oder die Objektivität aller
Nur eigene Subjektivität
Entfremdung:
  • Rezessiv
  • transportativ: sich auf fremde Schiffe/Ideen begeben

entfremdete Subjektivität

Idealismus, Solipsismus