Selbstbemächtigung

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Bedürfnis des Menschen nach personaler Emanzipation von den als übermächtig erlebten leiblich-affektiven Regungen.

Die Selbstermächtigung besteht in der Herrschaft der Vernunft (des Wagenlenkers der Seele) über die unwillkürlichen Regungen. (Vg.: S-DWdePII 35)

Die Person zahlt für die Chance der Selbstbemächtigung durch Introjektion

  • mit einem resignativen Individualismus und
  • skeptischen Autismus,

der die Wahl von Schritten auf dem Lebensweg am erwarteten Lustgewinn orientiert. (S-WNP 346f)

Der Psychologismus und die Introjektion begünstigen die Selbstbemächtigung, die von den antiken Philosophen in den Vordergrund gestellt und danach im Christentum, im Zeichen der Sünden- und Verdammungsangst, forciert wird. (S-WNP 347)

... [D]ie Perfektion des Selbstbemächtigungsstrebens hat in die Sackgasse der sich autonom dünkenden Vernunft geführt, die nicht mehr weiß, was sie will, nachdem sie die Ergriffenheit abgearbeitet hat, und da ist es Zeit, wieder auf die Gefühle als leiblich ergreifende Atmosphären zu hören ... (S-WNP 188)

Geschichte der Selbstbemächtigung

Die zwischen Hoffnung und Furcht, Macht und Ohnmacht schwankende westkirchliche Frömmigkeit bring eine enorme Forcierung der Selbstbemächtigung zustande; diese war im Altertum ein aristokratisch-philosophisches Ideal, wird nun aber zur Praxis des gemeinen Mannes durch ein ausgefeiltes System von Sündenregistern, Bußzwängen und Bußordnungen, woran der Einzelne sich nicht mehr nur halten muss, um - gemäß dem heidnischen Ethos - sich und anderen als Gentleman zu gefallen, sondern im ganz vitalen Eigeninteresse wegen der fürchterlichen, eventuell auch erfreulichen Aussichten auf das, was ihm im ewigen Leben nach dem Tod bevorsteht. (S-AHG 40f)

Augustinus

Neu ist hier die im modernen Sinn technische Einstellung des Menschen zu seinem Körper, die diesen wie eine Maschine, die reibungslos funktioniert, der Botmäßigkeit des Geistes unterstellen will. (S-WdePII 37)

... womit Augustinus dem modernen Anspruch technischer Verfügbarkeit der Natur, einschließlich des eigenen Körpers des Befehlshabers, vorarbeitet; der Cartesianismus und dessen Umstülpung durch La Mettrie (L'homme machine) deutet sich an. (S-WdePII 38)

Solche Atomisierung des Glücksstrebens steht in scharfem Gegensatz zur urchristilichen Gesinnung der Vernetzung durch gegenseitige Zuwendung und Teilnahme an einander. (S-WdeP 44)

Dank dieser Isolierung können die Individuen ihre Verbindung zur Einheit mit einander nicht mehr durch spontane Vernetzung bewirken, sondern sie muss ihnen durch Uniformierung aufgedrückt werden. (S-WdePII 45)

Selbstbemächtigung und Verfügbarkeit

Selbstbemächtigung ist keine vertrauenschaffende Verfügbarkeit, z.B. beim Wohnen durch die Umfriedung.

Siehe:

Selbstbemächtigung als zieldienlicher Umgang mit sich selbst: Therapie

Selbstbemächtigung hat nicht nur negative Aspekte einer überzogenen Bemächtigung der Vernunft gegenüber den unwillkürlichen Regungen, sondern auch den positiven Aspekt eines zieldienlichen und wertschätzenden Umgangs mit unwillkürlichen Regungen.

Selbstbemächtigung ist der zieldienliche willentliche Umgang mit unwillkürlichen Prozessen. (Trance)