Leibliche Regungen

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In leiblichen Regungen zeigen sich Gefühle.

Das affektive Betroffensein von leiblichen Regungen, wie z.B. im Falle von Schmerz oder Hunger, lässt sich in Entwicklung und Verlauf beobachten, im Unterschied zu Gefühlen.

Die ganze Skala spürbarer Zustände, die in der Dimension von Enge und Weite angesiedelt sind, aber weder gesehen noch getastet und übrigens auch mit den anderen üblicherweise aufgezählten Sinnen (Hören, Riechen, Schmecken) nicht wahrgenommen werden können, bezeichne ich als den Bereich der leiblichen Regungen. (S-L 4)

Teil- und Ganzheitliche Leibliche Regungen

Die leiblichen Regungen sind teils ganzheitlich, wie etwa Frische und Müdigkeit, teils teilheitlich und dann - wie Angst, Schmerz, Hunger, Durst - auf Leibesinseln verteilt, die ein verschwommenes, unstetiges Gewoge bilden[.] (S-Sub 5)

Teilheitliche Regungen

Die leiblichen Regungen zerfallen in die beiden Hauptgruppen der bloßen leiblichen Regungen und der leiblichen Regungen, die affektives Betroffensein von Gefühlen sind. (S-L 94)

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Gruppen betrifft die Stellung der Person zu ihrem affektiven Betroffensein. Wenn dieses in bloßen leiblichen Regungen besteht, ist die Person für ihre Stellung dazu prinzipiell ungebunden. Sie kann das Geschehen von Anfang an beobachten, sich darauf in Hingabe oder Abwehr einlassen, Abstand halten, zulassen, genießen usw., allerdings ohne Einfluss darauf, wie sehr sie davon in Anspruch genommen wird. (S-L94f)

Bloße leibliche Regungen

  • Schreck
  • Schmerz
  • Hunger
  • Durst
  • Jucken
  • Kitzel
  • Ekel
  • Behagen
  • Wollust
  • Müdigkeit
  • Frische
  • Mattigkeit
Spürbare (nicht sinnlich wahrnehmbare) Bewegungen: Kinästhesen
  • Zittern
  • Zucken
  • Kauen
  • Schlucken
  • Einatmen
  • Ausatmen
  • Gehen
  • Greifen
  • Tanzen
  • Sprechen
  • Schreiben

... sofern von der Bewegung sichtbarer und tastbarer Körperteile abgesehen wird. (S-L 4)

Leibliche Richtungen

... wie der Blick, den man auf etwas wirft oder schweifen lässt. Der Blick teilt mit den übrigen leiblichen Regungen, z.B. dem Kopf- oder Bauchschmerz, das Merkmal räumlicher Ausdehnung, das sich mit einer Versetzung leiblicher Regungen (z.B. als Empfindungen) in eine Seele ... nicht verträgt; ... (S-L 4f)

Leibliche Regungen der Ergriffenheit von Gefühlen

... zur zweiten Gruppe [gehören] Angst und die nach Gefühlen benannten leiblichen Regungen wie Zürnen, Traurigsein, Fröhlichkeit, Sichschämen usw. (S-L 94)

Anders verhält es sich beim affektiven Betroffensein von Gefühlen. Wenn dieses echt ist, muss die betroffene Person anfangs ein Stück weit mit dem Impuls des stürmisch oder schleichend ergreifenden Gefühls mitgehen, gleichsam zu dessen Komplizen werden. Wer das Gefühl gleich an der Pforte seines Eintritts mit einer Stellungnahme empfängt, ist ein bloßer Schauspieler der Ergriffenheit. (S-L 95)

Ihre leiblichen Regungen kann die Person unbefangen beobachten, nicht aber die Gefühle, von denen sie ergriffen ist, weil sie von vornherein die Partei des zu beobachtenden Gefühls ergriffen hat und sich aus dieser Komplizenschaft befreien muss, um die neutrale Position des Beobachters einzunehmen. Diese Verstrickung gehört zur Ergriffenheit im eigentlichen Sinn. (S-L 95)

Gefühle werden zu eigenen, nicht nur als Atmosphären wahrgenommenen Gefühlen des Menschen nur durch sein ihm leiblich spürbares affektives Betroffensein, das ich "Ergriffenheit" nenne, weil der Betroffene, damit sein Fühlen des Gefühls echt ist, erst einmal ein Stück weit mit dessen Impuls mitgegangen sein muss, ehe er sich in Preisgabe oder Widerstand damit auseinandersetzen kann. (S-L 4)

Beispiele:

  • Angst
  • Frohsein
  • Traurigsein
  • Zürnen
  • Sichärgern
  • Sichschämen
  • Lieben
  • Hassen
  • Entzücktsein
  • Bestürztsein
  • Fürchten
  • Bangigkeit
  • Sehnsucht

Ganzheitliche Regungen

  • Frische
  • Müdigkeit

Ganzheitliche leibliche Regungen dürfen trotz ihrer Ganzheitlichkeit nicht mit Gefühlen verwechselt werden. Siehe: Gefühle und leibliche Regungen

Keine Organempfindungen

Daraus lässt sich übrigens ableiten, dass es - im Gegensatz zu einer seit je allgemein verbreiteten Überzeugung - keine Organempfindungen gibt, dass also z.B. wahrscheinlich niemand spürt, wie sein Herz klopft oder sein Magen sich zusammenzieht, sondern jeder statt dessen den Zustand unteilbar ausgedehnter Leibesinseln vernimmt, deren relativer Ort sich mit dem der betreffenden Körperteile mehr oder weniger deckt. (S-Sub 5)

Alternative Begriffe

  • Somatische Marker (Damasio) können auch als leibliche Regungen verstanden werden.
  • Felt Sense (Gendlin)