Selbst

Aus TopoWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Selbst als Explikat der persönlichen Situation

Das "Selbst" ist ein ressourcenreiches Explikat der persönlichen Situationen.

Die persönliche Situation als Partner.

Ich und Selbst

Selbstanteile.png

Jede Person hat verschiedene Persönlichkeitsanteile. Das Selbst wird vom Ich häufig unterschieden.

Ich Selbst
Aktueller Focus, der Entscheidungen trifft Ist die Anbindung an das Ganze, Kraftquelle. Zentrale unbewußte seelische Instanz.

Siegfried Essen hat die Unterscheidung zwischen Ich und Selbst in Systemaufstellungen erstmals eingeführt. [Siegfried Essen, Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1/2004 (S. 66-77) „Den Platz im Ganzen finden. Spiritualität in der Aufstellungsarbeit"]

Wenn Ich und Selbst sich in Resonanz befinden, dann entsteht in uns ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit, Frieden und Glück. ... Deshalb ist so wichtig, auf die Ebenbürtigkeit von Ich und Selbst zu achten. (SE-SaL 50)

So dienen unsere Gefühle als "Leitsystem" (Hicks 2008, S. 59) der bewussten Ausrichtung auf das Selbst. (SE-SaL 50)

Siehe: Ich und Selbst

Reflexives und präreflexives Selbstwissen

Wie aber lässt sich ein Bewusstsein seiner Selbst konkret denken? Folgende beide Weisen lassen sich unterscheiden:

  • Zum einen diejenige, die auf dem Wege der Selbstreflexion zu einem Begriff seiner selbst gelangt ("reflexives Selbstwissen"), die dann dem tradierten Begriff von Selbstbewusstsein entspricht,
  • und zum anderen ein präreflexives Wissen seiner Selbst.
Während das reflexive Selbstbewusstsein sich etwas zuschreibt, was es für sich selber hält, kommt das präreflexive Wissen seiner Selbst ohne eine solche Zuschreibung aus und erweist sich sogar vorrangig gegenüber dem reflexiven Wissen seiner Selbst. (AB-BuB 241f)

Siehe: Leib als Hinwendung zu sich: Selbstwahrnehmung

Reflexives, Vorreflexives und transzendentales Selbst

Das vorreflexive Selbst ist außersozial im Sinne von "subsozial", das transzendentale Selbst im Sinne von "suprasozial". Aus dem vorreflexiven Selbst stammen jene ganz persönlichen Erinnerungen, Impulse und Intuitionen unserer privaten Welt, die in Konflikt mit den Ansprüchen der bestehenden Gesellschaft geraten und insofern dagegen opponieren können; aus dieser Perspektive wird die Gesellschaft als "unterhalb des Sozialen" kritisiert: im Namen einer individuell-partikularen, gewissermaßen idiosynkratischen Unzufriedenheit und vor dem Bild einer besseren Alternative (G.H. Meads Begriff des "I" im Unterschied zum "Me" enthält noch einen schwachen Abglanz dieser Idee.) Das transzendentale Selbst hingegen steht "über dem Sozialen", sofern es sich vermeintlich außerhalb der Ansprüche einer jeweils bestehenden Gesellschaft stellt; aus seiner Perspektive wird die reale gesellschaftliche Ordnung nicht imNamen des Individuellen oder Partikularen, sondern im Namen des Allgemeinen oder Universalen kritisiert: weil sie transzendentalen Vernunftansprüchen nicht gerecht wird. (Joel Whitebook in: AT-DvS 345)

Einen empirischen Beleg für die Existenz eines vorreflexiven Selbst liefert zunächst ein schlichter entwicklungspychologische Befund: Die "repräsentationale Intelligenz" (Emde, 1983, S. 166), d.h. das Vermögen des Kindes, sich selbst erst in visueller, dann in sprachlicher Hinsicht als Objekt eigener Reflexion zu begreifen, entwickelt sich erst zwischem dem 15. und dem 24. Lebensmonat - aus Sicht der Entwicklungspsychologie ein relativ später Zeitpunkt, bis zu dem sich in der Herausbildung eines vorreflexiven Selbst bereits einiges getan hat. Statt aber das Selbst als eine hierarchisch aufgebaute Struktur zu begreifen, bei der die reflexive Ebene nur als Letzte oben aufsitzt, sehen die Philosophen der Intersubjektivität, weil sie nicht gewohnt sind, in entwicklungspsychologischen Kategorien zu denken, das Selbst nur als fertiges Produkt. Habermas (1987), Davidson (1982) und Marcia Cavell (1993) - die Wittgensteins (sprachphilosophischen) Ansatz grundsätzlich miteinander teilen [...] - neigen dazu, die Ebene der Reflexivität als einzige von Belang zu sehen, und tun deshalb das vorreflexive Selbst als belanglos ab. (Joel Whitebook in: AT-DvS 345)

Siehe: Vorreflexives Selbst als Selbstgewahrsein

Affektives und kognitives Selbst

  • Affektives Selbst: das Selbst vor jeder Identifizierung (einstelliges Selbst)
  • Kognitives Selbst: das sich identifizierende Selbst (zweistelliges Selbst)

Siehe: Selbstbewusstsein

Affektives Selbst als einstelliges Selbst

Dieses einstellige Selbst aber, und das ist das Entscheidende am Ganzen, dieses von Fichte und seinen Nachfolgern großgeschriebene Ich, ist kein Subjekt mehr im Sinne eines Seienden der herkömmlichen Ontologie. Mit anderen Worten: es ist keine "Ich-Sache" mehr, kein res cogitans, in die man Eigenschaften projizieren kann, keine Psyche, die in einem Körper eingeschlossen ist und sich nach Erlösung sehnt, oder, wie Ryle es treffend auf die Sprache unserer Zeit bringt, kein Gespenst in einer Maschine, sondern, dieses einstellige Selbst stellt eben genau und nichts anderes dar als einen Kosmos subjektiver Tatsachen, kreiert aus einem Gemöge leiblicher Dispositionen in Verbindung mit einem Gesinnungsmoment, das bei Schmitz die Rolle der Freiheit vertritt - und das in einem Drama, das nicht enden kann anders als mit einem jüngsten Tag. (Matthias Hartmann: Leib und Gefühl. In: MG-LuG 219)

Kognitives Selbst als zweistelliges Selbst

Siehe: Selbstzuschreibung

Substanz-Selbst, Prozess-Selbst, Kontext-Selbst

Substanz-Selbst (Upanishaden) Prozess-Selbst (Buddha) Kontext-Selbst
einzigartige, einheitliche Substanz, ein Wesen, eine Entität, ein Ding (Gowans 2003, S. 69) Es gibt keine einzigartige, einheitliche Substanz, die "Wesen", "Entität" oder Ding genannt werden könnte (Gowans 2003, S. 71)
Ontologisch unterschieden von anderen Substanzen (Gowans 2003, S. 69) Ist nicht ontologisch unterschieden (Gowans 2003, S. 71)
Kann kausal von anderen Substanzen abhängen, bleibt aber dennoch von anderen Substanzen unterschiedene und unterscheidbare Entität. (Gowans 2003, S. 69)
Etwas, das Identität hat (das bedeutet: in gewisser Hinsicht persistiert es unverändert durch die Zeit seiner Existenz hindurch (Gowans 2003, S. 69) Hat keine Identität (Gowans 2003, S. 71)
Es gibt Eigenschaften, die das Selbst nicht verlieren kann, ohne diese Identität aufzugeben. (Gowans 2003, S. 69)
Identitätskonstituierende Fähigkeiten sind: erfahren, erinnern, vorstellen, fühlen, sehnen, denken, entscheiden, handeln und andere Formen des Handelns und Erleidens. Diese werden vom Substanz-Selbst kontrolliert (Selbst-Kontrolle) (Gowans 2003, S. 70) Ein Prozess ist kein Ding, keine Entität oder Wesen, sondern ein Event, eine Aktivität, ein Werden. Eine spezifische Bewegung in der Welt, verbunden mit anderen Bewegungen und in jeder Hinsicht Veränderungen unterworfen. (Gowans 2003, S. 71)
Hat die Fähigkeit, sich als Substanz-Selbst bewusst zu sein (Selbstbewusstsein) (Gowans 2003, S. 70)

Multiplizität des Selbst

Selbstanteile.png

Die meisten von uns sind sozialisiert worden zu glauben, dass eine Person auch nur eine Psyche hat. Man lehrt uns, obwohl ein Mensch unvereinbare Gedanken und Gefühle hat, würde sie alle aus einer einheitlichen Persönlichkeit stammen. ... Diese Sichtweise der Persönlichkeit als einheitliche führt zu allen möglichen Arten unnötiger Verzweiflung. ... Obwohl wir über psychologische Theorien verfügen, welche den Menschen als komplexes Wesen beschreiben, neigt auch unser Gesundheitssystem in der Praxis dazu, auf dieser monolithischen Grundlage zu operieren. (RS-STiF 28)

Mit einzelnen Persönlichkeitsanteilen zu arbeiten ist weder neu noch ungewöhnlich. (Tatsächlich habe ich kürzlich erfahren, dass Schamanen verschiedener eingeborener Kulturen seit Jahrhunderten ähnlich arbeiten. Siehe Harner, 1990; Ingerman, 1991.) (RS-STiF 14)

Wir können davon ausgehen, dass wir in der Regel fünf bis fünfzehn leicht aktivierbare States besitzen, um unseren Alltag zu bewältigen. (JP-HAT 106)

Tradition

Autor Jahr Methode Selbstanteile
Sigmund Freud 1900 Psychoanalyse Ich, Es, Über-Ich
Roberto Assagioli 1910 Psychosynthese Subpersönlichkeiten
Carl Gustav Jung 1935 Jungianische Psychotherapie Archetypen, Komplexe
Eric Berne 1960 Transaktionsanalyse Kind-, Erwachsenen-, Eltern-Ich
Fritz Perls 1970 Gestalttherapie top dog, under dog
Virginia Satir 1970 Wachstumsorientierte Familientherapie Teile, Gesichter, Theater des Inneren
F. Schulz von Thun 1970 Kommunikationstheorie Innere Mannschaft, "inneres Team"
John und Helen Watkins 1980 Ego-State-Therapie beliebige Ego-States
Richard C. Schwartz 1995 Internal Family System Therapy (IFS) Innere Familie, z.B. Manager, Verbannte, Feuerbekämpfer
Gunther Schmidt 2000 Hypno-systemische Therapie Konferenz der inneren Familie, inneres Parlament, Seitenmodell
Siegfried Essen 2004 Autopoietische Aufstellungen Selbst und Ich (als Focus)
Jochen Peichl 2010 Hypno-analytische Teiletherapie Beliebige Ego-States
Robert E. Langlotz 2010 Systemische Selbst-Integration Erwachsenes Selbst, kindliches Selbst, Körperselbst

Vielfache Seelen im Schamanismus

Die meisten Schamanen in Sibirien oder der Mongolei glauben, dass wir Menschen nicht nur eine Seele besitzen, sondern mindestens drei, vier oder fünf, wobei die genaue Anzahl in den verschiedenen Traditionen variiert. (DvK-HKVA 93)

Zusammengenommen verkörpern die vielfachen Seelen alle menschliche Qualitäten und Eigenschaften von sowohl praktischer als auch spiritueller Art, entweder in manifestierter Form oder als potenzielle Möglichkeit. Die traditionellen Schamanen verwenden dieses Modell der vielfachen Seele, um Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln. Im Falle einer Krankheit wird jede Seele einzeln untersucht, da eine Krankheit nur durch eine der Seelen verursacht werden kann. Hierbei prüft man, ob alle Seelen in einem guten Gesundheitszustand oder geschwächt sind oder verunreinigt mit fremden Energien. Außerdem wird geschaut, ob eine der Seelen sich möglicherweise zu weit entfernt und verirrt hat. (DvK-HKVA 94)

Siehe: Vielfache Seelen im Schamanismus

Japanische Philosophie

Wer ich selbst bin und wer der jeweils andere ist, bestimmt sich in der japanischen Sprache und der Erfahrungs- und Denkweise der Japaner aus der zwischenmenschlichen Beziehung zwischen mir und dem anderen. (Kimura Bin: Zwischen Mensch und Mensch, S. 103. Zit.n.: RE-SuS 225)

Es zeigt sich eine erstaunliche Kontinuität gerade in der Interpretation des Ich, die nicht davon ausgeht von einem Subjekt, das der Prädikation als festes und in sich identisches Wesen vorausgehen würde. Das Ich ist vielmehr eine Konstellation, die immer wieder neue Formen annehmen kann. Vor dem Hintergrund dieses Gedankens läge sogar nahe, nicht nur von einem Ich zu sprechen, sondern von verschiedenen Ichen - eine Pluralform, die in der deutschen Sprache eher ungewöhnlich ist. (RE-SuS 223)

Siehe: Personale Topologie: Ich als Raum, nicht als Punkt.

Friedrich Nietzsche

... das Ich ist nicht die Stellung Eines Wesens zu mehreren (Triebe, Gedanken usw.) sondern das ego ist eine Mehrheit von personenartigen Kräften, von denen bald diese, bald jene im Vordergrund steht als ego und nach den anderen, wie ein Subjekt nach einer einflussreichen und bestimmenden Außenwelt, hinsieht. (Nietzsche: KSA IX S. 211 Z. 21 - S. 212 Z. 10. Zit. n.: S-SaP 336)

Im Menschen hausen viele Geister wie Tiere des Meeres - die kämpfen mit einandern um den Geist 'Ich': sie lieben es, sie wollen dass es sich ihnen auf den Rücken setze, sie hassen sich einander um dieser Liebe willen. (Nietzsche: KSA X S. 169 Z. 7 - 10. Zit. n.: S-SaP 337)

Die Annahme Eines Subjekts ist vielleicht nicht nothwendig; vielleicht ist es ebensogut erlaubt, eine Vielheit von Subjekten anzunehmen, deren Zusammenspiel und Kampf unserem Denken und überhaupt unserem Bewußtsein zu Grunde liegt? (Friedrich Nietzsche, Nachlaß 1885, in: Kritische Studienausgabe, Bd. 11, 650. Zit. n.: RE-SuS 226)

Genau besehen hat Nietzsche das Subjekt auf diese Weise nicht abgeschafft, sondern in einen Haufen von Teufelchen aufgelöst, die sich um das Ich wie die Kinder balgen und dabei komplizierter Gemütsregungen fähig sind. (S-SaP 337)

Carl Gustav Jung

Es gibt Dinge in der Psyche, die nicht ich produziere, sondern die sich selbst produzieren und die ihr eigenes Leben haben, sie haben immer ein gewisses Maß an Autonomie, eine separate, eigenständige Identität. Es ist zutiefst unbequem, sich mit ihrer Autonomie abzufinden. (Carl Gustav Jung. In: Erinnerungen, Träume, Gedanken, S. 181 (engl. Fassung), zit. n.: RS-IFS 73)

Rainer Maria Rilke

Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grund das Hilflose, das von uns Hilfe will. (Rainer Maria Rilke, in: RS-IFS 21)

Und wenn ich abends immer weiterginge
aus meinem Garten, drin ich müde bin, -
ich weiß: dann führen alle Wege hin

zum Arsenal der ungelebten Dinge.
(Rilke)

Roberto Assagioli: Psychosynthese

Der italienische Psychiater Roberto Assagioli (1973, 1965/1975) wird von manchen als der erste westliche Denker angesehen, der die Multiplizität der Psyche entdeckte. Als ursprünglicher Verfechter der Psychoanalyse Freuds begann er zu Anfang unseres Jahrhunderts damit, über Teilpersönlichkeiten zu schreiben, und seine Ideen entwickelten sich zu einer weit verbreiteten Richtung der Psychotherapie (obwohl sie nie Teil des Mainstream wurde) namens Psychosynthese. (RS-STiF 17)

Gedächtnisforschung: Episodengedächtnis

Wenn die Episode einigermaßen emotional geladen ist, wird sie als eigenes Erlebnisnetzwerk aufgebaut. Jedes episodische Erlebnisnetzwerk ist ein Selbstanteil von mir.

Gunther Schmidt: Multiples Ichkonzept

Media: Gunther Schmidt über das multiple Ich-Konzept

Hermann Schmitz

Die Person kann sich zugleich auf mehreren Niveaus [personaler Emanzipation] in verschiedener Höhe befinden, z.B. auf sich in ihren Schwächen herabsehen, sich wegen zu leichter Beschämbarkeit belächeln, sich als ängstliche Person Mut zusprechen, sich in zorniger Erregung zur Besinnung rufen. (S-Selbst sein, 163f)

.. vielmehr konkurrieren zwei Absichten auf zwei Niveaus der Person, und die Zuwendung des vitalen Antriebs entscheidet klar zwischen ihnen. (S-Selbst sein, 164)

Dimension 1: Oberfläche - Tiefe

Oberflächen-States:

  • Die Funktionsträger der täglichen Lebensbewältigung
  • Sind uns zumeist bewusst
  • Gute Kommunikation zwischen ihnen, d.h. große Ko-Bewusstheit
  • Relativ konfliktfrei
  • Kognitive Teile und emotionale Teile bilden eine Wahrnehmungseinheit

Tiefen-States:

  • Mehr oder weniger weit von der Bewusstseinsoberfläche entfernt, d.h. unterschiedlich leicht zu aktivieren
  • Sind unbewusst
  • Tragen wichtige Kindheitserinnerungen
  • Lassen sich meist durch Hypnose an die Oberfläche bringen
  • Ungelöste Traumaerfahrungen werden in der Regel hier abgelegt. (JP-HAT 106)

Dimension 2: Biographisch - Funktional

  • Funktionale Rolle, z.B. in der modernen Arbeitswelt
  • Biographische Anteile: Kleinkind, Jugendlicher etc.

Personale Selbstanteile

Das Selbst ist wesentliches Element der menschlichen Person, dazu gehören:

  • Focus (Ich)
  • Erwachsenes Selbst
  • Kindliches Selbst
  • Körper
  • Grenze des eigenen personalen Raumes

Diese Elemente lassen sich in Aufstellungen, insbesondere der systemischen Selbstintegration (nach Langlotz) entsprechend mit Stellvertretern aufstellen.

Autor Selbstanteile
Richard C. Schwartz
  • Manager
  • Verbannte
  • Feuerbekämpfer
Robert E. Langlotz
  • Ich als Focus
  • Erwachsenes Selbst
  • Kindliches Selbst
Jochen Peichl

Mit zunehmender Instabilität der Selbst/Objektgrenze:

  • Über-Ich
  • Innerer Kritiker
  • Innerer Verfolger
  • Innerer Zerstörer

Innerer Beobachter

Siehe: Beobachter

  • Selbst (Schwartz)
  • Dirigent (Assagioli)
  • Pilot (Pesso)
  • Innerer Beobachter (Kurtz)
  • Hidden Oberserver (Hilgard)

Entscheider: Steuerungs-Ich

  • Steuerungs-Ich (Gunther Schmidt)
  • Erwachsenen-Ich, Alltags-Ich (hypno-analytische Teiletherapie)

Leidende Seite

Die Seite, die unter einem Symptom leidet, und kritisch gegenüber einem vorschnell lösungsfocussiertem Arbeiten ist.

Biographische Anteile

Erwachsenes Selbst

eine eigene Wahrnehmung, Impulse von Neugier, Aggression, Kreativität, Lebendigkeit

Das "Selbst" kann den Prozess der Abgrenzung wie ein Katalysator beschleunigen. Meist ist das „Selbst“ dem Klienten in einer bedingungslosen Liebe zugewandt, dadurch öffnet sich – ohne Absicht – eine spirituelle Dimension. (Langlotz 2008 [1])

"das ist der Teil von mir, der nicht brav, sondern wild, aggressiv, lebendig, kreativ und unbequem ist!" (Langlotz 2008 [2])

Der fehlende Kontakt zum eigenen Selbst ist häufiges Muster der Symbiose.

Jugendliches Selbst

Während die Arbeit mit dem sogenannten "inneren Kind" eine feste Größe in den meisten therapeutischen Verfahren ist, ist vom "inneren Jugendlichen" wenig die Rede. Dabei ist gerade dieses Alter so wichtig, um sich selbst zu finden, eine Autonomie bezüglich seiner geliebten Bezugspersonen zu gewinnen und sich aus symbiotischen Beziehungen zu verabschieden! So manchem Menschen habe ich deshalb in meinen Kursen gesagt: "Wenn ich ein Arzt wäre, würde ich Ihnen jetzt ein Rezept schreiben: zweimal täglich eine Dosis Egoismus." (PB-HieR 79)

Kindliches Selbst

  • a) Die Trance des Nicht-in-Besitz-Nehmens,
  • b) Die Trance des Verschwindens
  • c) Die Ich-bin-nicht-mein-Körper-Trance
  • d) Die Trance der Verschmelzung (SW-DSIK 81)

Siehe: Kritisierter, reaktiver Teil

Selbstanteile aus Identifikation

  • Mit zunehmender Anteil an traumatischer Gewalt
  • mit abnehmenden Anteil an stabiler Selbst/Objektgrenze

Traumagrenze.png

Über-Ich Innerer Kritiker Innerer Verfolger Innerer Zerstörer
Inhalte der Introjektion Introjektion von Traditionen, Ansichten, Wertvorstellungen und Glaubenssystemen Introjektion von Ansichten usw. Introjektion von Wertvorstellungen Introjektion des Täters
Assimilationsgrad voll assimiliert nur teilweise assimiliert nicht assimiliert nicht assimiliert, Identifikation mit dem Aggressor
Introjektionstyp Introjektion maligne Introjektion malgine bis traumatische Introjektion traumatische Introjektion
Programmart Abwehrmechanismus Abwehrmechanismus Notfallprogramm Notfallprogramm

Quelle: [JP-IKVZ 58]

Kritikerintrojekt

Die meisten Therapieformen, die ich in den letzten 35 Jahren kennen gelernt habe, behandeln den Inneren Kritiker wie eine Stimme im Inneren, die man beseitigen oder niederringen sollte, um wieder frei durchatmen zu können. Dieser Kritiker und Verfolger macht mit seiner Barschheit, seinen abfälligen Entwertungen und seinem Spott aus dem inneren Erlebnisraum einen Ort der Unsicherheit, wo man positive Veränderung und Heilung sich erst mal nur schwerlich für den Patienten vorstellen kann. Erfrischend neu und ganz anders der Ansatz in der Hypnotherapie, der systemischen Therapie und dem Fokusing, alle Teile im Innenraum sind enstanden, um zu helfen, und sie tun ihr Bestes, um das System zu erhalten ... so auch der Innere Kritiker, Verfolger und Täter. (JP-IKVZ 61f)

Wenn keine Chance besteht, den Grenzüberschreiter zu meiden, ums ich vor weiterem Leid zu schützen, erfolgt die Introjektion des "Täters" in den psychischen Innenraum, d.h., ein Selbst-Anteil des Kindes wird gemäß den ich-fremden Denk- und Handlungsprogrammen des äußeren Peinigers ausgestaltet - ein Introjekt ist entstanden. Damit ist die äußere Beziehung nun vollständig nach innen genommen, ... (JP-IKVZ 75)

Innerer Antreiber
  • ...
Innerer Kritiker

Der Innere Kritiker will uns, hochemotional ausgedrückt, dazu veranlassen, dass das, was er prophezeit, auf keinen Fall eintreten darf:

  • "Du machst immer alles falsch und machst dich zum Gespött."
Er scheint uns vor allem vor Beziehungsverlust, Scham, Schuld und Schmerz schützen zu wollen. (JP-IKVZ 65)

[D]er Innere Kritiker ist mit seiner Botschaft die optimale Anpassung an eine Stresssituation, einen drohenden Liebesverlust, eine Beschämungsangst oder ein traumatisches Ausgeliefert-Sein im Dort und Damals ... aber nicht im Heute.

Wir müssen lernen, unter dem "Schreckensszenario", der "worst-case-Beschwörung" das zu entdecken, was Gunther Schmid einmal das Sehnsuchtsziel bezeichnet hat. (JP-IKVZ 66)

Steigerungsformen: Innerer Verfolger, Innerer Zerstörer

Innerer Verfolger

Der Innere Verfolger war in der Zeit der Traumatisierung und danach ein Wächter zur Vermeidung von Re-Traumatisierung. Ab der Pubertät wird aus dem Wächter ein aktiver Verfolger. (JP-IKVZ 71)

Die Mannschaft der Inneren-Verfolger-Teile wird nie aufhören zu verfolgen, wenn der Teil, auf den sich die Verfolgung bezieht (das verletzte Innere Kind), nicht vom Erwachsenen-Selbst beschützt wird und der Erwachsene Verantwortung für sein Leben übernimmt. Die Voraussetzung dafür ist: Der Erwachsene darf sich nicht ständig mit dem Inneren Kind verwechseln und seine erwachsenen, steuernden Funktionen aufgeben. Neurobiologisch heißt das: Mehr Kontrolle des Orbito-Frontalen Kortex (OFC) über das Limbische System (...). (JP-IKVz 72)

Innerer Zerstörer

...

Kritisierter, reaktiver Teil

Häufig identisch mit dem biographischen kindlichen Anteil: Kindlicher Selbstanteil

Dieser Teil, der kritisiert wird, fühlt sich beschämt, verärgert, schuldig, wütend, rebellisch oder peinlich berührt. Diesen Teil nenne ich nach dem Vorschlag von Shirley Schmidt den reaktiven Teil oder die reaktiven Teile.

Dieser reaktive Teil ist zur gleichen Zeit entstanden wie der Kritiker oder Verfolger und steht für den kindlichen Ego-State (Ich-Zustand) in uns, der sich durch drohenden oder realen Liebesverlust, massive Loyalitätskonflikte oder Traumatisierung verängstigt und hilflos fühlte. (JP-IKVZ 68)

Nach meiner Erfahrung finden sich oft bei Patienten mit Traumaerfahrung drei kindliche Ego-States, die sich ganz unterschiedlich auf die innere Bedrohung durch den Kritiker/Verfolger/Täterintrojekt positionieren. (JP-IKVZ 72)

All diese verschiedenen reaktiven Formen müssen - wie die Introjekte - im Therapieprozess angesprochen, ihre Not erkannt und ihre Aufgabe für das Gesamtsystem gewürdigt werden. Introjekte und reaktive Teile repräsentieren den ehemals äußeren Konflikt zwischen Objekt und Selbst im Innenraum: der äußere Konflikt, die Gewaltbeziehung des Traumas sind durch Verinnerlichung nach innen genommen worden und entfalten hier ihre destruktive Kraft. Der damit einhergehende Überlebensvorteil, der Außenraum, ist von Bedrohung ein Stück befreit, neue überlebenswichtige Bindungen - auch zum Täter oder täterloyalen Objekten - sind wieder möglich. Der Versuch, diese nach innen genommene Erfahrung zu dissoziieren, ist ein weiterer Überlebensmechanismus: Neutralisierung des Leides und Terrors durch Abkapselung. (JP-IKVZ 73)

Der sich unterwerfende Teil

Je schwerer die Traumatisierung, umso ausgeprägter findet man einen reaktiven Teil, der aus dem Reaktionssystem "Unterwerfung" (submit) hervorgegangen ist. Dieser Teil stimmt dem Dementor völlig zu und sagt über sich:

  • "Ja, ich bin schlecht und verdiene Strafe"
  • oder: "Es ist alles meine Schuld - ich habe es so gewollt."
Wenn die erwachsene Person voll mit dieser Haltung der Schuldübernahme und Beschämung identifiziert ist, ist es schwer, diesen Teil zu entdecken. Deshalb ist zuerst "Dis-Identifikation" nötig, um dem Erwachsenen aus der Beobachterposition einen Blick auf seine Innenteile zu ermöglichen. Das Hauptthema des sich unterwerfenden Teils sind Schuld, Scham und Verzweiflung. (JP-IKVZ 73)

Traumatisierter kindlicher Selbstanteil braucht den [[Selbst#Innerer Kritiker|Inneren Kritiker||:

Weil sie [die Patientin] einen kindlichen Teil in sich hat, der so massive Angst vor Liebes- und Bindungsverlust, Beschämung, erneutem Missbrauch usw. hat, braucht sie einen lautstarken Inneren Kritiker, um das zu vermeiden, was sie fürchtet. Wenn ich das Sehnsuchtszeil, die Sehnsuchtsphanatsie mit eigener Kraft immer noch nicht allein erreichen kann, dann brauche ich die kritischen Stimmen, damit ich das Zeil nicht aus den Augen verliere. (JP-IKVZ 68)

Der wütende Teil

Dieser Teil rebelliert offen oder versteckt gegen die Forderungen des Inneren Kritikers oder Verfolgers.

  • "Nein, das werde ich nie tun ... du kannst mich nicht zwingen"
können ein Satz des wütenden Teiles sein. Häufig sind diese Teile nicht kindlich, sondern verhalten sich eher pubertär und haben eine Wucht, wie wir sie aus den Kämpfen um Autonomie bei Patienten mit Borderline-Störung in der Adoleszenz kennen." (JP-IKVZ 73)

Der flüchtende Teil

Gemäß der Überzeugung, Flucht ist besser als Kampf, zeigt dieser reaktive Typ ein ausgeprägtes Flucht- und Vermeidungsverhalten. Ist das Erwachsenen-Ich mit dieser Vermeidungsstrategie identifiziert, dann entzieht es sich dem Druck der inneren Introjekte durch Flucht in Alkohol, Drogen, Essen, Computersucht oder einer äußeren Fassade von unberührter Naivität und Inkompetenz. (JP-IKVZ 73)

Innere Protektoren

Der Innerer Fürsprecher

Das ist ein Teil, der gegen den Inneren Kritiker versucht, Gegenargumente zu finden

  • "So schlimm ist es doch auch nicht ..."
  • "jeder braucht eine Chance ..."
  • "es wird schon klappen" usw.
Seine Chancen, gegen den Inneren Kritiker zu gewinnen, sind eher niedrig anzusetzen ... sonst gäbe es das Problem nicht. (JP-IKVZ 75f)

Der Innere Rebell

Wenn der Dementor zu stark und zu ausdauernd drängt, kann das Ganze plötzlich in Trotz und Verweigerung umschlagen, auch wenn das manchmal selbstdestruktive Züge annimmt.

  • "Jetzt habe ich überhaupt keine Lust mehr ..."
  • "die können mich alle mal!"
Diese letzte Bastion der Autonomie ist verständlich, führt aber in eine Art Bürgerkrieg mit dem Inneren Kritiker oder Verfolger. (JP-IKVZ 76)

Der Stolz

Die Anwürfe werden gemildert, indem ein Teil ständig auf die Erfolge, das Können und die Bewunderung durch andere hinweist. Das wirkt manchmal ziemlich übertrieben, und solche Menschen erscheinen uns, als hätten sie wenig realistische Selbsteinschätzung - dabei sind sie nur verzweifelt bemüht, gegen die gnadenlose innere Stimme des Gewissens etwas halbwegs Gutes zu setzen. (JP-IKVZ 76)

Der Ankläger

Er ist in seinen Dingen rigoros und extrapunitiv: Nicht ich bin schuld, sondern immer die anderen; dass die Forderungen des Introjekts nicht erfüllt werden, liegt nicht an dem Inhalt der Forderung und auch nicht an der Person an sich, sondern am Umfeld, der Welt als solcher und dem Wetter im Besonderen.

  • "Dass ich die Arbeit nicht perfekt abliefern konnte, hat nicht an mir gelegen, sondern an dem Professor, der eine so schlechte Vorlesung machte - weil er nie Zeit hat und ständig in der Weltgeschichte herumfahren muss ..." (JP-IKVZ 76)

Manager, Verbannter, Feuerbekämpfer

Manager Verbannter Feuerbekämpfer
Dominanz des Anteils führt zu
  • schales Leben
  • nur auf Systemsicherheit ausgerichtet
  • akute und regridierte Zustände von Angst, Trauer und Scham
  • ständige Unruhe
  • von einer Ablenkung zur Anderen
  • Angst, dass die Verbannten die Oberhand gewinnen

Körperliche Leib als Selbstanteil

Siehe: Leib

Grenze des eigenen Raumes

Die Grenze muss verteidigt werden: Grenzritual

Beziehungen zwischen Selbstanteilen

Siegfried Essen: "Das Selbst sorgt für das Ich. Und das Ich sorgt für das innere Kind"

Schutz

...

Polarisierung

Wenn ein Teil sich zu einer extremen Rolle hin verlagert und die Verteilung von Ressourcen, Einfluss und Verantwortlichkeiten aus dem Gleichgewicht bringt, wird ein anderer Teil eine gegensätzliche oder konkurrierende Rolle übernehmen. Weil diese Polarisierungen dazu neigen, sich selbst zu bestätigen, werden sie in Abwesenheit wirklicher Führung wahrscheinlich eskalieren. Das heißt, die negativen Annahmen eines jeden Teils über den anderen werden ständig bestätigt, während jeder Teil extrem wird und dem anderen entgegenzuwirken oder ihn zu besiegen versucht. (Richard Schwartz 1997, S. 96. Zit.n.: JP-IKVZ 63)

Identifizierung

Als Introjektion oder Projektion.

Transpersonaler Selbstanteil

Self1.png

Das Selbst als Verbundenheit in Unterscheidung zum Ich als Getrenntheit. Siehe: Ich und Selbst von Siegfried Essen.

Die Verbundenheit

  • mit der Erde durch das eigene Gewicht
  • mit der Luft durch das Ein- und Ausatmen

Nach ich über einem Jahrzehnt mit Hunderten von Klienten gearbeitet haben, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass jeder ein Selbst besitzt, gleich wie schwerwiegend seine Symptome oder wie polarisiert sein inneres System auch sein mag. Das Selbst verfügt über die Klarheit der Perspektive und andere Eigenschaften, die zu einer effektiven Führung notwendig sind. Wenn das Selbst völlig abgegrenzt ist – beispielsweise durch eine Imaginationsübung, in welcher der Klient gebeten wird, auf einen Berg zu klettern und seine Teile unten im Tal zu lassen -, erleben die Menschen im Allgemeinen einen ähnlichen Zustand. Sie beschreiben, sich „zentriert“ zu fühlen, ein Zustand von ruhigem Wohlsein und Unbeschwertheit. Sie fühlen sich selbstbewusst, frei und offenherzig. Sie beschreiben, „in der Gegenwart zu sein“ (d.h. nur zu empfinden, ohne zu denken). Sie verlieren das Gefühl des Getrenntseins und empfinden eine erhellende Verbindung oder Verschmelzung mit dem Universum. Dieser Zustand ähnelt dem, wie Menschen eine Meditation beschreiben. (RS-STiF 65)

Grenzenlosigkeit

Menschen berichten, dass sie sich fühlen, als ob sie keine Grenzen haben, eins mit dem Universum sind und ihre Identität als ein eigenständiges Wesen Sein verlieren. (RS-IFS 41)

Traditionen

Hinduismus

Scheinbares existentielles Paradox:

  • Atman als individuelle Seele (das Selbst, die ewige, unzerstörbare, innere Gestalt jedes Wesens)
  • Atman als Brahman (der Allseele)

Buddhismus

Ziel der buddhistischen Praxis ist auf dieser Grundlage die „Selbst-Wesens-Schau“ (Kenshō, jap. 見性; Erschauen des eigenen Wesens, Natur erkennen). Die Selbst-Wesens-Schau ist eine geistige Erfahrung in der buddhistischen Tradition des Zen. Der Begriff bezeichnet ein initiales Erweckungserlebnis, bei dem der Erweckte seine eigene wahre oder Buddhanatur erkennt, die es ihm ermöglicht, fortan im täglichen Leben am Verständnis dieser Erkenntnis zu arbeiten. (Wikipedia)

... it can be traced back to the traditional concept of Zen Buddhism as koji-kyûmei, "investigation of self". (SO-TSS 453)

Dogen: Selbst = "dein ursprüngliches Gesicht, das du hattest, bevor deine Eltern geboren wurden" [TI-PZB 89]

  • 己事究明 (こじきゅうめい) koji-kyûmei: Ergründung des Selbst, Erforschung des eigenen Wesens, "inquiry into the self", "investigation of self", "The investigation and clarification of the self."
  • 見性成仏 (けんしょう・じょうぶつ) kenshō·jōbutsu = Erleuchtung durch das Erkennen des eigenen Ichs.

禅の目指すところは「己事究明」による「見性成仏」である。 Das Ziel von Zen ist die Erleuchtung durch das Erkennen des eigenen Ichs durch die Ergründung des Selbst.

Siehe: Nishida

C.G. Jung

C. G. Jung verstand das SELBST als einen göttlichen, als einen transzendentalen Aspekt.

Übersicht

Schule Transpersonaler Selbstbegriff
Quäker Inneres Licht
Buddhismus rigpa, Buddha-Natur
Hinduismus Atman, Selbst
Meister Eckhart Samen Gottes
Sufismus Geliebter, innerer Gott

Siehe: Unterscheidung von Ich und Selbst bei Siegfried Essen

Ersatzselbst

Wenn es keinen Kontakt mit den eigenen Selbstanteilen gibt, dann kann die Ursache der Einschluss eines Selbstersatzes sein.

Als therapeutische Intervention bei symbiotischem Einschluss eines Ersatzselbstes bietet sich die Aufstellung, insbesondere die sogenannte Selbstintegration an.

Zum Beispiel werden Ihnen mit der Zeit durch das Üben Ihre typischen und bisher unbewussten inneren Verschleierungen und anderen Abwehrmechanismen bewusst werden, sodass Sie mir der Technik der Externalisierung und Personalisierung aus ihrem Inneren lösen können. Geben Sie ihnen den angemessenen Platz in der Vergangenheit und bei den Personen und Personengruppen, von denen Sie sie übernommen haben, außerhalb Ihrer Identität, dort wo sie hingehören. (SE-SaL 50f)

Umgang den Selbstanteilen

Quelle: JP-IKVZ 142

  • Methoden der Umfokussierungen hin zu Ressourcen
  • Methoden, die in dem Kritiker, Verfolger, Täterintrojekt die originale Stimme und Beurteilung des Täters sehen - ich nenne das im weiteren den Objektanteil der Introjektbildung
  • Methoden, die in dem Kritiker, Verfolger, Täterintrojekt die Stimme und Beurteilung eines Selbst-Anteils des Opfers sehen - das heißt im weiteren der Selbst-Anteil der Introjektbildung - die Frage nach der guten Absicht
  • Die therapeutische Arbeit mit dem Adressaten der Botschaft
  • Kontrollierte Externalisierung
  • Die radikale Akzeptanz nach dem Modell von Ann Weiser Cornell und Marsha Linehan (JP-IKVZ 140f)

Mögliche Stufen im Umgang mit den Selbstanteilen (nach K. Fritzsche)

  1. Kontakt: Kann man nicht voraussetzen (mögliche Stimmen: "Ihm nicht vertrauen etc. ...")
  2. Kommunikation: Eine Möglichkeit zu finden, in Interaktion zu treten.
  3. Akzeptanz & Annahme: verständnisvolle Annahme
  4. Verstehen wofür, der Anteil wichtig ist: Welche Bedürfnisse hat der Anteil?
  5. Unterstützung: Wie kann ich das Bedürfnis erfüllen?
  6. Nutzung: Innere Diplomatie
  7. Aufbau eines inneren Teams

Sich selbst spüren

In der heutigen Zeit können wir uns aufgrund zahlreicher Aufmerksamkeitsfallen oder Virtualisierungen der Erfahrungen immer weniger selbst spüren.

Siehe: Selbstwahrnehmung

Leiblich/Körperlich

Die Dominanz der Bilderwelt lässt uns unseren eigenen Körper und Leib gar nicht mehr spüren. Ursachen für die Dominanz der Bilderwelt:

  • Massenmedien + Werbung
  • Digitalisierung der Erlebnisse (Computerspiele, Internet)

Hilfen, um den eigenen Körper und Leib besser spüren zu lernen:

Siehe: Leib als Hinwendung zu sich: Selbstwahrnehmung

Personales Selbst

Somit kann Würde grundgelegt werden als Weise unangetasteten Bei-sich-Seins. (AB-BuB 239)

Aufgrund von Verlust- oder Gewalterfahrungen oder Überforderungen entstehen viele unerkannte und unbewusste Symbiosen.

Mögliche Hilfen:

Vertikale Information

Sich selbst zu spüren, ist ein Spürbewusstsein des eigenen Leibes, und damit eine vertikale oder topische Information.

Selbstliebe

Was ist Selbstliebe? Es ist eine bestimmte Art und Weise, wie ich mich auf mich beziehe. Man könnte sagen, es ist eine liebevolle Art der Selbst-Bezüglichkeit, eine freie und positive Art, sich selbst zu sehen, zu fühlen, zu beschreiben und über sich selbst zu denken. Dazu gehört nicht nur

  • das Gefühl von Liebe, sondern auch
  • ein positives Selbstbewusstsein, d.h. von sich selbst begeistert sein,
  • Selbstachtung, d.h. Selbstwahrnehmung ohne Scham und Schuld
  • unbedingtes Selbstvertrauen
  • Selbstmächtigkeit als ein gekonnter Umgang mit sich selbst und
  • Selbstverwirklichung als (Lebens-)Kunst. (SE-SaL 33f, siehe auch: Wilhelm Schmid: "Mit sich selbst befreundet sein")

Durch Explikation von innerer, verschmischter, dunkler und angstbesetzter Inhalte öffnen wir unser persönliche Wirklichkeit, bringen sie ans Licht. So kann Vertrautheit entstehen. "Ein erster Schritt in Richtung Selbstannahme und Selbstliebe ist getan." (SE-SaL 47)

Selbstbewusstsein

Wie aber ist Selbstbewußtseyn möglich? Dadurch daß ich mich mir selbst entgegensetze, mich von mir selbst trennen, aber ungeachtet dieser Trennung mich im entgegengesetzten als dasselbe erkenne. (Friedrich Hölderlin: Urteil und Seyn (1794/95). Sämtliche Werke, Bd. IV (1961), 216f. Kohlhammer Stuttgart. Zit.n.: F-LRP 296)

Selbsterkenntnis

Gnothi seauton (griechisch Γνῶθι σεαυτόν Gnōthi seautón, auch Γνῶθι σαυτόν Gnōthi sautón, „Erkenne dich selbst!“)

Am Tempel das Apollon in Delphi standen die beiden berühmten Inschriften: "Erkenne dich selbst! Sei besonnen!" Die zweite erläuterte die erste: Der Gott fordert die Menschen auf, sich nicht zu überheben, sondern das richtige Maß für die Selbstschätzung zu finden in Anbetracht alles dessen, was um sie ist. (S-WNP 260f)

  • Japanische Entsprechung zu "Erkenne dich selbst": koji-kyûmei: "investigation of self": Siehe Buddhismus

Wenn du weißt, wer du bist, weißt du, wer Buddha ist. Wenn du weißt, wer Buddha ist, weißt du, wer du bist. Findest du dich selbst, findest du den Buddha. Findest du den Buddha, findest du dich selbst. (TNH-ADB 98)

Ignoranz des Selbst

Lange haben wir jene "Psychologien ohne Seele", in denen Kategorien wie "Ich" oder "Selbst" als lächerliche metaphysische Rudimente verhöhnt wurden, unsererseits als Verfälschungen des Menschen verhöhnt. Aber hatten wir damit Recht? War unser Hohn nicht reine Sentimentalität? Waren es denn diese Psychologen, die den Menschen verfälscht hatten? (GA-DAdM 128)

Selbst-Begriffe

  • Selbstbemächtigung
  • Selbstbesinnung
    • HS-I 25f: "Der platonische Sokrates will sich sogar ausschließlich mit Selbstbesinnung als einziger dringender Aufgabe beschäftigen."
    • (GL-RB 36)
  • Selbstbewirkung: Eine Tatsache kann durch sich selbst bewirkt werden. (Vgl.: S-DuG 378)
  • Selbstbewusstsein
  • Selbstermächtigung
  • Selbsterkenntnis
  • Selbsterziehung
  • Selbstgewahrsein
  • Selbstgegenwart (S-SdG 176)
  • Selbstintegration
  • Selbstkultivierung (xiû-shên, shuushin 修身: Ethik, Moral) (GL-RB 37)
  • Selbstschonung
  • Selbstsuche
  • Selbstverfeinerung
  • Selbstverhältnis
  • Selbstverortung
  • Selbstvollzug
  • Selbstwirksamkeit
  • 自由 (jap. jiyuu = Freiheit), sich auf sich selbst verlassen
  • 自在 (jap. jizai) aus sich selbst heraus sein
  • 己事究明 (こじきゅうめい) koji-kyûmei: Ergründung des Selbst
  • 見性成仏 (けんしょう・じょうぶつ) kenshô jôbutsu: Erleuchtung durch das Erkennen des eigenen Ichs.

Selbst und Grenze

Selbst im Unterschied zur Grenze

Selbst Grenze Quelle
ki Ernähr-Ki (営気) Abwehr-Ki (衛気) Chinesische Medizin
Persönliche Situation Partner Hülle Hermann Schmitz: Neue Phänomenologie
Geister der Schamanen Hilfsgeister (Pflanzen), Pflanzenhelfer, Kraftlied Schutzgeister (Tiere), Schutzgeistkraft entfernt Eindringlinge Michael Harner: der Weg des Schamanen 2003

Selbst als Grenzfunktion

In den klassischen Upanishaden der Inder heißt der atman, das eigentliche Selbst in uns, "der Damm, der diese Welten auseinanderhält, dass sie nicht (ineinander) verfließen". (S-I 432f)

Diverses

Selbstsein ist zuerst Von-selbst-Sein. (F-LuL 289)

Das Selbst ist imstande, sich zu übersehen. Sobald es sich entdeckt, kann es entweder versuchen,

  • an sich festzuhalten und seine Dynamik abzubrechen, oder
  • es kann versuchen, sich loszuwerden,
  • sich immer weiter zu überarbeiten.

Jeder von uns kennt Persönlichkeiten, die unter einer dieser drei Formen der Krankheit zum Tode leiden, und wir kennen diese Motive auch von uns selbst. Manchmal versuchen wir einfach,

  • über uns hinwegzusehen, uns von unserem Geist zu distanzieren.
  • Manchmal versuchen wir, uns fix zu definieren,
  • und manchmal überarbeiten wir uns, krempeln unser Leben um. (MG-WW 207)

Externe Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Selbst

Zitate

Betrachte Gott als dein eigenes Selbst.
- Wenn du in allem Gott erfährst,
ist dein ganzes Leben ein Akt der Verehrung,
eine Form des Gebets, ein Lobgesang.
Du siehst die Erleuchtung in jedem,
der dir begegnet, als schlafendes Potential.
Du siehst das innerste Selbst und fühlst tiefe Ehrerbietung.
Nichts ist unbedeutend, alles hat Bedeutung.
Selbst im Grashalm
siehst du das höchste Licht erstrahlen.

(Botschaften von Amma, S. 187+182)

Ich mache mich auf den Weg der Forschung nach mir selbst. (Heraklit fr. 101, Zit. n.: HS-I 25)


Siehe: