Ausdruck

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Im Ausdruck sind Inneres und Äußeres, Meinendes und Gemeintes noch nicht voneinander geschieden. Der Ausdruck ist ein "Ursymbol" (Cassirer).

Ausdruck ist ein unmittelbares Sich-Zeigen.

Die Differenz von Innen und Außen, deren die Begriffsbildung bedarf, erfolgt erst im reflexiven Bewußtsein.

Was Ausdruck ist, läßt sich daher nur paradox bezeichnen: Der Ausdruck verweist auf etwas, das er ausdrückt und doch selbst ist.

Der Mensch drückt sich durch sein Gesicht aus, gerade deshalb kann er es als einzigen Körperteil nicht sehen.

Der Mensch drückt nicht etwas aus, sondern geht - da er immer schon Leib ist - in der Lebensbewegung des Ausdrucks aus sich heraus. (Vgl.: B-Ethik 131)

Die Botschaft des Ausdrucks wird auch verstanden, wenn sich im Medium der Mitteilung kein Zeichen abhebt. (S-DzB 20)

Ausdruck als Information des Erlebens oder Gefühlsausdruck

Ausdruck ist unmittelbare körperliche oder stimmliche Information über menschliches Erleben (z.B. Gesichts- oder Stimmausdruck) oder Gefühlsausdruck nicht fühlender Gegenstände wie Musikinstrumente oder Naturstimmungen.

Ruhig Wasser, grause Höhle,
Bergeshöh und erstes Licht,
Seltsam, wie es unsere Seele
Schauderhafte Laute spricht.

(S-DWdeP2 614)

Gefühlsausdruck als Information des Erlebens

...

Gefühlsausdruck nicht fühlender Gegenstände

...

Ausdruck als sich gegenständlich verdichtende impressive Situation

Ausdruck in diesem erweiterten Sinn ist also eine impressive Situation, die nicht ungreifbar bloß "in der Luft liegt", sondern sich hinfällig an einem Gegenstand verdichtet, so dass dieser zur Mitteilung wird; was er mitteilt, ist eine Situation in ihrer binnendiffusen Bedeutsamkeit, meist durchzogen von Gefühlen, die flächenlos ausgebreitete Atmosphären sind und entweder bloß wahrgenommen werden oder in leiblich-affektivem Betroffensein mit der Chance anschließender personaler Stellungnahmen in Preisgabe oder Widerstand ergreifen. (S-DzB 24)

Unmittelbar ist der Ausdruck des Gesichts die Selbstdarbietung einer impressiven Situation, die sich in diesem Gesicht verdichtet und abzeichnet. (S-DzB 25)

Ausdruck als zeichenlose Mitteilung vielsagender Eindrücke

Ausdruck ist zeichenlose Mitteilung vielsagender Eindrücke, d.h. impressiver Situationen, in denen um den Ausdrucksträger herum Mannigfaltiges, wozu meist Gefühle gehören, durch eine binnendiffuse (d.h. nicht aus lauter Einzelnem bestehende) Bedeutsamkeit aus Sachverhalten, Programmen und/oder Problemen, die sich mit einem Schlage präsentieren, zusammengehalten wird. (S-DWdeP2 615)

Der Ausdruck der anderen erzeugt einen eigenen Eindruck

Ausdruck wird in leiblicher Resonanz erfahren.

Doppelaspekt des Ausdrucksvorganges

Ein Ausdrucksvorgang lässt sich in eine

zerlegen. (S-II1 69)

Das Verbindende, das die meist, aber nicht immer bestehende Korrespondenz zwischen beiden Vorgangsreihen begreiflich werden lässt, ist die Übereinstimmung dem relativen Ort nach. (S-II1 68)

Übertragbarkeit in anderes Medium unmöglich

Ein Ausdruck lässt sich nicht von einem Medium in ein anderes übertragen. (Vgl. S-DzB 20)

Widerspruch?: "Jeder Ausdruck von etwas ist dessen Darstellung in einem fremden Medium." (S-II1 69)

Historie

Cassirer: Ausdruck als symbolische Relation

Für jede Metaphysik, die nicht von Anfang an "Ontologie" sein will, sondern die vielmehr das Ausdrucksphänomen in seiner eigentümlichen Struktur belässt und es in dieser Struktur anerkennt, nimmt in der Tat das Problem sofort eine völlig andere Gestalt an. In der modernen Metaphysik ist es Klages gewesen, der diesen Weg zuerst gegangen ist. (C-PhdsF3, 117)

Ausdruck ist eine symbolische Relation. (Cassirer)

Es ist die entscheidende Leistung jeder derartigen [echte Ausdrucks-]Form, dass in ihr die starre Grenze zwischen dem "Innen" und "Außen", dem "Subjektiven" und "Objektiven" nicht als solche bestehenbleibt, sondern dass sie gleichsam flüssig zu werden beginnt. (C-3 117)