Affektives Betroffensein

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Die Tatsachen des affektiven Betroffenseins tragen für den Bewussthaber schon in ihrer bloßen Tatsächlichkeit, ohne Rücksicht auf ihren zuschreibbaren Inhalt, den Stempel des Fürihnseins. Tatsachen des affektiven Betroffenseins sind daher immer subjektive Tatsachen.

Die affektive Betroffenheit ist also eine Frage der leiblichen und der personalen Voraussetzungen und der Empfänglichkeit in unterschiedlichen Situationen. (Anderlein in: GaA 92)

Ursprung subjektiver Tatsachen

Vielmehr ist affektives Betroffensein der Ursprung und Herd der subjektiven Tatsachen (sowie Programme und Probleme), und diese können nicht bloß registrierend hingenommen werden, indem man sich gefallen lässt, dass sie geschehen; dann wären sie objektiv. Subjektiv für mich, als etwas, das mich angeht (mea res agitur), werden sie erst dadurch, dass ich mitmache, mich auf sie einlasse, mich in sie verstricke, sie auf mich nehme, wobei es aber auf mein Belieben und mein besonnenes Wählen nicht ankommt. Die kommen zu spät, um der unbeliebigen Selbstverstrickung im affektiven Betroffensein noch vorbeugen zu können; ... (S-DuG 356)

Arten des affektives Betroffensein

Affektives Betroffensein durch Gefühle

  • durch Gefühle: kann durchaus vergessen, verwechselt oder verkannt werden, da es sich nicht konstant leiblich entfaltet.

Siehe: Leibliche Regungen der Ergriffenheit von Gefühlen

Affektives Betroffensein durch (bloße) leibliche Regungen

Affektives Betroffensein am eigenen Leibe und in der Einleibung

Affektives Betroffensein am eigenen Leibe

Siehe: Affektives Betroffensein durch leibliche Regungen

Affektives Betroffensein in der Einleibung

Bewegungssuggestionen und synästhetische Charaktere als leibnahe Brückenqualitäten vermitteln nicht nur Einleibung, sondern binden auch Gefühle, wie Leiber tun, die vom Impuls eines Gefühls ergriffen werden. (S-L 95)

Affektives Betroffensein bei Mensch und Tier

Affektiv betroffen sind auch Tiere, Idioten und Babies, die überhaupt nicht sprechen können, und doch gehört zu ihrem affektiven Betroffensein das Innesein oder Bewussthaben, dass es sich um sie selber handelt, in der Weise dass etwas sie angeht und nicht bloß neutral an ihnen vorüberzieht. (S-NGdE 60)

Affektives Betroffensein des Subjektes

Man kann nicht leiden oder sich freuen, nicht zornig oder hungrig oder ausgelassen sein, ohne etwas zu merken. Daher scheitern am affektiven Betroffensein alle Konstruktionen nach Art der Fabrik von Bieri, alle Versuche, mit Mach und Lichtenberg des Subjekt wegzureden. Es handelt sich um Schreibtischkonstruktionen, die nur möglich sind, solange es mit dem Leben nicht ernst wird. (S-BW 23)

Vergleiche dazu die Entsubjektivierung des Bewusstseins in der Prozessontologie.

Das affektive Betroffensein eines erlebenden Subjektes ist der Inbegriff jener Tatsachen, die zum Sosein dieses Subjektes gehören und primär subjektiv sind, in dem Sinn, dass die übrigen Tatsachen dieses Sosein jedenfalls nicht mehr subjektiv wären, wenn alle Tatsachen des affektiven Betroffenseins entfielen. (S-III2 93)

Ein affektives Betroffensein von mir ist hiernach eine Tatsache, dass mir etwas nahegeht. (S-III3 93)

Die Subjektivität des affektiven Betroffenseins

Mit dem aktiv-passiven affektiven Betroffensein ist schon ein Bewussthaber da, wenn auch lange noch kein einzelnes Subjekt. Man sollte ihn aber nicht "das Ich" nennen, weil diese Substantivierung an eine falsche Vereinzelung denken lässt, z.B. an eine Ich-Instanz in der sogenannten Psyche wie in der Freud'schen Metapsychologie. Den Ausdruck "das Ich" für ein Moment der primitiven Gegenwart gebrauche ich nur ausnahmsweise zur plakativen Abkürzung. (S-GedW 91)

Siehe: Bewussthaber, Subjektivität, Subjekt, Ich

Diese Nuance der Subjektivität habe ich dann, wenn sie sich der Tatsachen des Ergriffenseins von Schmerz, Angst, Trauer, Enttäuschung, Hoffnung, Wollust, Seligkeit usw. bemächtigt und diese ganz und gar durchdringt und umprägt, zusammen mit allen anderen Komponenten dieses so umgeprägten Ergriffenseins als affektives Betroffenseins bezeichnet. (S-III3 92)

Aktivität und Passivität des affektiven Betroffenseins

Daher hat das affektive Betroffensein von Anfang an eine passive und eine aktive Seite, die Passivität des Betroffenwerdens und die Aktivität, drauf einzugehen. Beide Seiten stehen zueinander in absolut unspaltbarem Verhältnis, so dass die Frage sich nicht stellt, ob der Betroffene schon selbst sein muss, um aktiv zu werden, oder ob ihm die absolute Identität erst von der Aktivität kommt. (S-GedW 91)

Siehe: Medium als genus verbi

Aktive Seite des affektiven Betroffenseins

... wie die Standpunkte der Person, ihre Fassung, ihre Gesinnung als die Weise, auf das affektive Betroffensein zuzugehen und sich einzulassen, die Lebenstechnik als habituelle Weise des Umgangs mit Problemen der Lebensführung, der Sprachschatz, die habituellen Interessen usw. (S-EP 117)


Passive Seite des affektiven Betroffenseins

...

Affektives Betroffensein als affektives Selbst

Siehe: Affektives Selbst

Affektives Betroffensein und Gesinnung

Siehe: Gesinnung

Bewusstes affektives Betroffensein

Jedem affektivem Betroffensein ist es wesentlich, im objektiven Sinn dem betreffenden Subjekt bewusst zu sein, so dass z.B. ein Schmerz oder ein Kummer so lange, aber auch nur so lange unbewusst sein können, als dem Subjekt die Nuance des affektiven Betroffenseins durch sie fehlt. (S-III3 93)

Affektives Betroffensein mit Bewussthaben

Affektives Betroffensein ist stets mit Bewussthaben verbunden. (S-BW 22)

Siehe: Bewusstsein, Unbewusstes

Ontologische Sonderstellung des affektiven Betroffenseins

Das affektive Betroffensein hat den Anschein eines zufälligen Rettungsankers der Selbstzuschreibung. Der Anschein des Zufälligen löst sich auf, wenn man die ontologische Sonderstellung des affektiven Betroffenseins bemerkt. Sie betrifft die Tatsächlichkeit der zugehörigen Tatsachen. (S-LU 83)

Die Tatsachen des affektiven Troffenseins sind subjektive Tatsachen, d.h. solche, die höchsten Einer, nämlich der Betroffene (sehr oft niemand), und auch nur im eigenen Namen aussagen kann. Das bedeutet aber nicht, dass diese Tatsache geheim und nur mit zugänglich wäre, wie Wittgenstein mit dem Bild vom Käfer in der Schachtel ironisch ausmalt, und erst recht ist nicht von einer "Privatsprache" in dem von ihm abgelehnten Sinn die Rede. (S-LU 83f)