Systemische Topologie

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  • Verortung im Raum des Nicht-Wissens
  • Entfaltung der Gegenwart durch Verortung
  • Eine Phänomenologie der Verortung
  • Heilsame Selbst-Verortung

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Idee, ein Buch über systemische Topologie zu schreiben, hat sich im Laufe der letzten 10 Jahre so ergeben und wohl eine vorläufige Zusammenfassung dessen, was mich seit meinem ersten Semester Philosophie beschäftigt. Der Topologie als Verknüpfung von Topos und Logos gebührt seit meinen philosophischen Studien in Japan von über 20 Jahren mein unentwegtes und mir selbst unerklärliches Interesse. Der Topos verstehe ich analog zu den japanischen Äquivalenten basho 場所 oder ba 場 als Synonym für alle raumbezogenen Begriffe wie Ort, Raum, Feld Atmosphäre oder Stimmung. Das systemische Denken hat mich sogar schon seit meinem ersten Philosophie-Semester bei Pater Lay magisch angezogen und seitdem nicht mehr losgelassen. So war für mich die Systemtheorie und das Denken in Beziehungen Grundlage meines philosophischen Forsches und den Reflexionen und Anwendungen in Therapie und Beratung. So lag der Gedanke nahe: eine systemische Topologie könnte beides vereinen. Das Sein ist kein isoliertes sich Befinden im Raum, sondern ein In-der-Welt-Sein das sich nicht im luftleeren Raum abspielt, sondern in einem phänomenalen erlebten Raum und seinen leiblich gespürten Orten.

Das Nachdenken über unsere orthafte Existenz hilft gerade sich gegen die Zumutungen eines "Blickes von Nirgendwo" zu wehren, und den Blick von dem eigenen Ort aus zu wagen.

Grundlagen der systemischen Topologie

Topologische Psychologie & Mental Space Topology

In the history of psychology a hand full of researchers (William James, Kurt Lewin, Jacob Moreno, Moshe Feldenkrais, Julian Jaynes, Barbara Tverky) have recognized the significance of space in human experience. Most of other researchers however, have overlooked it. On the other hand, clinical applications like psychodrama, change work with time lines, family constellation work, the social panorama and clean space give a hint, that psychology could make a leap, if serious attention would be paid to the phenomenon of "mental space". The therapeutic application of the spatial nature of cognition seems to work miracles. Mental space psychology acknowledges clinical findings as relevant research data and strives to test these under controlled laboratory conditions. (Why Mental Space Psychology? Claudie van Ginniken, Robert Heemelaar, Lucas Derks, Rene Koppelaar S. 8)

Orts- und Raum-Phänomenologie

Die Orientierung im gelebten Raum setzt gelebte Distanz als Weite voraus. Ohne gelebte Distanz gibt es keinen leiblichen Ausgangspunkt für die Herstellung orientierender Beziehungen (Minkowski) zur Um- und Mitwelt. Dieser gelebte und erlebte Raum ist ein im Befinden 'gestimmter Raum' (Bollnow), der sich in wacher Aufmerksamkeit in der Mitte des eigenen Raumes (Bollnow) als WIE eines bestimmten Empfindens (pathisch) fühlbar (Straus) darbietet. (JH-FdS 198)

  • Heidegger, Dürckheim, Minkowski, Bollnow, Strauss

Während also nach Lévinas die aristotelische Tradition des Toposdenken, welche im 20. Jahrhundert durch die Philosophie des Ortes aktualisiert wird, die Teilung voraussetzt – erst die Ortes als Platz der Dinge konstituiert Raum –, so geht die newtonsche Tradition von einem Apriori des Raum als Unteilbaren aus, in dem sich die Dinge ungehindert bewegen können. (SG-VRZO 35f)

Personale Priorität des Ortes: Stellungnahme und Heimat
  • Kain als sesshafter Ackerbauer: sesshaftes Raumverständnis ausgehend von einem Punkt, was zu einem Primat des Ortes als geographischer Lokalisation führt
  • Heidegger
  • Bollnow: sesshafte Ortsphilosophie, Heimat
Heidegger

In diesem Zusammenhang kann man von einer 'topischen' Kehre oder der Wende zum Topos (also dem Ort) sprechen, die ausging vom Raum und sich ihm gleichfalls gegenüberstellte; was in der Behauptung einer Ursprünglichkeit (also des Ortes) aber in Vergessenheit geraten kann. Wie mit keinem anderen Namen ist diese Wende mit Martin Heidegger verknüpft, der in seinem 1951 gehaltenen, einschlägigen Vortrag "Bauen Wohnen Denken" formuliert: "Räume [empfangen] ihr Wesen aus Orten und nicht aus 'dem' Raum". (SG-VRZO 26)

Nichts Geringeres als die Eckpfeiler der Geschichte von Philosophie und Physik hängen also an der Aussage Heideggers, dass das Wesen der Räume "aus Orten und nicht aus 'dem' Raum" herrührt, und werden durch Heidegger nicht nur in seinem Vortrag von 1951, sondern letztlich in seinem ganzen Werk behandelt. Eben deshalb kommt wohl kaum einem anderen Denker des 20. Jahrhunderts das Attribut 'Raumphilosoph' (oder nun vielmehr: 'Ortsphilosoph') rechtmäßiger zu. (SG-VRZO 26)

Ortsflexibilität des Menschen
  • Dynamische Topologie 1. Ordnung: Menschen und Tiere unterscheiden sich von Pflanzen dadurch, dass sie den Aufenthaltsort wechseln können
  • Dynamische Topologie 2. Ordnung: Menschen unterscheiden sich von Tieren dadurch, dass sie den Ort des Befindens wechseln können.
Transpersonale Priorität des Raumes: Unterschiedslosigkeit und All-Einheit
  • Abel als nomadischer Hirte: nomadische Raumphilosophie ausgehend von der Bewegung
  • Primat des Raums als Möglichkeit der Entfaltung
  • Transpersonale Richtungen:
    • Wissenschaft
    • Mystik

Als eine Theorie-Beispiel für Letzteres könnte prominent Michel de Certeau angeführt werden, der dediziert vom Ort (fr. lieu) als dem 'Tod des Raums' spricht und den Raum (fr. espace) als den Ort definiert, "mit dem man etwas machte". – Was geradezu eine Umkehrung Heideggers bedeutet, wenn formuliert würde: "Orte empfangen ihr Wesen aus dem Raum und nicht aus dem Ort." (SG-VRZO 31f)

Levinas

Ethisch gewendet bedeutet im Sinne von Lévinas, dass es für ein solches Raumdenken eben unmöglich ist, in 'fremd' und 'heimisch' zu unterscheiden. Vielmehr gehört Alles und gehörten Alle dem gleichen Raum an. Gagarin fungiert hierbei in zweierlei Hinsicht: Einmal als Existenzbeweis für einen Leib ohne Orientierung, ein anderes Mal als Vertreter der 'Menschen im Kommunismus' (denen Gagarin seinen Flug gewidmet hatte) und die der Idee nach eine klassenlose Gesellschaft bilden, in der die Produktionsmittel – unteilbar in 'Klassen' – allen gemeinsam gehören. (SG-VRZO 36)

Neue Phänomenologie

Hermann Schmitz bestimmt in seiner Neuen Phänomenologie die Aufgabe der Philosophie wie folgt: "Philosophie ist das Sichbesinnen des Menschen auf sein Sichfinden in seiner Umgebung." In dieser Definition klingt an, dass der Ort des Sichfindenden eine wesentliche Rolle in der Neuen Phänomenologie spielt. So unterscheidet er den absoluten vom relativen Ort, und bestimmt den absoluten Ort wie folgt: "Der absolute Ort einer Person ist der je eigene Leib, der sich im affektiven Betroffensein zeigt." Davon zu unterscheiden ist der relative Ort als der mögliche oder faktische Ort eines Körpers im dimensionalen Raum. Durch diese Unterscheidung der beiden Ortstypen und die Entscheidung, dem Leib als absoluten Ort den Vorzug zu geben, legt Hermann Schmitz die Grundlage für eine philosophische Topologie, die sich nicht auf Orte im dimensionalen Raum beschränkt.

Über den absoluten Ort des je eigenen Leibes erschließt sich der Zugang zur Räumlichkeit der Gefühle, für die Hermann Schmitz entschieden eintritt. Diese Räumlichkeit ist wahrlich keine dimensionale aber eine erfahrbare Räumlichkeit von Enge, Weite und Richtung. Mit dieser grundlegenden Phänomenologie der Räumlichkeit möchte er die herkömmliche Vorstellung von Gefühlen als Introjekten ablösen. Gefühle lassen sich nicht auf interne Zustände des Körpers reduzieren, schon gar nicht auf neuronale Zustände, sondern Gefühle sind erlebte Raumqualitäten, die am eigenen Leib gefühlt werden. Hermann Schmitz löst die Introjektion der Gefühle, die sich in der westlichen Philosophie seit ca. 450 v.Chr. durch die westliche Philosophiegeschichte als Introjektionismus durchzieht, durch die Einsicht in deren Räumlichkeit ab.

Neben dem Begriff des Ortes und Raumes spielt ein weiterer Begriff eine entscheiden Rolle zu Fundierung der systemischen Topologie: die Situation bei Hermann Schmitz. Denn der Leib befindet sich stets in Situationen, die erst nachträglich expliziert und durch sprachliche Vereinzelung beschrieben werden können. Vorgängig ist das Erlebnis eines Sichfindens in einer Umgebung, die zugleich die unfreiwillige Hingebung an die Atmosphäre beinhaltet. Umgebung ist daher nicht der Kontakt mit der Außenwelt, sondern die Stimmung, in die man leiblich-atmosphärisch gerät.

"Dazu soll die Einsicht dienen, dass Gefühle nicht subjektiv, sondern räumlich sind." [S-I XI]

Szenische Philosophie

Für Wolfgang Hogrebe beginnt die Philosophie mit folgender Frage, die er zugleich topologisch beantwortet: "Wo sind wir nachgeburtlich zuerst? Die simple Antwort: im Leben vor Ort. Das erste sind für uns daher

  • nicht - wie für Philosophen zumeist - handfeste Standarddinge des Alltags wie Tische und Stühle gemäß der Devise von W.V.O. Quine: "Alltägliche Dinge zuerst!",
  • auch nicht Sinnesdaten wie bei Locke und Hume oder Elementarerlebnisse wie bei Carnap,
  • aber auch nicht Prozesse wie bei Whitehead,
  • auch nicht Systeme wie bei Niklas Luhmann,
  • sondern schlichtweg Szenen, in denen wir uns vorfinden." (WH-RL 49f)

Japanische Philosophie

Die japanische Philosophie hat sich mit der Kyoto-Schule rund um Nishida auch wesentlich zu einer Philosophie des Ortes entwickelt. Nishidas Philosophie ist inspiriert von dem japanischen Zen-Buddhismus und versteht den Ort in seiner Reinheit als absoluten Nichts, in dem alle Dinge ihren Platz haben können. Im Gegensatz zur westlichen Philosophie, welche versucht, sich aus der Rolle des Subjektes mit den Dingen zu beschäftigen um anschließend davon zu abstrahieren (Subjektlogik), eröffnet Nishida eine erfrischend andere Perspektive, in dem er von einem Ort des absoluten Nichts ausgeht, in dem alle Dinge sich befinden ohne ihre Individualität und Konkretheit aufgeben zu müssen (Ortlogik). Nishidas Philosophie ist keine Substanzphilosophie in westlicher Tradition, die nach dem Wesen von Dingen fragt, sondern eine Philosophie des Ortes, die ihren Ortsbegriff letztlich im erfahrbaren absoluten Nichts gründet. In diesem letzten Ort des absoluten Nichts gibt es keine Gegenüberstellungen von Dingen oder Subjekt und Objekt sondern nur ein gemeinsames Darin-Sein dass zugleich jeden an seinem Ort belassen kann.

Mit dem Hinweis auf den Ortes des absoluten Nichts, in dem sich alle Dinge befinden ohne ihre ontologische Bestimmung zu verlieren, fundiert Nishida die philosophische Topologie von einer etwas anderen Seite als Schmitz, der sich auf den Leib als je eigenen Ort verlässt. Beide Ansätze passen nahtlos zusammen, wenn nicht den Fehler macht, den Leib mit dem Körper als abgeschlossenen Empfindungskasten zu verwechseln, sondern ihn als Resonanzboden für affektives Betroffensein zu verstehen, das jeder Subjekt-Objekt-Trennung vorgängig ist. Der Ort des absoluten Nichts und der leibliche Ort müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern bedingen sich sogar, da ohne leiblichen Ort der Ort des absoluten Nichts nur ein Konzept und keine mögliche Erfahrung wäre.

Im Anschluss an Nishida gibt es etliche weitere Philosophen, die in der besonderen Betonung des Ortes oder Raumes zum Charakteristikum der japanischen Philosophie machen. Beispielhaft ist die Kritik von Watsuji, der an Heidegger kritisiert:

  • dass Heidegger das In-der-Welt-Sein nur von der Zeitlichkeit her interpretiert aber nicht von der Räumlichkeit
  • dass Heidegger das Dasein hauptsächlich von dem Einzelnen ausgehend bestimmt und die Eingebundenheit in Natur und Gesellschaft zu wenig berücksichtigt.

Beide Punkte können die Grundlage einer systemischen Topologie verstanden werden:

  • das Sein ist ein In-der-Welt-Sein und wesentlich von dem Sein an und in Orten zu verstehen
  • das Sein ist kein Sein des Einzelnen, sondern ein Sein in Eingebundenheit und Durchdringung von Natur, Kultur und Gesellschaft.

... weil die Physik keinen Begriff für den Wechsel vom Sein ins Nichtmehrsein hat, sondern sich nur bei Seiendem aufhält. (S-F 100)

Systemtheorie

Mit Systemtheorie ist hier im folgenden nicht das soziologische Modell von Luhmann, sondern das systemische Denken gemeint, wie es im Rahmen des sytemischen Therapie- und Beratungsansätze entwickelt und praktiziert wird hat. Zentrale Komponente des sytemischen Denkens ist die Vorstellung, dass ein Phänomen nicht isoliert vom situativen oder sozialen Kontext betrachtet und therapiert werden kann, sondern stets die kontextuelle Eingebundenheit eine zentrale und auch stabilisierende Rolle für das leidvolle Phänomen spielt. Diese Form des systemischen Denkens hat sich gerade in Auseinandersetzung zu den individualistischen und pathologisiertenden Ansätzen in der Psychotherapie entwickelt, bei der es vorrangig um Krankheiten und Behandlungen von einzelnen Menschen geht. Grundlage des systemischen Denkens ist es, dass Phänomene nicht einfach als Attribute einer Sache verstanden werden, sondern als Ausdrucks eines Geschehens im Kontext. Somit wird auch für die Behandlung der Kontext eines Phänomens mindestens ebenso wichtig wie der Patient selbst, der im Extremfall nur noch als Opfer der Kontextbedingungen gesehen wird.

Der Umstand, dass die systemische Eingebundenheit eines Phänomens wesentlich wichtiger sein kann, als das Wesen oder Eigenschaften des Phänomens selbst, ist auch Grundbotschaft einer systemischen Topologie, für die der Ort eine Phänomens im systemischen Kontext wichtiger ist.

Psychologie: "Im Unbewussten herrscht das Prinzip der Zeitlosigkeit." (Sigmund Freud)

Schamanismus

Mit Schamanimus soll hier die spirituellen Praktiken der sibirischen, mongolischen und nordamerikanischen Nomadenstämme bezeichnet werden. Schamanismus wird dort weniger als religiöses Theorie- oder Glaubensystem gesehen, sondern eher als praktisch erlernbare Sprache oder Technik mit bestimmten Erfahrungen gemacht werden können.

Auch wenn es in der Philosophie ungewöhnlich ist, sich - bei aller Vagheit des Begriffes - auf Schamanismus zu beziehen, kenne ich keinen Grund, wieso eine phänomenologische Revision vor schamanischen Erfahrungen Halt machen sollte. Daher soll im folgenden, die Besonderheit schamanischen Erfahrungen erörtert werden, die für eine systemische Topologie grundlegend sein können.

Schamanische Erfahrungen sind vorallem dadurch gekennzeichnet, dass es leibliche Anwesenheiten ohne Körper geben kann. Diese hält auch Hermann Schmitz für möglich, wenn er schreibt: "Der menschliche Leib ist zwar an den menschlichen Körper gebunden, aber der Räumlichkeit und Dynamik so anders, dass es nicht unsinnig ist, sich vorzustellen, er könnte auch ausfahren, wie es z.B. die Schamanen und die Chinesen von ihren Seelen oder Teilseelen als missverstandenen Leibern glauben." (Schmitz in: Bernhard Langerock & Hermann Schmitz: Momentaufnahmen der Reflexion. S. 29)

Der besondere Grund, wieso Schamanismus für eine philosophische Topologie relevant sein kann, ist der Umstand, dass im Schamanismus die Erfahrung des Raumes und der Zeitlosigkeit eine besondere Rolle spielt. "Schamanische Heilung findet in einem zeitlosen Raum statt, in einer mystischen Zeit, in der alles, was jemals war oder sein wird, anwesend ist. Während eines schamanischen Rituals ist alles darauf ausgerichtet, die Teilnehmer von einem linearen Zeitempfinden zu lösen. ... Der Schamane richtet seine Aufmerksamkeit auf die Erfahrung des Raums, nicht der Zeit: die vier Himmelsrichtungen, der Himmel und die Oberwelt über uns, die Erde und die Unterwelt unter uns." (DvK-HKVA 29)

In der Zeitlosigkeit einer schamanischen Erfahrung werden leibliche Anwesenheiten ohne Körper gespürt. Diese Anwesenheiten kann sowohl die eigene als auch fremde Seelen sein. Ähnlich wie Nishidas Ort des absoluten Nichts, in dem alle Dinge mit ihrem je einen Sein enthalten sind, gibt es im Schamanismus einen Raum, in dem alle Seelen auf individuelle Weise aufgehoben sind. Schamanische Praktiken erlauben es an der Grenze zu diesem Raum Kontakt zu halten und Seelen einzuladen, sich leiblichen zu manifestieren. Gemäß der Zen-Weißheit: "Der Geist hat keinen Wohnort, aber er kann sich manifestieren."

Wissen die Indianer nicht, dass der Schamane nur vorgibt, die Krankheit aus seinen Patienten herauszusaugen, und dass er nur einen gewöhnlichen Stein im Mund hat, den er nach dem Saugen herausspuckt? Fehlt ihnen eine Einsicht, über welche wir verfügen?

Ich möchte sagen, dass eher uns eine Einsicht fehlt, über welche sie verfügen. Denn wie der Kojote sich für den, der Augen hat, zu sehen, in ein magisches Wesen 'verwandelt', oder besser, sein magisches Wesen zeigt, so verwandelt sich für den Guiana-Indianer der 'bloße' Stein in einen feindlichen Geist, und dergestalt zeigt sich der Ahne in dem Maskentänzer. (HPD-T 185f)

Erkenntnistheorie

Der realistische Konstruktivismus erklärt naturwissenschaftlich wieso alles Erkennen eine Konstruktion ist. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch, denn beide stehen auf dem Fundament des erkenntnistheoretischen Realismus, der davon ausgeht, dass das Erkennen eine Reise oder Ersatzbefriedigung dafür ist.

Ontologische Paradigmen

Um den Weg zu einer systemischen Topologie zu bahnen, möchte ich vier verschiedene Denktypen als idealtypische Paradigmen vorstellen:

  • das monadische Paradigma
  • das relationale Pradigma
  • das operative Paradigma
  • das topische Paradigma

Diese Klassifizierung hat einzig den heuristischen Zweck, die Unterschiede zwischen idealtypischen Positionen so hervorzuheben, dass das Besondere an dem topischen Paradigma deutlich wird, welches die Grundlagen der systemischen Topologie bildet.

Paradigmen.png Sachen.png

Monadisches Paradigma Relationales Paradigma Operatives Paradigma Topisches Paradigma
Relation Abwertung der Relation Aufwertung der Relation Relation als Verkettung von Ereignissen Relation als Verortung
objektive Tatsachen objektive Tatsachen der messbaren Dinge objektive Tatsachen von Abhängigkeiten objektive Tatsachen von messbaren Ereignissen KEINE objektiven Tatsachen
subjektive Tatsachen subjektive Begegnungen mit Festkörpern subjektive Beziehungen zwischen Ich und Du subjektive Erfahrung von Ereignissen subjektive Erfahrung von leiblicher Präsenz

Siehe: Übersicht der vier Paradigmen

Monadisches Paradigma

Das monadische Paradigma besagt, dass die Welt aus Konstellationen von Dingen sowie deren Eigenschaften und Relationen besteht. Es basiert auf dem dreigliedrigen Schema, das Aristoteles im 14. Buch der Metaphysik[1] als dreistufige Substanzontologie beschreibt und die ontologischen Abstufungen von Ding (Substanz), Eigenschaft (Akzidenz) und Relation voraussetzt wenn sie behauptet: Die Welt besteht aus Dingen mit inneren Eigenschaften und äußeren (sekundären) Relationen.

Diese triadische Dingontologie soll hier als monadisches Paradigma bezeichnet werden, damit deutlich hervorgehoben wird, dass Relationen die dritte und unwichtigste Bestimmung in diesem Modell sind und sich daher die Vorstellung von abgeschlossenen Monaden nahelegt, die Leibniz auch so expliziert hat.

Das monadische Paradigma zieht sich von Demokrit über Platon und Aristoteles als dominantes ontologische Paradigma durch die gesamte Philosophiegeschichte mit so prominenten Vertretern wie Leibniz, Locke, Kant und Husserl[2].

Das monadische Paradigma beinhaltet die singularistische Annahme, dass alles Existene einzeln ist und die elementare Einheit der Prototyp des Seienden ist. Diese Form des Singularismus wird besonders prominent vertreten von Thomas von Aquin über Wilhelm von Ockham bis zu Immanuel Kant.

... zeichnet sich sofort das 'monadische' Problem ab, das Gehirn als eine Innenwelt aufzufassen, die eine Außenwelt generiert. (GR-IE_II22 151)

Duales Verhältnis

Relationales Paradigma

Das relationale Paradigma versucht die Relation im Gegensatz zum monadischen Paradigma gerade aufzuwerten und als zentrales Element einer relationalen Ontologie zu installieren. Nicht Dinge und Eigenschaften sind die primären Einheiten einer Ontologie sondern die Relationen, aus denen sich Dinge und deren Eigenschaften erst ergeben.

Das relationale Denken ist in der westlichen Philosophiegeschichte bis in die Moderne nur sehr schwach und vereinzelt ausgeprägt. Ältere Quellen finden sich vorallem in der östlichen Philosophie, wie z.B. im Buddhismus, der auf den Begriff des "pratītya-samutpāda" (jap.: engi/ 縁起) aufgebaut ist, das heißt auf der Idee, dass alles entsteht und als das existiert, was es ist, dank der unendlichen Anzahl von Beziehungen, die es mit anderem verbindet.[3] Dieses Denken der grundlegenden Verbundenheit findet sich auch in der modernen japanischen Philosophie bei Nishida Kitaros These der „reinen Erfahrung, in der Subjekt und Objekt noch nicht voneinander geschieden sind“.

Erst seit Beginn des 20 Jahrhunderts und mit den Erfolgen der Naturwissenschaft ist das relationale Paradigma auch in der westlichen Philosophie stärker vertreten. So wird z.B. der Strukturenrealismus mit seiner Vorstellung, dass sich die Wirklichkeit nicht aus einzelnen Dingen, sondern vorallem oder sogar ausschließlich aus Relationen zusammensetzt, in der modernen Physik als vielversprechendste Ontologie gehandelt.[4]

Auch in der dialogischen Philosophie von Martin Buber wird die Beziehung zur grundlegenden Kategorie der Wirklichkeit noch vor einem vorgängigen Ich oder Du. Konsequenterweise spricht er von einem "Apriori der Beziehung"[5].

Der Begriff der "Figuration" – der stark an den der 'Gestalt' erinnert – stammt von Elias (1969, LXVII f.), der ihn einführte, "weil er klarer und unzweideutiger als die vorhandenen begrifflichen Werkzeuge der Soziologie" zum Ausdruck bringe, "dass das, was wir 'Gesellschaft' nennen, weder eine Abstraktion von Eigentümlichkeiten gesellschaftslos existierender Individuen, noch ein 'System' oder eine 'Ganzheit' jenseits der Individuen" sei, "sondern vielmehr das von Individuen gebildete Interdependenzgeflecht selbst". (GR-IE_II2 651)

Operatives Paradigma

Das operative Paradigma ist ein Denken in vereinzelten Operationen, die sich im Zeitverlauf ereignen wie Kettenglieder aneinander anschließen. Indem es die neue Kategorie der Operation (bzw. des Ereignisses) einführt, die es in der typischen triadischen Dingontologie gar nicht gibt, versucht sie einen deutlichen Gegenentwurf zu allen bisherigen Modellen der klassischen Ontologien einzuführen. Das operative Paradigma ist auch bekannt als Prozess- oder Ereignisontologie.

In der westlichen Philosophiegeschichte zeigt sich das operative Paradigma zuerst promiment bei Hume, der nicht mehr von Dingen und Eigenschaften ausgeht, sondern primär von vereinzelten Ereignissen ausgeht: "Alle Ereignisse erscheinen durchaus unzusammenhängend und vereinzelt."[6]

War das monadische Paradigma noch vom Modell des Festkörpers geprägt, so orientiert sich das operative Paradigma am Modell einer strömenden Flüssigkeit. Keine feststehende Dingen sondern nur flüchtige Ereignisse sind das zentrale Bild eines operativen Paradigmas.

Moderne Anzeichen einer Ereignisontologie finden sich insbesondere bei Wittgenstein, der die Welt bestimmt als die "Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge".[7] Analog dazu versteht auch die moderne Physik die Welt als Gesamtheit der Ereignisse und sieht insbesondere in der Quantenphysik von der Existenz von Dingen oder ihren Relationen überhaupt ab.

Topisches Paradigma

Im topischen Paradigma ist der Ausgangspunkt der leiblich gespürte und gestimmte Zugang zur Welt, der nicht hintergehbar ist, solange wir in der Welt sind. Das topische Paradigma basiert auf der Unmittelbarkeit des subjektiv-leiblichen Erlebens im Unterschied zu den technisch vermittelten objektiv-messbaren Ereignissen oder Dingen.

Das topische Denken geht davon aus, dass es noch ursprünglichere und erlebnisreichere Zustände gibt, als Messdaten oder darauf basierter Theorien, selbst wenn sie sich in der Praxis prognostisch bewähren. Diese ursprünglichere Zustände sind Situationen und leibliche gespürte Gefühle als Atmosphären, in denen sich Lebewesen immer schon gestimmt befinden und durch die sie in der Welt sind. Topisches Denken schließt damit an die Neue Phänomenologie von Hermann Schmitz an, der kein idealistisches Gegenmodell zum naturalistischen Denken etablieren will, sondern gerade ein drittes alternative Modell entwirft, was diese Spaltung aufheben und die in unserem westlichen Denken dominante psychologistisch-reduktionistisch-introjektionistischen Verfehlungen überwinden soll: "Die psychologistisch-reduktionistisch-introjektionistische Verfehlung des abendländischen Geistes zersetzt die den Menschen gemeinsamen Situationen in Konstellationen privater Innenwelten, verleugnet die räumliche Ergossenheit leiblich ergreifender Gefühle und verkennt mit dem Leib auch die leibliche Kommunikation."[8]

Integrative Kraft: Vom monadischen zum topisches Paradigma und zurück

Wenn das topische Denken den Anspruch hat, grundlegender als die anderen Modell zu sein, dann muss es diese anderen Paradigmen auch integrieren können, was im folgenden zu zeigen ist:

Das topische Denken fundiert das relationale Denken, da nicht Relationen oder Relata als primäre Einheiten gedacht werden, sondern diese wiederum als Endprodukte einer Aufspaltung von situativen Verhältnissen gedacht werden, die noch ohne Einzelheit oder Identität sind. Ich kann von einer Beziehung sinnvollerweise nur dann sprechen, wenn es etwas Vereinzeltes gibt, was bezogen ist. Ohne vereinzelte Relata kann es keine Relationen geben, auch keine gedachten.[9] Vereinzelung ist ein Vorgang, der aus Situationen schöpft, in denen es noch keine Einzelheit gibt. Diese Situationen, in denen wir uns leiblich befinden, noch ohne uns als Körper zu objektivieren, sind Ausgangspunkt des topischen Denkens.

Im eigenen Erlebnisraum sind vereinzelte Wesen wie Personen oder Tiere immer schon gegeben, so dass der Eindruck entstehen kann, dass die Beziehung zu vereinzelten Wesen die erste mögliche Stellungnahme ist. Doch trägt das nicht der Erfahrung Rechnung, dass man sich auch in Gefühlen befinden kann, die nicht als Ausdruck einer Beziehung erlebt werden. Die systemische Therapie hat hier zwar viele Verdienste erlangt durch ihre Haltung, dass Gefühle auch als Loyalitätsleistung gewürdigt werden können, doch ist diese Sicht eine nachträglich explizierte, die dem unmittelbaren Erleben vieler Klienten nicht unbedingt gerecht wird, und als axiomatischer Ausgangspunkt für eine sinnvoll und kooperative erlebte Therapie auch nicht hilfreich ist. So sind andere Therapieverfahren wie z.B. die Hypnotherapie auch sehr erfolgreich, ohne dass ein Gefühle notwendig systemisch als Ausdruck einer Loyalitätsleistung behandelt werden müssen.

Das topische Denken fundiert das operative und monadische Denken, da nicht Ereignisse oder Dinge als primäre Einheiten gedacht werden, sondern leiblich spürbare Situationen, aus denen heraus einzelne Ereignisse oder Dinge durch Vereinzelung und Kategorisierung erst herausgehoben werden. Ereignisse oder Dinge sind nicht primäre Einheiten sondern stets das Resultat eines Objektivierungsverfahrens, das sich der vereinzelnden Explikation bedient.

Damit stellt sich das topische Denken vor das monadische, relationale und operative Denken und fundiert es zugleich. Ein häufiges Missverständnis entsteht jedoch häufig dadurch, dass mit dem Focus auf dem In-der-Welt-Sein zugleich die Welt als räumlicher Behälter gedacht wird und die topische Qualität gerade in der Räumlichkeit des Behälters gesehen wird. Diese containerhafte Räumlichkeit wird häufig noch dadurch unterstützt, dass die moderne Physik die Zeit quasi als vierte Raumdimension integriert und auch von zeitlosen Blockuniversen spricht. Doch diese Art von Örtlich- und Räumlichkeit basiert schon auf der Vorstellung eines übergeordneten ruhenden Koordinatensystems, in dem sich Orte über GPS bestimmen lassen. Diese Art von Koordinatensystem ist jedoch dimensional und unterscheidet sich fundamental von der prädimensionalen Räumlichkeit des topischen Denkens. Der Raum ist im topischen Paradigma gerade nicht ab-messabar (di-mensere), und hat nicht nur einen Ruhepol sondern jedes leibliche In-der-Welt-Sein hat seinen eigenen Ruhepol.

Die "Örtlichkeit der Naturwissenschaften" ist daher eine andere als die "Örtlichkeit des Leibes", jene ist global berechenbar, diese ist lokal erfahrbar. Die Herausforderung im topischen Paradigma ist es daher auch in dem was wir erleben, tatsächlich anwesend zu sein.

Der Mensch befindet sich nicht im Raum, wie ein Gegenstand sich etwa in einer Schachtel befindet, und er verhält sich auch nicht so zum Raum, als ob zunächst etwas wie ein raumloses Subjekt vorhanden wäre, das sich dann hinterher auch zu einem Raum verhielte, sondern das Leben besteht ursprünglich in diesem Verhältnis zum Raum und kann davon nicht einmal in Gedanken abgelöst werden. (OFB-MuR 23)

Bollnow (1956, 57) beispielsweise betonte, dass "die Stimmung" "das Ursprüngliche" sein, "und erst in ihrem Rahmen und durch sie bedingt", erfolge "die Wahrnehmung eines einzelnen Dinges". "Die Wahrnehmung sei "also selber schon durchgehend gestimmt." Ähnlich hatte Simmel (1907, 281f.) auf die "Eigenart unserer Anlage" hingewiesen, die darin bestehe, "dass jegliche Beeindruckung uns nicht nach dem absoluten Maße ihrer Ursache oder ihres Inhalts affiziert, sondern nach dem Zustand, in dem sie uns vorfindet, nach dem Hintergrund, auf dem sie sich malt." (GR-IE_II2 100)

Die Wende zum Ort soll noch einmal gewendet werden – nicht um jedoch zu Newton zurückzukehren und schon gar nicht, um die Raumphilosophie auf eine Theorie der Natur als Physik zu beschränken. Ganz im Gegenteil soll in dieser Wende Raum unter dem Ortsaspekt betrachtet werden, aber nicht als ein Ort 'hier' oder 'da' im Sinne der geographischen Lokalisation, sondern Ort als Struktur, Bezug und Prozess. – Man könnte diese Betrachtungsweise eine 'topologische Wende' nennen. (SG-VRZO 27)

Primäres topisches Verhältnis: In-Sein

  • Noch vor der Beziehung zwischen Einzelnen (dualem Verhältnis) ist das In-Sein (topisches Verhältnis)
  • Primärer Ort, sekundärer Raum und Zeit
    • Heidegger: SZ §22-24
    • Die Griechen kennen keinen Raum, nur den Ort?

Zwei In-Sein-Metaphern:

  • Raum als Container: Nicht wir sind der Container, wo etwas darin ist.
  • Raum als Feld: Wir sind ursprünglich im Feld.

Dieses "im" ist für urchristliches Verständnis konkret räumlich als Befinden in einer Atmosphäre zu verstehen ... (S-H 148)

Emobdiement und Emplacement

  • Interdiszplinäre Anthropologie S. 207
  • Embodiement & Emplacement: A place where a thing is located; the act of placing something somewhere. (Wiktionary)

In-Situationen-Sein

Bei genauerem Hinschauen zeigt sich dann, dass die Gefühle nicht in einer unbewussten 'Innen-Welt' entstehen oder sich dort drin befinden, sodass es sich um eine irreführende Sicht handelt. Statt dessen hängen sie mit der 'Außen-Welt' bzw. besser der jeweiligen Situation, in der man sich befindet, zusammen. Sie ergreifen aus der Situation heraus. (GR-LuS 277)

  • Die Situation als chaotische Mannigfaltigkeit

Topisches Verhältnis: In-Etwas und Etwas-in-mir

Die starke Trennung von In-Etwas-Sein und Etwas-in-mir ist nur im deutschen scheinbar so klar. Im Japanischen gibt es das Zeichen: 憑 was zugleich bedeutet:

  • (von Dämonen) besessen
  • beruhen auf, sich verlassen auf (insb. in: 憑拠: das worauf man fußt)

Beides ist Enthusiasmus:

  • Besessenheit durch Gott, aus: enthousiasmós:
  • in Gott sein: aus ἐν, en, „in“ und θεός, theós, „Gott“), als Vergottung?
In-Sein: Besetzung
  • Menschen leben in Metaphern
  • Raum ist mehr als Metapher (Derks)
Etwas-in-mir: Besessenheit

Subjektiv- und objektiv-örtlich

Um eindeutig festzulegen, welche Örtlichkeit gemeint ist, unterscheide ich zwischen einer subjektiven und objektiven Örtlichkeit.[10] Die Örtlichkeit ist objektiv, wenn sie sich auf eine dimensionalen Raum mit einem objektiven Ruhepol bezieht. Die Örtlichkeit ist subjektiv, wenn der Ort des eigenen Leibes gemeint ist, der selbst spürbares Zentrum von Ruhe oder Unruhe sein kann.

Der Prozess, in dem die subjektive sich zur objektiven Örtlichkeit entwickeln kann ist die Entfaltung der Gegenwart:

Diese Entfaltung der Gegenwart durch Freisetzung der Einzelheit geschieht nach fünf Seiten: räumlich durch Einbettung des absoluten Ortes, des Hier der primitiven Gegenwart, in ein System relativer Orte, die sich durch Lagen und Abstände gegenseitig bestimmen; ... (S-F 110f)

Die Entfaltung der Gegenwart ist also der Prozess, in dem sich eine subjektive Örtlichkeit in ein System relativer dimensionaler Orte entfaltet. Diese Entfaltung wird später als Phänomen der Verortung genauer phänomenologisch beschrieben und zu untersuchen sein.

Zeitlosigkeit

  • Zeitlosigkeit als Verräumlichung der Zeit in der Physik
    • Es geht nicht darum die Zeit zu verräumlichen, wie es der Physik mit der vierdimensionalen Raumzeit gelingt, sondern sie als Ergebnis einer Richtung zu verstehen, die aus topischen Verhältnissen entsteht.
  • Zeitlosigkeit als erfahrbare von überzeitlichen Anwesenheiten

Topologische Phänomenologie

  • Was ist ein Phänomen?
  • Inhalt eines Phänomens
  • Beziehung zum Phänomen
  • Aktive Verortung des Phänomens
  • Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung

Phänomenologischer Zugang

Was ist ein Phänomen?

Eine Phänomenologie, wie sie hier vertreten wird, übernimmt den Sachverhaltsbegriff des Phänomens aus der Neuen Phänomenologie:

Ein Phänomen ist für jemand zu einer Zeit ein Sachverhalt, dem der Betroffene dann den Glauben, dass es sich um eine Tatsache handelt, nicht im Ernst verweigern kann. Ein Phänomen ist also doppelt relativ,

  • auf einen Menschen
  • und für eine Frist.
... Man kann sogar nie mit abschließender Sicherheit wissen, ob man ein Phänomen gefunden hat. ... Allerdings kann die Evidenz im Augenblick so überwältigend sein, dass sie alle Bedenken niederschlägt. (S-DieP 27)

Ein Phänomen ist also eine subjektive Erfahrung, die so sehr am eigenen Leib erfahren wird, dass man sie als subjektive Tatsache nicht ernsthaft leugnen kann. Eine subjektive Tatsache muss nicht mit den intersubjektiven oder vermeintlich objektiven Tatsachen übereinstimmen und kann sogar dazu im scheinbaren Widerspruch befinden. Die Qualität, eine subjektive Tatsache zu sein, büßt sie dadurch keineswegs ein.

Damit rückt eine hier verstandene Phänomenologie näher an das unmittelbar erlebte Phänomen und distanziert sich bewusst von dem Transzendentalismus Husserls.

  • Aufhebung der klassische Unterscheidung zwischen intra- und extra-dermale Phänomenen

Das Fehlen eines Begriffs besagt nicht das Fehlen des Phänomens. (GR-IE_II2 117)

Ein Phänomen ist einfach gesagt "etwas, das sich zeigt", "etwas, das sichtbar wird", "etwas, das unter vielen anderen sichtbaren Ereignissen oder Dingen besonders hervorsticht". Das Hervorstechen geschieht, wenn zwischen dem Ereignis und dem Betrachter eine Beziehungsdichte entsteht, die dieser Begegnung Bedeutung schenkt und die Beteiligten "berührt". Ein Phänomen ist nicht per se ein Phänomen, sondern wird erst durch den Akt einer beziehungsstiftenden Wahrnehmung zu einem solchen. (AK-SN 46)

Der reduktionistische Ansatz: Das Phänomen auf einen Begriff bringen

Wir sind darin geschult darin, Phänomene 'unter' (oder 'auf') einen Begriff zu bringen, mit dem wir denken, es begreifen zu können. Der Begriff wird zum instrumentellen Hilfsmittel, um das Phänomen aus einem leiblichen Erfahrungsraum zu in einem Denkraum zu übertragen und dort auf den Punkt zu bringen und zu klassifizieren. Wir erlauben uns häufig nur, Phänomene durch Begriffe zu begreifen, aber nicht durch andere Arten des Zugangs.

Zunächst transformieren wir also lebensweltliche Phänomene in abstrakte Begriffe und dann wirken wir mit den abstrakten Begriffen auf die Lebenswelt, um in ihr bestimmte Gegenstände zu identifizieren. Das ist eine Arbeitsweise des Gestaltkreises, der von abstrakten Begriffen als Basis ausgeht, um einen konkreten Gegenstand zu identifizieren, etwa einen Baum. Streng genommen gibt es keinen Baum – als 'Idee' – in der Lebenswelt, sondern nur einzelne individuelle 'Wesen', denen wir den Namen Baum gegeben haben. D.h., es handelt sich um Phänomene, die sich – aufgrund unserer Einigungsverfahren – durch den Begriff des Baumes als Bäume identifizieren lasen. (GR-LuS 50)

Multiplizität der Räume: Stellung zur Naturwissenschaft

Der Konstruktivismus versucht die Multiplizität der Räume durch die Singularität des naturwissenschaftlichen Raumes zu beweisen. Ein typischer Kategorienfehler.

Eine entscheidende und vielleicht erstaunliche Konsequenz der Ortsraum-Perspektive besteht darin, dass es letztlich in ihm gar keine 'Gefühle' gibt; allenfalls Gefühls-Indikatoren, die darauf hinweisen, dass es trotzdem Gefühle gibt. Doch wenn sie nicht im Ortsraum sind, der im materialistischen Weltbild als 'wahre Wirklichkeit' mit dem größten Wirklichkeitsgehalt ausgestattet erscheint, wo sind sie dann? (GR-LuS 292)

Siehe: #Parallelräume

Primäre Seinsgewissheit subjektiver Tatsachen

Die subjektive Betroffenheit des Schmerzes drängt sich ihm mit seingewissheitlicher Evidenz auf, also mit der Gewissheit, dass er betroffen ist. Dabei findet ein eigentümlicher Identifikationsprozess mit dem Schmerz statt, der vom Schmerz ausgeht und sich der Person unangenehm und ungefragt aufzwingt. Die Person 'hat' dann Schmerzen, aber eigentlich 'hat' zunächst der Schmerz die Person. Man 'ist', so wurde gesagt, beim Schmerz mit diesem identifiziert, und zwar so, dass man das unabweisbar spürt. Subjekt und Schmerz bilden ein 'ganzheitliches verschmelzendes Erleben vorgängiger Identifikation'. (GR-LuS 61)

Objektiv sein kann ich immer nur, wenn ich Objektivität herstelle, d.h. mich darum bemühe, etwa durch das Einnehmen von erlernten Standpunkten oder Prozessen der Objektivierung. Subjektiv bin ich 'immer schon', d.h. vorgängig. Subjektivität braucht man nicht und kann gar nicht hergestellt werden. (GR-LuS 75)

Wir sind zuerste Subjekte und lernen dann zu objektivieren. (GR-LuS 76)

Die Direktheit des Spürens subjektiver Tatsachen ist von höherer seinsgewissheitlicher Evidenz – also von einem höheren Wirklichkeitsgehalt – als die Zuschreibung von Tatsachen, die immer nur indirekt erfolgt. ()

Unterscheidung in Innen- und Außenwelt

Räumliche Lokalisierung der Gefühle

  • Wo sind die Gefühle ?
    • Drinnen: lokalisiert in der Innenwelt: Innenwelt-Dogma
    • Draußen: lokalisiert in der Körperwelt: Physiologismus
    • Weder-Noch: Trennung zwischen Innen- und Außenwelt wird in Frage gestellt.

Wir sind gewohnt zu denken, dass die primäre Unterscheidung zwischen einer je subjektiv erlebten Innenwelt und der objektiv messbaren Außenwelt vollzieht. Die Annahme, dass es einen "Innenwelt" gibt, die einer "Außenwelt" gegenübersteht, wird als Innenweltdogma bezeichnet und von Schmitz wie folgt gefasst:

Das Innenweltdogma, dem von Demokrit bis (ausschließlich) zur Richard Avenarius alle Philosophen und seit diesem fast alle Philosophen anhängen, wurde ... folgendermaßen gefasst:

Für jeden Bewussthaber zerfällt die Welt in seine Innenwelt und seine Außenwelt mit der Maßgabe, dass ihm ein Gegenstand seiner Außenwelt höchstens dann zu Bewusstsein kommt, wenn dieser Gegenstand in der Innenwelt des Betreffenden mindestens einen Vertreter hat. (S-HuH 90)

Topisches Denken versucht dieses Innenweltdogma zu überwinden, durch den Aufweis, dass wir uns schon immer in Situation im draußen befinden, und es also einen Zustand gibt, der quer zu dieser Unterscheidung zwischen Innen und Außen liegt. Topisches Denken ist daher nicht konstruktivistisch in dem Sinne, dass wir alles was wir erleben nur im Inneren konstruieren. Das Erlebte ist zugleich die Stimmung in der wir uns prädimensional befinden. Zur Beschreibung einer prädimensionalen Räumlichkeit ist der Unterschied zwischen einer Innenwelt und einer Außenwelt wenig hilfreich.

Topisches Denken heißt daher auch nicht, dass Gedanken und Gefühle sich in einem Container befinden, sondern wir befinden uns primär als leibliche Wesen in einer Situation und sind ihr in vielen Fällen einfach ausgesetzt.

In der europäischen modernen technologischen Kultur hat sich die Innenwelt gleichsam als "Abfall-Eimer" ausgebildet, in den all das gesteckt wird, was nicht in das Körper-Raum-Modell passt, sondern beim Reduktionsverfahren 'abfällt' (Schmitz) und nicht gänzlich geleugnet werden kann. Dabei wird die Grenze zwischen Innen- und Außen-Welt immer stärker durch das Körpermodell bestimmt, das die Trennlinie vorgibt. (GR-LuS 278)

Der Sonderweg der europäischen Gefühlsauffassung wird von zwei unterschiedlichen Strategien bestimmt, die Gefühle zu konzeptualisieren:

  • Zum einen von dem metaphysischen Weltbild, in dem die Seele eine Art Behälter der Gefühle ist,
  • zum anderen von physiologischen Erfassungsversuchen.
Die Ausgestaltung der metaphysischen Sicht vollzog sich bis in die Moderne hinein anhand metaphorischer Redewendungen vom menschlichen Inneren, das als 'geistig' oder 'seelisch' dem Körper gegenübergestellt wurde. Währen der Körper örtlich, im Außenraum lokalisierbar ist, hat die Seele als Innenwelt eigentlich keinen Ort, zumindest nicht im 'Ortsraum' der Naturwissenschaften (...). Descartes sprach ihr eine teilbare Ausdehnung ab; und bis heute bemüht man sich umsonst, sie in der Welt der Moleküle und Atome nachzuweisen. (GR-IE_II2 113)

Jedenfalls ist es dem großen Einfluss der platonischen Seelenvorstellung zu verdanken, dass das Innenwelt-Dogma zu einer anthropologischen Leitvorstellung aufstieg, die sich mit dem von Demokrit eingeleiteten atomaren Physikalismus und seiner Spielart des Physiologismus zu der die Neuzeit prägenden Modellvorstellung von Körper und Seele (bzw. Geist oder Bewusstsein) verband. (GR-IE_II2 127)

Körperraum und ortslose Seele
Selbsterzeugte Systemgrenzen: Autopoiese

Beide Positionen, die Innerweltliche und die physiologistische gehen also von einer klaren Unterscheidung zwischen Innenwelt und Außenwelt aus. Historisch gesehen zählt diese Unterscheidung mit zu jenen von der europäischen metaphysischen Philosophietradition geprägten Grunddogmen, die ihren Weg so in den Alltag gefunden haben, dass sie nicht mehr als Konstruktionen durchschaut, sondern für selbstverständlich gehalten werden. (GR-IE_II2 113)

... dass sie die Grenzen dieser Einheit erzeugen. (Maturana in : GR-IE_II2 125)

Insbesondere Maturana hat dazu wichtige Überlegungen angestellt, verlegte er doch die Differenz von Innen- und Außenwelt ins System. Sein 'autopoietisches' Nervensystem 'macht' nicht nur sich selbst, sondern auch seine Umwelt, dass unsere Umwelt im Gehirn konstituiert wird. Indem Maturana die Umwelt des Systems zum Teil der Systemproduktion machte, glaubte er auf ein restrealistisches Fundament verzichten zu können. (GR-IE_II2 150)

Bei einem geschlossenen System existieren Innen und Außen nur für den Beobachter, nicht für das System. (Maturana in: GR-IE_II2 151)

Bei Maturana bleibt das Problem, wie die Reize ins System gelangen, letztlich ungelöst, ... (GR-IE_II2 151)

Unterscheidung zwischen Internalisierung und Introjektion

Damit zeichnet sich ein wesentlicher Unterschied ab:

  • Einmal die – auch interkulturell relevante – auf leibliche Regungen beruhende und an leiblichen Zentren als ihren Verdichtungsbereichen sich orientierenden Internalisierung der Gefühle;
  • zum anderen die kulturspezifische Introjektion der Gefühle, also ihre Hereinnahme in eine hierarchische Innenwelt, in der sie von der 'ideal' verstandenen Vernunft besser kontrolliert werden konnten.
Dieser wichtige Unterschied zwischen (platonischer) Introjektion und (allgemeiner) Internalisierung wird bis heute in weiten Teilen der modernen Forschung zu wenig beachtet, was u.a. mit der Kritik an Fränkel (und Snell) zusammenhängt. (GR-IE_II2 116f)

Dabei macht die Rede vom Inneren phänomenologisch durchaus einen gewissen Sinn, denn sie beruht nicht gänzlich auf Konstruktion. Wir spüren leibliche Orte, an denen die Gefühle 'ansetzen', d.h. mit besonderer Kraft zur Wirkung kommen. Diese bilden Zentren des Leibes, unter denen insbesondere das Herz oder die Leibesmitte hervortreten. An bzw. in diesen Leibeszentren lassen sich viele Gefühle lokalisieren. (GR-IE_II2 113f)

Platon internalisierte nicht die Gefühle in einem leiblichen Inneren (wie z.B. dem homerischen thumos), sondern er introjizierte sie geradezu in seine zuvor zu diesem Zwecke eigens entworfene Seele. (GR-IE_II2 121)

Zu betonen bleibt aber, dass es sich um eine kulturspezifische Entwicklung handelt, – um einen europäischen Sonderweg –, die sich weder in den vor-demokritischen philosophischen Fragmenten noch in großen Teilen des Hellenismus – also weder der frühen Stoa noch bei Epikur – und auch nicht in China nachweisen lässt. (GR-IE–II2 122)

Ersetzt man die Introjektion durch einen Prozess der Ausbildung leiblich-mnemonischer Dispositionen, wird die Innen-Außen-Problematik entschärft. Das "Nein" der Mutter wird nicht introjiziert, sondern über mimetische Identifikation leiblich dispositional internalisiert. (GR-IE_II2 733)

Ontologisierung der Gefühle als Atmosphären

  • Schmitz: Gefühle sind so präsent wie Landstraßen.
  • Kritik von Fuchs
  • Erläuterung von Rappe (S. 53ff)

Schmitz suchte über Heideggers Stimmungsbegriff hinaus verschiedene Formen von Gefühlen begrifflich zu präzisieren und entwickelte dabei eine ontologisierende Auffassung der Gefühle als "randlos ergossene Atmosphären". Nach dieser "sind Gefühle überhaupt nicht subjektiv im Sinne von Seelen- oder Bewusstseinszuständen, sondern als überpersönliche, ergreifende Mächte oder Atmosphären räumlich ergossen und so dem phänomenalen (nicht: dem physikalischen), leiblich spürbaren Wetter oder Klima vergleichbar, zugleich aber deutlich unterscheidbar vom affektiven Betroffensein einzelner Subjekte, die durch sie leiblich heimgesucht werden" (1983, 21). (GR-IE_II2 51)

Eher geeignet, ein kritisches Licht auf die schmitzsche Ontologisierung der Gefühle zu werfen, ist die Bemerkung von Fuchs (2000, 227), die Ontologisierung der Gefühle liefe auf die "absurde Konsequenz hinaus, dass alle Gefühle überall ständig im Raum präsent sein müssten". Hier scheint tatsächlich ein Explikationsbedarf zu bestehen, denn die Behauptung der ontologischen Eigenständigkeit von Gefühlen als im Raum befindlicher Atmosphären ist tatsächlich eine – wenn auch spannende – 'Zumutung'. Von philosophischer Seite her darf man durchaus mit solch ungewöhnlichen Vorstellungen sympathisieren, und es lohnt sich, diesen noch etwas weiter nachzugehen. (GR-IE_II2 54)

Zwar sind die Ausführungen von Schmitz durchaus anregend und können helfen wesentliche Aspekte antiker Weltbilder weit besser zugänglich zu machen, als dies die innenweltlichen Auffassungen tun, doch muss das Postulat der ontologischen Eigenschaften von Gefühlen als Subjekt unabhängige Atmosphären skeptisch betrachtet werden. Seine Theorie berücksichtigt m.E. die individuellen Unterschiede bei der Gefühlswahrnehmung zu wenig – in der Richtung stimmt mein Argument also mit dem Ansatz von Fuchs überein, ist aber in der Ausführung unterschiedlich. Der zentrale Punkt liegt in der Frage nach der Interpretation des atmosphärischen Gehalts bzw. im Problem der mnemotechnischen und ethischen Organisation des Menschen in ihrem Einfluss auf die Wahrnehmung. Dieser bleibt bei Schmitz ebenso 'unterbelichtet' (...), wie die Frage nach konstitutiven Unterschieden der menschlichen Sensitivität. Der explikatorische Bedarf, der sich daraus ergibt, entsteht hauptsächlich aus einer Vernachlässigung der mnemonischen Schienung und Überformungen der Wahrnehmung durch erworbene Dispositionsgeflechte, die nach dem Prinzip der gleichursprünglichen Konstitution die Dynamik des Prinzips der umgekehrten Korrelation genetisch verschleiert wesentlich mitbestimmen. Durch sie wurden Interpretationskonstrukte leiblich inauguriert, die zu perspektivischen Verzerrungen führen und den Intensitätsgrad des Gefühls wesentlich beeinflussen. Man hat bei Schmitz den Eindruck, dass die Ergriffenheit von einem Gefühl und insbesondere von der "reinen Stimmung" die personale Entfaltung immer gänzlich aufhebt. Dies ist aber nur im Fall besessenheitsartiger Ergriffenheit oder vielleicht bei sehr extremen Gefühlen der Fall. Ansonsten bleibt nach dem Prinzip der gleichursprünglichen Konstitution durch die Reflexivität der Distention immer ein Rest des personalen Pols bestehen, durch den sich das Gedächtnis gestaltkreishaft zwischen die leibliche Resonanz und den erregenden Eindruck schiebt. Damit bleiben selbst die reinsten Stimmungen nicht nur immer individuell getönt, sondern schon die Ergreifbarkeitsschwelle wirkt 'filternd'. (GR-IE_II2 56f)

Schmitz ging es zunächst um eine möglichst deutliche Erarbeitung der Gefühle als Phänomene und eines Ergriffenheitsprofils, das sich an ihren Wirkungen aufweisen lässt. Dazu musste er sich auf Extremfälle konzentrieren, denn nur diese bieten die Chance, eine hinlänglich allgemeine Ebene zu erreichen, von der aus Rückschlüsse auf den Alltag gezogen werden können. Dass er dabei vielleicht etwas über das Ziel hinausschoss, kann auch mit der extremen Stärke und Verbreitung der Gegenposition erklärt werden, deren Durchbrechung schon eine gewisse provokative Kraft erfordert. (GR-IE_II2 57)

Historische Alternativen zum Innenweltdogma

Die passiones werden zu seelischen Zuständen, die sich unter dem "Eindruck" bestimmter Begegnungen bilden, als flüchtige Stimmungen oder als beständige Spur und Prägung. Die Worte Ergriffenheit und Besessenheit, wie wir sie heute verwenden, halten diesen Sinn fest, ohne dass wir an handelnde Mächte denken müssten. Die historische Umwandlung des kosmologischen in den psychologischen Code vollzog sich im 17. Jahrhundert. (FR-DrF (Friedrich Kramer: Der Rote Fels) 67)

Siehe: Zutt: Ergriffenheit und Bessenheit

Die Adjektive besessen, erfüllt und ergriffen bezeichnen seelische Zustände, die wir weder für normal noch für krankhaft halten. In allen drei Fällen sprechen wir nicht von Handlungen, sondern von passiones; einmal erscheint der Mensch als eine Art Reittier, besessen von Vorstellungen oder Leidenschaften, das andere Mal als Gefäß, erfüllt von Empfindungen, schließlich als ergriffen von Erhabenem, wobei vor allem letzteres heute nur noch in gehobener oder ironisch distanzierender Rede gesagt werden kann. Trotz der passivischen Formulierung äußert sich jeder der drei Zustände in je eigenen Verhaltensweisen, die wir allerdings nicht uneingeschränkt als bewusste und willentliche Handlung auffassen. (FK-DrF 68)

In den älteren Schichten der Terminologie religiöser Erfahrung stehen sich beide Begriffe [Ergriffenheit und Enthusiasmus] noch ziemlich nahe und sich zum Teil gegeneinander auswechselbar, sie bezeichnen zwei variable Aspekte des Enthusiasmus, des von einem Gott oder Dämon oder Geist Ergriffen-, Erfüllt-, Besessen-Seins. (Ernst Benz in: FR-DrF 66)

Kritik am Innenweltdogma

Gegen das Dogma von ontologisch vorgegebener Innen- und Außenwelt wandten sich mehrere Denker, obwohl man insgesamt gesehen den Eindruck hat, dass viele heutige Autoren, die sich mit den Gefühlen beschäftigen, diese Diskussion ignorieren. Neben der oben angeführten Position Nietzsches waren es vor allem die Empiriokritizisten Avenarius und mach, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts – allerdings ohne Aufarbeitung der historischen Entwicklung – die Innen-Außen-Unterscheidung angriffen. (GR-IE_II2 152)

Die Durchlässigkeit der Person für das sie umgebende Atmosphärische gibt dem Leib seine Fähigkeit als Medium der Resonanz zurück oder entfaltet diese erst eigentlich. Findet keine entpersonalisierende 'Entlastung' der Person statt, dann verfestigen sich ihre Rollen zu jenem starren Korsett, das isolierend wirkt und Entfaltung nicht mehr fördert, sondern verhindert. (GR-IE_II22 650)

Introjektions- und Projektionsthesen brauchen einen erheblich größeren Aufwand, um die für den 'Primitiven' zunächst evidenten Auffassungen zu erklären, und scheitern an einer zu radikalen Grenzziehung zwischen Innen- und Außenwelt. Für ihren vermeintlichen Erkenntnisfortschritt zahlen sie also einen hohen Preis. (GR-IE_II2 352)

Das bedeutet erneut, dass ein großer Teil dessen, was wir heute in unser innenweltliches Gedächtnis ablegen, in frühen Zeiten 'außenweltlich' lokalisiert wurde, sich nämlich im Kosmos abspielte. (GR-IE_II2 354)

Mit der Trennung der einen Welt, in der die Geister wie die Gefühle den Menschen aus der Situation heraus ergreifen können, in zwei Welten, nämlich die durch die Sinne vermittelte Außen- und die Innenwelt des Menschen, vergrößerte sich auch der Spalt zwischen dem göttlichen und menschlichen Geist. (GR-IE_II2 381)

Siehe: Innenweltdogma

Unterschied zwischen Körper und Leib
  • Unterscheidung zwischen objektiv notwendiger Bedingung und subjektivem spürbarem Befinden, das intersubjektiv kommunizier- und behandelbar ist

Und doch bleibt ein relevanter seinsgewisseheitlicher Unterschied zwischen objektiv-körperlichen Voraussetzungen und subjektiv-leiblichem Gefühl. Sicher: Ich höre mit dem Ohr – aber nicht mein Ohr hört, sondern ich. (GR-LuS 295)

Leibliches Spüren als absoluter Ort der Subjektivität
  • Die Erweiterung des Sinnlichen durch die Leiblichkeit (Hasse 105)
  • Leib als mein Ort des In-der-Welt-Seins

Schmitz, der als der eigentliche Begründer eine neuen Leib-Phänomenologie gelten kann (GR-LuS 68)

Die Identitätsverschmelzung von mir und meinem Körper meint eigentlich das leibliche Spüren, ... Der jemeinige subjektive Körper ist mein Leib. (GR-LuS 77)

Derjenige Körper, dessen Veränderungen meine Veränderungen sind, dieser Körper ist mein Körper, und der Ort desselben ist zugleich mein Ort. (Kant in GR-LuS 74)

Diesem gegenüber ist im Leib-phänomenologischen oder 'gespürten' Sinn mein Leib 'mein Ort in der Welt' bzw., 'der Ort meines Ichs', also von mir als 'Subjekt' oder als 'Selbst-Bewusstsein'. (GR-LuS 79)

... fallen Seele und Körper in einen Ort – 'der Person' – zusammen und können nicht mehr klar geschieden werden. ()

Damit ist man auf das Subjekt als leibliches Welt-Zentrum und den Leib als zentraler Ort der Wahrnehmung verwiesen, also dort, wo man ist, wenn man sich etwa angerufen fühlt. Kant empfahl weiter, sich an die "gemeine Erfahrung" zu halten und vorläufig zu sagen:
Wo ich empfinde, da bin ich.

Dies kann man als Erkenntnis seinsgewissheitlicher Evidenz bezeichnen, die mich gleichsam in meinem Empfinden konstituiert. ()

Doch erst die Phänomenologie erarbeitet sie so, dass sie breitere wissenschaftstheoretische Relevanz gewann.

  • So sprach um den von Kant im obigen Zitat angesprochenen Aspekt der leiblichen Lokalisierung des Menschen – 'meinen Ort' – in seiner Umgebung, also im leiblichen Raum zu betonen,
  • dann Husserl vom "Nullpunkt" der Orientierung und
  • Plessner (...) vom "absoluten Ort" und dem "Hierpunkt", von dem aus die Umgebung strukturiert werde.
  • Schon Bergson (...) hatte im Körper das "Zentrum von Handlungen" und "von Aktivität" gesehen, wobei er (...) bemerkte, dass dieses "sich von allen anderen dadurch abhebt, dass ich es hier nicht nur von außen durch Wahrnehmung, sondern auch von innen durch Affektionen kenne", nämlich als: "meinen Leib."
    Diese Ansätze, die subjektive Dimension des Leib-Erlebens immer klarer in den terminologischen Griff zu bekommen, dienten dann dazu, den Begriff Körper vom Begriff Leib klarer zu unterscheiden. (GR-LuS 84)

In China:

Das Innere wurde nicht als Seelenbehälter sondern als leiblicher Ort des Spürens beschrieben, ohne dass man diesem eine Außenwelt ontologisch gegenüberstellte. Es handelte sich um eine Sicht, die eher an das oben besprochene "offene Kraftfeld" bei Fränkel erinnert, nämlich um eine Ebene, auf der sowohl die situativen Kräfte als auch die Gefühle lagen. Erst wenn diese den Menschen besonders intensiv trafen, wurden sie ausdrücklich im Inneren lokalisiert, wobei das Herz (xin) als Ansatzort eine ähnliche Rolle spielte, wie der thumos (die kardie oder die phrenes) in Griechenland. (GR-IE II2 198)

Mittlere Position: Zwischen Ontologisierung und Introjektion der Gefühle

Siehe auch: #Gefühlskultivierung zwischen aktiver und passiver Haltung

  • Die Annahme von Schmitz, dass bestimmte Gefühle gleichsam ontologische Ding-Dignität im leiblichen Raum besitzen
  • und das Bemühen der 'psychologischen' Tradition, sie in einen irgendwie gearteten 'seelischen' Innenraum zu sperren,
erweisen sich so als zwei Extreme, die beide ihre Berechtigung, aber auch ihre eigenen Probleme mit sich bringen. Aus phänomenologischer Perspektive scheint es jedoch naheliegender, die Gefühle als Atmosphären im leiblichen Raum aufzufassen und die einschränkende Innen-Welt-Sicht aufzugeben, da zumindest von der phänomenologischen Analyse her ihre eigentümliche atmosphärische richtungsräumliche Gegenständlichkeit deutlich herausgearbeitet werden kann. (GR-LuS 316)

Gegen die Ontologisierung der Gefühle

Die Belege für die These, dass es sich bei Gefühlen um Atmosphären und objektive Phänomene handelt, sind ... allenfalls teilweise überzeugend. Sie liefern zwar zahlreiche Anhaltspunkte für eine Relativierung psychologistischer Theorien des Gefühls, ob sie darum schon die Auffassung rechtfertigen, dass Gefühle als Atmosphären auf objektive Weise im Raum existieren, bleibt fraglich. Keines der von Schmitz' angeführten Indizien stützt die Auffassung, dass es sich bei Gefühlen um Atmosphären mit objektivem Charakter handelt auf zwingende Weise. (Demmerling in AE-GaA 50f)

Das bedeutet, dass wir die Mächten nicht als Wesenheiten auffassen dürfen, als ausgedehnte, an einen Ort gebundene Körper oder Substanzen, und das menschliche Selbst nicht als unabhängige Einheit; die Mächte wirken als Subjekte in der Welt und im Menschen. (FK-DrF 65)

Leibliche Filterung von Phänomenen

Aus modernen, erkenntnistheoretisch erweiterter phänomenologischer Sicht muss mit aller Deutlichkeit klargestellt werden, dass weder Engung noch Weitung des Leibes 'als solche', also 'ungefiltert', erfahren werden können, sondern dass sie sich – wie jede leibliche Regung – vorgängig personal und kulturell imprägniert präsentieren. (GR-LuS 215)

  • die erkenntnistheoretisch eher 'naive' Phänomenologie von Schmitz

Der Erwerb von Dispositionen ... findet durch 'einschleifen' und 'einwachsen' statt. (GR-LuS 215)

..., doch solange das individuelle Bewusstsein besteht, bleibt das Erleben vorgängig 'gefiltert'. Und diese Filterung durch erworbene leibliche Dispositionen, welche die Subjektivität und das subjektive Erleben betrifft, ... (GR-LuS 216)

Trotzdem bleibt festzuhalten, dass zwar der Leib Basis der Wirklichkeit ist, die sich im Erleben mit seinsgewissheitlicher Evidenz aufdrängt, doch handelt es sich dabei nicht um einen 'direkten', 'ungefilterten' Zugang, der etwas präsentiert, was auch für andere so sein muss, wie man es selbst erfährt. Statt dessen handelt es sich zumindest normalerweise nur immer um einen restrealistisch' 'gefilterten' Zugang. (GR-LuS 217)

Jede Wahrnehmung eines Phänomens beinhaltet Aspekte der eigenen Konstitution des Wahrnehmenden, die vorgängig eingemischt werden. (GR-LuS 218)

  • dispositionaler Schienungen und Filtern
  • leiblich verwachsene Dispositionsgeflechte
  • konstitutive und erworbene Dispositionen

..., so dass alles was wir personal wahrnehmen, bereits subjektiv und individuell gefiltert wurde. (GR-LuS 316)

Hier begegnen sich Konstruktivismus und Phänomenologie: egal ob die Filterung konstruktivistisch oder phänomenologisch begründet wird, es gibt keinen reinen Zugang zur Wirklichkeit.

Leibliches Fühlen fremder Gefühle
Person als Kraftfeld

Bei der Internalisierung geht es nicht um das Hineinstecken von Gefühle in eine Seele, sondern um ein Betroffensein bis in die 'Tiefen' der Leiblichkeit hinein; um ein 'Verinnerlicht-haben' einmal im Sinn der Aneignung und Einverleibung von etwas, um zum anderen in dem eines konkreten Ortes, an dem etwas verspürt wird, also beispielsweise 'im' Herzen als Leibeszentrum. Insofern also aktuell leibliche Regungen lokalisiert werden ... ist die Rede sinnvoll. (GR-IE_II2 123)

... ein offenes Kraftfeld inmitten anderer Kraftfelder ... (Fränkel 606)

Das Ich ist nicht abgekapselt sondern ein offenes Kraftfeld. (Fränkel: Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums. S. 89)

Die Person als Kraftfeld. In der Ilias wird die Person verstanden nicht als etwas das sich mit seinem Innenleben gegen die Außenwelt absetzt, sondern als offenes Kraftfeld, dessen Kraftlinien der Wirkung in die Umwelt hinausziehen ohne Schranken, und das auch ohne Schranken zugänglich ist, für das was der Person widerfährt. (Fränkel: Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums: S. 601)

Wenn so der Mensch wie ein Kraftfeld ist, dessen Linien in Raum und Zeit hinausziehen ohne Grenzen und Schranke, so können ebenso gut ungehindert auch andere Kräfte in ihn hinein wirken, ohne dass es Sinn hätte zu fragen, wo das Eigene anfängt und das Fremde aufhört. (Fränkel 1951, S. 113. Zit.n.: GR-IE_II2 115)

Man kann keine Gefühle besitzen. Wenn wir etwas fühlen oder 'gestimmt' sind, dann 'haben' wir nicht eigentlich eine Stimmung oder ein Gefühl, sondern im Gegenteil, die Stimmung' oder das Gefühl hat uns. (GR-LuS 277)

Wir sind das Gefühl, wir sind gestimmt, und wir sind unser Schmerz; und dass wir Gefühle, Stimmungen oder Schmerzen haben, setzt schon einen Prozess 'personaler Emanzipation' (Schmitz) voraus, bei dem die Person ihre Zustände in den Griff nimmt bzw. im Griff, unter Kontrolle 'hat' . (GR-LuS 277)

Um die Gefühlswahrnehmung zu erklären, dominiert in der europäischen Kultur einmal die physiologische Sicht, welche die Gefühle seit der Antike auf eine Art 'Stimmung des Körpers' zurückzuführen sucht, und heute neurophysiologische Theorien entwickelt, um ihre 'materialistische' Basis zu erweisen. Und zum Anderen gibt es die 'idealistische Position', die von der Existenz eines Geistes oder einer Seele ausgeht, welche sich als emergente Phänomene gegenüber einer naturwissenschaftlichen Erfassung 'spröde' zeigen. (GR-LuS 278)

Durchlässige Grenzen

Die Grenzen zwischen Innen und Außen waren bei Homer noch nicht so starr gezogen wie später, sondern durchlässiger. Leibphänomenolgisch betrachtet zeigt sich hier der Leib als Kraftfeld besonders deutlich. (GR-IE_II2 117)

Dabei ist, wie erwähnt, dieses Innere als Ansatzort der Gefühle zunächst nicht klar vom Außen getrennt, wie es bei der physiologischen Auffassung der Fall ist, sondern gegenüber der Situation weitgehend offen oder 'durchlässig'. (GR-IE_II2 123)

So ist der Mensch der Ilias ganz eingeordnet in seine Welt. Er steht nicht einem Außen gegenüber mit einer davon verschiedenen Innerlichkeit, sondern das Ganze trägt und durchdringt ihn; so wie er auch seinerseits mit seinem Tun, ja mit seinem Leiden, das Gesamtgeschehn durchtränkt. (Fränkel: Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums. S. 89)

Die Durchlässigkeit der Person für das sie umgebende Atmosphärische gibt dem Leib seine Fähigkeit als Medium der Resonanz zurück oder entfaltet diese erst eigentlich. Findet keine entpersonalisierende 'Entlastung' der Person statt, dann verfestigen sich ihre Rollen zu jenem starren Korsett, das isolierend wirkt und Entfaltung nicht mehr fördert, sondern verhindert. (GR-IE_II2 650)

An die Diskussion anschließend, lässt sich mit Blick auf Merleau-Ponty nach Frostholm (1978, 129) dessen Position so zusammenfassen, dass er "das Verhältnis von Innen und Außen als ein Spannungsverhältnis, bzw. als eine Begegnung in einer Situation oder in einem Feld" begriff, "in dem sich die beiden Momente gegenseitig" bestimmen. Auch hier trifft also wieder der Gestaltkreis hervor. "Inneres und Äußeres" seien "demnach zwar unterscheidbar, aber in gewisser Weise voneinander untrennbar". (GR-LuS 210)

S.a. Frostholm (1978, 161) zu Freuds Hinweis auf die "Unfruchtbarkeit" der Trennung. (GR-LuS 210)

Deskriptive Phänomenologie: Inhaltliche Beschreibung der Phänomene

Schmitz legt in der Neuen Phänomenologie viel Wert darauf, sich als Anwalt der unwillkürlichen Lebenserfahrung zu verstehen. Wichtiger, als sich mit den Ergebnissen des willentlichen Zurechtlegens zu beschäftigen, ist für ihn der Umgang mit den Unwillkürlichen, d.h. dem nicht willentlich beeinflussbaren Erfahrungen.

Gerade indem sich Schmitz vornehmlich auf die unwillkürlichen leiblichen Regungen achtet, möchte er ein Gegenkonzept zur Seele aufbauen, die als Haus oder Hausherr verstanden wird, der von einer zentralen Beobachterinstanz die eigenen unwillkürlichen Regungen fest im Griff hat.

Unwillkürliche Regungen werden als Hauptgegenstand der Phänomenologie verstanden, von dem man sich affektiv betroffen fühlt. Diese Betroffenheit wird zumeist passiv gedacht und mündet häufig in eine passive und meist beklagende Opferhaltung, sofern es sich um leidvoll erlebte Phänomene handelt.

Man kann Phänomene danach unterscheiden, ob sie als Einwirkung von außen oder als eigenleibliche Regung erlebt werden:

  • Einwirkung von außen: Phänomene, die den äußeren unwillkürlichen Prozessen d.h. einem äußeren Umstand zugeschrieben werden, wie z.B. einem plötzlichen Wetterumsturz, werden als bedrängend erlebt.
  • Eigenleibliche Regung: Phänomene, die den eigenen unwillkürlichen Prozessen zugeschrieben werden, können beliebige leichte oder auch schwere Symptome sein, leidvoll erlebt werden.

Wenn davon ausgegangen wird, dass beide Arten der Phänomene unwillkürlich sind und nicht direkt willentlich beeinflusst werden können, dann stellt sich die Frage, welche Beiträge die Phänomenologie bietet, damit in zieldienlicher Weise umzugehen.

In der Phänomenologie wurde bisher immer Wert darauf gelegt, alle Phänomene zu klassifizieren und in ein Ordnungssytem zu bringen. Schmitz nennt sein Alphabet der Leiblichkeit oder seine multifaktorielle Klassifkation der Gefühle. Eine hier verstandene Phänomenologie möchte sich damit nicht begnügen, da sie folgende Schwachstellen erkennt:

  • Alle Klassifikationen sind abhängig von der Sprache, in der sie geschehen, und können in anderen Sprache wieder anders sein. Daher spielt die Sprache bei der Klassifizierung eine besondere Rolle und muss selbst wieder phänomenologisch eingeholt werden.[11]Der Anspruch, eine sprachunabhängige Phänomenologie betreiben zu können, lässt sich dann aber nur schwer aufrechterhalten.
  • Der alleinig pathische Zugang zu den Phänomenen vernachlässigt die Chance, sich zu den Phänomenen aktiv in Beziehung zu setzen und die Wirkung dieser Beziehungsgestaltung wiederum phänomenologisch zu untersuchen. Da Philosophen selbst wenig Erfahrung bei der phänomenalen Veränderung von Symptomen haben, muss man sich hier Schützenhilfe bei Erfahrungsberichten aus der therapeutischen Praxis holen und diese in die Phänomenologie einfließen lassen. Wenn das gelingt kann man zurecht von einer genetischen[12] oder postklassischen[13] Phänomenologie sprechen.

Phänomenologische Dreistadienmethode

  1. Deskriptives Stadium: Ein Gegenstandsbereich wird durch möglichst genaue Umschreibung mit den Mitteln der üblichen Sprache aus der im angegebenen Sinn relativ trivialen Lebenserfahrung herausgehoben.
  2. Analytisches Stadium: Wiederkehrende und sich verschlingende Grundzüge des Bereichs werden herausgeschält und terminologisch fixiert.
  3. Kombinatorisches Stadium: Durch geeignete Kombination der Grundzüge in der festgelegten Terminologie werden komplexe Bestandteile des Bereichs rekonstruiert, auch als Probe auf die Zulänglichkeit der Analyse.

Nach diesem Muster habe ich

  • das leibliche Befinden (...),
  • die Gefühle
  • und die Räumlichkeit phänomenologisch durchforscht. (S-DuG 33)

Deskriptives Stadium

Ein Phänomenbezirk wird gekennzeichnet, d.h. ein Attribut wird angegeben, das ihm und nur ihm zukommt. Das gewählte Kennzeichen braucht nicht notwendig das, was man "das Wesen der Sache" nennen könnte, hervorzuheben, sondern darf allenfalls verhältnismäßig äußerlich sein, wenn es nur scharf und treffend den gemeinten Phänomenbezirk aussondert. Es kommt zunächst hauptsächlich darauf an, zu klären, was der Phänomenologe meint. (S-I 141)

Analytisches Stadium

Die charakteristischen Phänomene des gewählten Phänomenbezirks werden durch phänomenologische Betrachtung so zerlegt, dass ihre wesentliche Komponenten, ihre Hauptzüge hervortreten. Diese bilden sozusagen ein Alphabet, mit dessen Hilfe das betreffende Phänomengebiet nachbustabiert werden kann. Das zweite Stadium dient also der Ausarbeitung eines Kategoriesystems. (S-I 141)

Kombinatorisches Stadium

Durch geschmeidige Kombination der Kategorien werden die Phänomene des gewählten Bezirks rekonstruiert. Am Ende dieses Verfahrens steht für jedes so gleichsam buchstabierte Phänomen eine Realdefinition, die nicht wie eine Nominaldefinition willkürlich eine Wortbedeutung festsetzt, sondern den Erkenntnisgewinn zusammenfasst. Die Sprache der Untersuchung kann in diesem dritten Stadium durch Rückgriff auf das im zweiten erarbeitete Alphabet weitgehend normiert werden, während sie vorher in ihrer freien Ausdrucksmöglichkeit nicht beschränkt werden darf. (S-I 141)

Unwillkürliches leibliches Befinden

Besonderheit unwillkürlichen Verhaltens

An zweiter Stelle wird Humes Methode für die Phänomenologie durch die Unwillkürlichkeit der impressions wichtig, denn Phänomenologie ist das Bestreben, durch systematische Abschälung aller vom Belieben abhängigen Annahmen den harten Boden der Phänomene freizulegen, nämlich der Sachverhalte, die man jeweils als Tatsachen anerkennen muss, weil man sie nicht im Ernst bestreiten kann. (S-DuG 34)

Räumliche Klassifikation leiblichen Befindens
  • Enge und Weite

Räumlichkeit der Gefühle

  • Ganzheitlichkeit der Gefühle

Phänomenologisch betrachtet lässt sich zunächst die bereits mehrfach erwähnte 'Ganzheitlichkeit' feststellen, mit der Eindrücke imponieren. (GR-LuS 296)

  • Räumlichkeit der Gefühle: Das wesentlich Anliegen von Schmitz ist es, die Räumlichkeit der Gefühle zu beschreiben.

Das Gefühl imponiert in diesem 'situativen Sinn' atmosphärisch. D.h. es kann als eine Atmosphäre wahrgenommen werden, die einen beeindruckt, wenn man ein Zimmer betritt, oder etwas ein Lokal, indem fröhliche Ausgelassenheit herrscht, was Scheler als Beispiel anführte. Dabei muss ich noch keine Einzelheit klar abheben oder in den Vordergrund schieben, sondern man merkt zunächst einfach, dass eine gute Stimmung herrscht. (GR-LuS 297)

Hineingerissen-werden wie in einen fremden Raum

Das Hineingerissen-werden in einen fremden Raum hat auch Konsequenzen für die personale Topologie, d.h. lässt auch die unwillkürliche Anwesenheit in fremden Räumen leichter erklären. Dazu mehr bei dem Phänomen des eigenen Raumes.

Eine solche 'Ansteckung' als Hineingerissen-werden in eine Stimmung verdeutlicht deren räumlichen Charakter als eine Atmosphäre, in die man 'eintreten' kann wie in einen Raum; was wiederum Schmitz (1969) dazu veranlasste, vom "Gefühlsraum" zu sprechen. (GR-LuS 298)

Räumlichkeit: Subjektives Fühlen und quasi-objektive (topjektive) Gefühle

Durch die erlebte Räumlichkeit der Gefühle werden Gefühle auch eher als objektive Gegebenheiten erlebt, auch wenn sie subjektiv empfunden werden. Das legt die Unterscheidung zwischen dem quasi-objektive Gefühlen und dem subjektiven Fühlen nahe, die Schmitz nahelegt.

Mit der Räumlichkeit der Gefühle tritt wieder ihre 'Objektivität' hervor; zumindest im Fall des Betroffen-Seins als subjektive Tatsache.

In diesem Sinne ist das 'Drohende' eines Gewitters 'objektiv', wird aber subjektiv 'empfunden'. (GR-LuS 298)

Doch deshalb sollte man gerade auch ihr nicht einen räumlich-ausgedehnten atmosphärischen Kern absprechen, der als eine Art Halb-Ding imponiert und mittels entsprechender Dispositionen so individuiert wird, dass er ergreifen kann. (GR-LuS 289f)

Räumlichkeit lediglich als Enge und Weite sowie Richtung
  • Klassifizierung der Gefühle nach ihrer Räumlichkeit

Bei Schmitz wird der Gefühlsraum ausschließlich als Weite- und Richtungsraum verstanden. Darüberhinaus versucht er sich in einer Klassifikation der Gefühle, bei der auch nicht-räumliche Qualitäten wie Ruhe/Unruhe etc. eine rolle spielen.

Systemische Phänomenologie: Beziehung zum Phänomen bestimmt Wirkung

Die Phänomenologie wird systemisch wenn die Beziehungen zwischen Personen und Phänomen eine bedeutende Rolle spielen. Ein derartige systemische Phänomenologie legt Wert auf die Freiheit, sich für eine bestimmte Haltung oder Gesinnung zum Phänomen zu entscheiden.

Klienten suchen einen Psychotherapeut häufig deshalb auf, da sie unter unwillkürlichen Phänomenen wie z.B. einem Tinnitus leiden. Auch wenn Klienten häufig mit dem verständlichen Auftrag kommen, dass dieses leidvoll erlebte Phänomen "weg gemacht" werden soll, sind ähnliche Lösungsversuche, die dieses Phänomen beseitigen wollten, häufig bereits fehlgeschlagen. Sofern der Klient sich darauf einlässt, von dieser Art von "Killeraufträgen" abzusehen, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder erfolglos bleiben würden, schlägt der Therapeut vor, das unwillkürliche Phänomen zumindest für den Rahmen der Therapiesitzung als unveränderliche Restriktion zu definieren, und macht das Angebot, eine weniger leidvoll erlebte Beziehung zu dem Phänomen zu entwickeln. Alle Interventionen des Therapeuten zielen darauf ab, mit der Beziehungsänderung zum Phänomen die Wirkung des Phänomens aktiv zu ändern.

In vielen Fällen ist dieser Schritt, eine andere Beziehung zum Phänomen einzunehmen, der entscheidende Schritt für weniger subjektiv erlebtes Leid. Diese Änderung der Beziehungsgestaltung kann z. B. durch eine andere Bewertung, Benennung oder Erklärung des Phänomens erfolgen. Gerade wenn es gelingt, jedes Phänomen als Kompetenz für berechtige Bedürfnisse zu bewerten, dann können daraus viele Chancen für eine dauerhafte Veränderung der Wirkung des Phänomens erzielt werden.

Wenn eine philosophische Phänomenologie diesem Umstand des therapeutischen Umgangs mit leidvoll erlebten Phänomenen Rechnung tragen möchte, dann kann sie nicht bei einer beschreibenden Phänomenologie stehen bleiben, sondern muss sich zu einer relationalen Phänomenologie weiterentwickeln, in der die Beziehung zum Phänomen im Mittelpunkt der Betrachtung steht.

Dies ist in Ansätzen schon erfolgt, was man folgenden Stellen entnehmen kann:

Dabei findet ein eigentümlicher Identifikationsprozess mit dem Schmerz statt, der vom Schmerz ausgeht und sich der Person unangenehm und ungefragt aufzwingt. Die Person 'hat' dann Schmerzen, aber eigentlich 'hat' zunächst der Schmerz die Person. Man 'ist', so wurde gesagt, beim Schmerz mit diesem identifiziert, und zwar so, dass man das unabweisbar spürt. Subjekt und Schmerz bilden ein 'ganzheitliches verschmelzendes Erleben vorgängiger Identifikation'. (GR-LuS 61)

Dabei kann die Auseinandersetzung des Subjektes mit seinem Schmerz entweder in Richtung Schmerz-Ertragen und damit Schmerz-Bewältigung verlaufen, oder in Richtung Schmerz-Überwältigung, die keine Distanz mehr erlaubt, sondern einen – gleichsam 'tierisch' – leiden lässt. Diese Auseinandersetzung ist tatsächlich eine Auseinander-setzen von sich und dem Schmerz, da dieser zunächst die seinsgewissheitliche Identifikation des Zusammen-seins von ihm und seinem Subjekt erzwungen hat. (GR-LuS 62)

Dabei entscheidet die Stärke des Schmerzes bzw. die Intensität des Wirklichkeitsgehalts der Schmerz-Empfindung darüber, ob ich dem Schmerz unterworfen bleibe, oder ob ich mich von ihm lösen bzw. 'personal emanzipieren' (Schmitz) kann. (GR-LuS 62)

Siehe: Systemische Phänomenologie

Freilich kann eine aktive Beziehungsgestaltung nur für jemanden möglich sein, der gerade nicht von einem Phänomen völlig überrascht oder leidvoll betroffen wurde. Erst im Zustand der personalen Entfaltung ist eine aktive Beziehungsgestaltung möglich, es sei denn sie ist zuvor unwillkürlich trainiert.

Gefühlskultivierung zwischen aktiver und passiver Haltung

  • Beobachter
  • Patheur

Häufig befindet man sich jedoch zu den Gefühlen in einem seltsam schwankenden Verhältnis. Sie haben einen und man ist sie, aber oft nicht ganz. Es bleibt meist ein Rest an Reflexionsfähigkeit und personaler Distanz, der verhindert, dass man gänzlich an sie ausgeliefert ist. Dieser verweist auf das Prinzip der gleichursprünglichen Konstitution, durch das die Differenz von demjenigen, der fühlt, und dem, was gefühlt wird, etabliert wurde. Nur in den extremen, an die Besessenheit grenzenden Fällen scheint der personale Pol gänzlich dispensiert und der Mensch völlig im Gefühl 'untergegangen' zu sein. (GR-IE_II2 89)

Auch die 'Züchtigung' oder besser Kultivierung der Gefühle ist eine Möglichkeit des Umgangs mit ihnen, und es darf vermutet werden, dass sich hier mehrere Alternativen auftun. (GR-IE_II2 84)

Demgegenüber dient die Abstraktionsfähigkeit, also die intellektuelle Reflexion und Kompetenz dazu, die Macht der Gefühle zu 'brechen' und die Verfügungsgewalt zurückzugewinnen oder erst gar nicht aus der Hand zu geben. (GR-IE_II2 91)

... Zurückgewinn der personalen Festigkeit ... Das aber ist der Übergang vom Gefühl 'Ich bin traurig' hin zur Feststellung, 'ich habe ein Gefühl der Trauer'. Der entscheidende Aspekt besteht darin, dass die Person dabei nicht mehr als ein einheitliches Gefüge oder Kontinuum aufgefasst werden kann, sondern als ein auf semi-disparaten Aspekten beruhendes Spannungsgefüge, in dem die personale Identität erst errungen bzw. in der Auseinandersetzung mit dem Gefühl hergestellt werden muss. (GR-IE_II2 92)

..., denn indem wir ein uns betreffendes Gefühl erkannt haben, ist es – nach den beiden erkenntnistheoretischen Prinzipien von gleichursprünglicher Konstitution und umgekehrter Korrelation – bereits einer Vergegenständlichung unterworfen, die auf einer gedanklichen Distanz beruht und uns hilft, vom Zustand des Ausgeliefertseins in denjenigen der Beherrschung überzugehen. ... Allerdings ist der Erfolg der intellektuellen Gefühlsobjektivierung nicht immer garantiert. (GR-IE_II2 92)

Von hier aus wird der ambivalente Charakter jener Gefühle deutlich, die nicht vollständig überwältigen, sondern die Person in eine Auseinandersetzung mit ihnen engagieren. Dieser semidistanzierte Charakter einer nicht vollständig Besitz ergreifenden Identifikation mit einem Gefühl ... (GR-IE_II2 92)

Zum Fühlen brauche ich keinen pathischen Selbstbezug. Der ist notwendig um Distanz zu den Gefühlen zu bekommen. (GR-IE_II2 94)

Beide Konzepte, dasjenige der Geister und das der innerweltliche Abläufe, also sowohl die rein kosmologische Deutung als auch die Verfahren von Introjektion und Projektion können als Extremfälle durch die Leibperspektive mit ihren distentionalen Aspekten vermieden werden. (GR-IE_II2 356)

D.h. auch die emotionale Entfaltungsbewegung vollzieht sich durch den Erwerb von Umgangsweisen mit dem Gefühl, welche zwar nicht den Grad der technischen Durchdringung und Vergegenständlichung aufweisen wie das Denken, aber trotzdem die Sensibilität als emotionale Kompetenz schienen und spezifisch einschränken oder eröffnen. (GR-LuS 249f)

... die Frage nach der Stellung der Person gegenüber ihrem Gefühl, die sich durchaus als fragil erweist. (GR-LuS 323)

Denn einerseits müssen überhaupt erst Dispositionen und Gestaltkreisprozesse der Gefühlswahrnehmung ausgebildet werden, die es erlauben, ein Gefühl auch als solches zu identifizieren. Und zum anderen muss gleichzeitig erlernt werden, sich dem Gefühl entziehen zu können, sodass es gerade nicht zur Besessenheit, sondern zur stabilen Gefühlskontrolle kommt, die personales Agieren und insbesondere Verantwortung ermöglichen. (GR-LuS 323)

Wissen und Weisheit im Umgang mit Gefühlen

  • Philosophie als Lebenskunst
  • Primär-, Sekundär-, Fremdgefühle

..., dass eine einseitige personale Entfaltung nur in die Entfremdung der Subjektivität führt. (GR-LuS 282)

Geschieht jedenfalls kein Aufbau einer personalen Kompetenz im Umgang mit Gefühlen, bleibt man ihr Sklave und diese von dämonischer Kraft; was übrigens auch für den Intellektuellen gilt, der lediglich glaubt, 'alles im Griff' zu haben. Die Macht der Gefühle, so wurde schon angedeutet, kann auch unbewusst wirken, sodass selbst jemand, der Gefühle verachtet und sich verstärkt rational zu bestimmen sucht, ihnen unterworfen ist; etwa schon dadurch, dass Verachtung ein Gefühl ist. (GR-LuS 283)

Alle diese Aspekte weisen darauf hin, wie wesentlich die mnemonische Potenz und ihre Disponierung für die Gefühlswahrnehmung sind. (GR-LuS 283)

Ohne das Prinzip der gleichursprünglichen Konstitution von Subjekt und Objekt ist keine Gefühlserkenntnis möglich, d.h. die Gefühlswahrnehmung vollzieht sich unindividuiert. Erst der Subjekt-Pol ermöglich ein individuiert-identifizierbares Gefühl von selbst-indizierender Kraft. D.h. ohne Subjekt-Pol kann die Gefühlsqualität nicht als Gefühl, sondern nur als Zustand erfahren werden, über den wenig auszusagen ist, da er chaotisch ist und der Vergessenheit anheimfällt. (GR-LuS 284)

Gefühlsentfaltung, Gefühlsbildung und Gefühlskultivierung dürften für ein Gelingen des Lebens sogar wichtiger sein, als die Ausbildung der Kompetenz in formalen Denken. Dies alles wurde in der Interkulturellen Ethik ausgiebig besprochen, weshalb hier darauf verwiesen werden kann (vgl. IE, II u. IV). (GR-LuS 286f)

Gefühlskultivierung ist auch immer Selbstkultivierung, weil sonst die Macht der Gefühle über ihre atmosphärische Wirkung 'unbewusst' ihren – nur allzu oft 'dämonischen' – Einfluss ausübt. Da wir aber in unserer Alltagspsychologie keinen Dämonen mehr kennen und unsere Gefühle in den Innenwelt-Sack gepackt haben, glauben wir, dass sie dort vor sich hin vegetieren, ohne besonders wirksam zu sein. (GR-LuS 290)

Geschieht jedenfalls kein Aufbau einer personalen Kompetenz im Umgang mit Gefühlen, bleibt man ihr Sklave und diese von dämonischer Kraft; was übrigens auch für den Intellektuellen gilt, der lediglich glaubt, 'alles im Griff' zu haben. (GR-LuS 283)

... dass sich keine Kultur angeben lässt, in der nicht "Kontrollstrukturen" ausgebildet wurden, die sich wandelten. (GR-IE_II2 127)

Dass aber durch Techniker der Internalisierung, Introjektion und Intellektualisierung das Ambivalenzpotential schwand, darf bezweifelt werden; das Gegenteil scheint wahrscheinlicher. (GR-IE_II2 138)

Kategorisierung der Gefühle

Primärgefühle
Sekundärgefühle
Fremdgefühle
Metagefühle

Umgang mit unwillkürlichen Phänomenen

Zur Erkenntnis der willentlichen Unwiederholbarkeit von Gefühlen s.a. Waldenfels (2000, 226, 238) (GR-IE_II2 84 Fußnote 71)

Zieldienliche Bedeutungsgebung

im therapeutischen Kontext: Wofür als Sinnrahmen des Gesprächs

Aufgabe: Einen Kontext zu malen, in dem die Antwort des Klienten als Kompetenz erscheint.

Umgang mit Phänomenen als Geistern im System

Aber auch Personen, die auf ungerechte Art gestorben waren, oder denen gegenüber man noch eine Schuld hatte, waren nicht einfach zu vergessen. 'Sie' ließen einen nicht mehr los, sondern drängten sich als Erinnerungen auf und wurden dabei gleichsam vom Gewissen begleitet, das als Mitwissen um die eigenen Tat der Person auf existenzbedrohliche Weise den Bruch ihrer Identität vor Augen führte. Dass das Gewissen dabei semiautonom oder autonom agierte, wie die Geister, die die Gerechtigkeit einforderten, zeigt einerseits, wie wenig der Mensch eigentlich 'Herr im eigenen Haus' ist, und andererseits, dass er zumindest noch nicht völlig gegenüber den moralischen Qualitäten wie der Gerechtigkeit abgestumpft ist. (GR-IE_II2 354)

... die Frage, wie er mit seinen Erinnerungen und Gedanken umgeht. Ihnen jegliche Realität abzusprechen und sie zu bloßen Illusionen zu erklären, wird ihnen ebenso wenig gerecht, wie sie zu Geistern zu hypostasieren und in Furcht vor ihnen zu leben. Statt dessen ist eher ein Umgang gefragt, wie er in den kleineren Ethnien meist von den Schamanen oder Heilern empfohlen wurde, an die sich jemand mit Problemen wandte. Nämlich eine rituelle Aufarbeitung der sozialen Beziehung und Verfehlungen, die dazu diente, begangenes Unrecht oder Ressentiments mittels ritueller Beschwichtigung möglichst aufzulösen und aus der Gemeinschaft ähnlich zu vertreiben, wie einen Dämon. (GR-IE_II2 355)

Über eine intellektuelle und technische Entfaltung hinaus

Außerdem sollte gerade in der europäischen Intellektualkultur mit ihrer technizistischen Ausrichtung verstärkt bedacht werden, dass eine einseitige personale Entfaltung nur in die Entfremdung der Subjektivität führt. So wie die naturwissenschaftliche Machtentfaltung eine Entfaltung der moralischen Kompetenz verlangt, um ihre destruktiven Tendenzen zu kontrollieren, bedarf eine personale intellektuelle Ausrichtung der entsprechenden Gefühlsentfaltung und Gefühlsbildung als 'Gegengewicht'. (GR-LuS 282)

Topologische Phänomenologie: Beziehung als Verortung des Phänomens

Geht man wie in der Topologie davon aus, dass jede Art der Beziehung eine Verortung ist, dann lässt sich die Beziehungsgestaltung zum Phänomen wesentlich durch Verortung gestalten. Hintergrund der Annahme ist: Eine andere Verortung des Phänomens im eigenen Erlebnisraum verändert die Wirkung des Phänomens.

Dieser Ansatz speist sich aus den praktischen Erfahrungen mit systemischer Aufstellungsarbeit und dem sozialen Panorama. In beiden Methoden wird der Klient eingeladen, seine leidvolle Phänomene wie z.B. Symptome im eigenen Erlebnisraum zu verorten. Dieser Verortung kann entweder im imaginierten Raum stattfinden oder auch im realen Raum mithilfe von Symbolen oder auch menschlichen Stellvertretern. Die Orte der Symptome können verändert werden so dass der Klient die unterschiedliche Wirkung des Phänomens am eigenen Leibe spüren kann.

Die Verortung von Phänomene ist analog der Inkarnation, bei der eine Atmosphäre in einer Person und als diese Gestalt annimmt, egal ob diese Person wirklich oder fiktiv ist.[14]

Gerade die Verortung einer diffusen leidvollen Stimmung, in der man steckt, erlaubt den dissoziierten und damit hilfreichen Umgang damit.

Alles nur Metaphern? lakoff + johnson

Verortung des Phänomens

Sind es nur Phänomene die verortet werden, oder jede Form von Einzelheiten aus dem eigenen Erlebnisraum?

  • Soziales Panorama
  • Aufstellungsarbeit
  • Topologie des Unbewussten
  • mental space: von gilles fouconnier

Denn viele Menschen in unserer Gesellschaft beschreiben soziale Beziehungen mit Wörtern wie hoch, niedrig, hinter, neben, nah oder fern. Dabei äußern sie sich in Prädikaten der Submodalität "Ort", die sich aus "Richtung" und "Entfernung" zusammensetzt. (LD-DSsB 49)

  • "In unserem Unbewussten ist alles räumlich repräsentiert."
  • "Alle Phänomene sind in einer Art als Begegnungspartner repräsentiert."
  • Wo sind denn die?
  • Von woher kommt die Richtung?
  • Je differenzierter, desto besser.

topologische Aspekte unserer Explikate

  • Drinnen / Draußen
  • Intensität und Abwesenheit
  • Entfernung: nah - fern
  • Vorne / Hinten
  • Horizontal: rechts - links
  • Vertikal: oben - unten
  • Richtung
  • Wahrnehmungsposition wechseln
  • z.B. innerer Antreiber, von hinten oben (rein ins Genick)
Präpersonale Besessenheit

... 'Besessenheit', d.h. der Verlust des personalen Aufmerksamkeitskerns, der den Menschen zwar in oder durch Gefühlszustände treibt, seine Person oder sein personales Bewusstsein dabei aber verloren gehen lässt – es dispensiert –, sodass sich keine personale Identität aufbauen kann, die das emotionale Chaos durch eine Emanzipationsbewegung stabilisiert. Kinder müssen lernen, mit ihren Gefühlen und leiblichen Impulsen ('Antrieben') 'umzugehen', d.h. sie zu steuern und eine stabile personale Entfaltungsbewegung aufzubauen. (GR-LuS 283)

Räumliche Entfaltung der Gegenwart

Diese Entfaltung der Gegenwart durch Freisetzung der Einzelheit geschieht nach fünf Seiten: räumlich durch Einbettung des absoluten Ortes, des Hier der primitiven Gegenwart, in ein System relativer Orte, die sich durch Lagen und Abstände gegenseitig bestimmen; ... (S-F 110f)

Spielerische Identifikation und rezeptive Wahrnehmung: Stellvertreter können für beliebige Explikate der persönlichen Eigenwelt des Klienten stehen. Sind die Stellvertreter leiblich präsent, dann kann in Form einer partizipierenden Wahrnehmung eine Einleibung in die persönliche Eigenwelt des Klienten stattfinden, aus der heraus expliziert wurde. Diese partizipierende Wahrnehmung erlaubt eine rezeptive repräsentierende Wahrnehmung inklusiver bestimmter Bewegungsimpulse.

GS: Alles Unbewusste ist räumlich repräsentiert.

Siehe: Explikationstypen

Zwischen Richtungs- und Ortsraum: Phänomen des stimmigen Ortes
  • Erweiterung zu Schmitz: auch Phänomenologie relativer Orte, an der Grenze zwischen Richtungs- und Ortsraum
  • Phänomenologischer und dimensionaler Ortsraum
  • Dynamische Verortung als Bewegung

Der Dämon Erlkönig ist keine Puppe im Puppenhaus des Unterbewusstseins, sondern eine dämonische Atmosphäre, deren Wirkungsmächtigkeit eng mit unserer mnemonischen Potenz verbunden ist, wobei sie in ihrer konkreten Ergriffenheit zwar immer auch auf der Gestaltkreiswirkung beruht, doch als Kraft-Komplex 'räumlich' ist. (GR-LuS 290)

Auslöser und Verankerungspunkte

Guido Rappe 309

Induzierte Besessenheit: Inkorporation und Fremdverortung

Fremde Anwesenheiten als:

  • Inkorporation: Man ruft etwas herbei
  • Fremdverortung: Man begibt sich dort hin

Schritte:

  • Intutition
  • Invokation
  • Anwesenheiten ohne Körper: Geister und Seelen
    • Einleibung: Inkorporation, Inkarnation
    • Ausleibung: Exkorporation, Exkarnation
  • Fremde Anwesenheiten
  • Braucht die Seele einen Körper?

Die Auffassung von Gefühlen als Mächten und ihr personales Erleben widersprechen sich nicht. Sie liegen auf einem Intensitätskontinuum, das von einem oberflächlichen 'Gefühlsanflug' oder einer 'leichten' Stimmung, über die radikale ins Apersonale weisende Ergriffenheit bis hin zur Besessenheit reicht, die tatsächlich 'entpersonalisiert' – die Person aus ihrem leiblichen Befinden 'hinauswirft' – und Dispositionen aktiviert, deren Vorhandensein im Leib nicht einfach zu erklären ist. ... Besessenheit als Phänomen in außereuropäischen Kulturen ist ethnologisch gut belegt. (GR-IE_II2 55)

Weder Innenwelt- noch Projektionstheorien sind also geeignet, die Phänomene um die 'Geister' zu klären. Wirft man einen möglichst vorurteilsfreien Blick auf die 'Geister'-Vorstellungen so genanter 'primitiver' Kulturen wird schnell deutlich, dass Tylors Erkenntnis, es handele sich (zu einem großen Teil) um rationale wissenschaftliche Konstrukte, bestätigt wird. Keineswegs kommt man bei den zu behandelnden antiken chinesischen Vorstellungen mit Projektions- oder Furchtthesen aus, um diese zu erklären. Im Gegenteil: die vermeintlichen europäischen Einsichten in die 'psychologischen Hintergründe' verschleiern nur die Phänomene und lassen eine Würdigung des hohen 'rationalen' Standes anderer Kulturen gar nicht erst aufkommen. (GR-IE_II2 353)

Fragt man sich nach dem, was im Ritual geschieht, wird das mimetische Prinzip der Verwandlung durch Identifikation deutlich, das dort von großer Bedeutung ist. Es setzt zwar die Person als kompetenten Akteur in der Handhabung der von ihm verlangten Bewegungsgestaltungen voraus, doch erfordert es auch das Aufgeben wesentlicher Aspekte der eigenen Person und die Öffnung hin zu einem Anderen wie z.B. einer außeralltäglichen Kraft. Für den Extremfall 'ritueller Besessenheit' hat die moderne europäische Kultur kaum noch Verständnis. Man tut sich auch dementsprechend schwer, diese im Schema des anthropologischen Dualismus zu erklären. (GR-IE_II2 649)

Während also in der z.B. bei Krankheit auftretenden spontanen Besessenheit ein 'Geist' von sich aus in den Menschen hineinfuhr und von ihm Besitz ergriff, wurden beim Maskenwesen und bei den Maskentänzern gezielte Techniker der Besessenheit angewandt, die eine hohe Kompetenz im Umgang mit außergewöhnlichen leiblichen Zuständen voraussetzten. (GR-IE_II2 668)

Außerdem entwickelten sich besondere Verfahren und Experten, um den Einbruch von Geistern zu kontrollieren, die 'Mediziner' (Schamanen, Heiler) und die 'Künstler', von denen mit Blick auf China im Kapitel über den Geist und die Geister schon einiges gesagt wurde. Während der Künstler Besessenheit positiv und die Geister als 'Musen' erfuhren, beschäftigen sich die 'Mediziner' mit jenen negativen Formen, die zur Krankheit und sogar zum Tod führen konnten, unterschieden also zwischen positiven und negativen Geistern. Dabei suchten die frühen Mediziner wie z.B. die Schamanen, mittels einer temporären oder partiellen Dissoziation einen ekstatischen Kontakt zu einer als göttlich-geistig erfahrenen Atmosphäre herzustellen, und daraus Erkenntnisse zu gewinnen. (GR-IE_II2 666)

Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung

Werden interne wie äußere Phänomene über menschliche Stellvertreter symbolisiert, dann tritt häufig das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung auf. D.h. die Stellvertreter können sich in das Phänomen so gut einfühlen, dass sie über zahlreiche und genaue Wahrnehmungen verfügen, die für den Klienten mit seinem Anliegen sehr hilfreich sein können.

Stellvertreter repräsentieren beliebige Sachverhalte, die für die Beziehungsgestaltung zum Phänomen eine Rolle spielen können. Welche Stellvertreter welche Sachverhalte repräsentiert, kann jederzeit geändert werden so dass die Abhängigkeit von bestimmten Stellvertretern nicht besonders hoch ist.

Das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung kann im Rahmen einer systemischen Topologie hier wie folgt verstanden werden:

Aufstellung als Ritual, Tanz: Siehe: (GR-IE_II2 655f)

Schon die archaischen Gesellschaften stellten mittels ihrer Rituale einen vom eigenen Ich entlasteten, 'entpersonalisierenden' Anschluss an die atmosphärisch vermittelte Ganzheit von Welt und Anderen zur Verfügung. Dabei wurde die personale Identität temporär dispensiert, während der Mensch nicht nur einfach in eine andere Rolle schlüpfte oder sich in diese 'hineinversetzte', sondern zu einem Anderen oder etwas anderem wurde, sich dazu 'verwandelte'. Dies geschah oft unter Zuhilfenahme symbolischer mnemotechnischer Markierungen wie z.B. der Masken. Durch das Ritual wird die 'Person' zur 'Maske', die sie trägt; ein Prozess der Identifikation und Verwandlung, der besondere Erfahrungsmöglichkeiten eröffnet. (GR-IE_II2 650)

Systemische nicht absolute Stellvertretung

Stellvertretungen sind nicht "substantiell" das, was sie darstellen. Sie transportieren seelische Bilder und Beziehungen. Es "spricht" und "bewegt" sich sozusagen der Embryo in der Seele der Lebenden oder der seelischen Verbundenheit des Systems. Nicht Amerika selbst, wenn durch einen Stellvertreter aufgestellt, sondern eine Beziehung zu Amerika oder der Stellenwert von Amerika in der Seele einer Gruppe scheint in einem bestimmten Aspekt auf. Auch darin, dass fehlende Personen gefühlt werden können, wird klar, dass sich in den Stellvertretern vor allem Beziehungen, seelische Prozesse und Wirkungen von Ereignissen zeigen, nicht Personen oder Dinge "an sich". (JRS-DF 198)

Ort des absoluten Nichts

Gehen wir davon aus, dass alle Seienden den Ort des absoluten Nichts gemeinsam haben, dann sind sie darüber mit allen anderen Seienden gewissermaßen "topische verbunden". Diese Verbindung ermöglicht es, dass ein Stellvertreter mit seinem Leib sich zu jedem anderen Einzelnen verbinden kann, egal ob es ihn real oder nur fiktiv gibt.

Bewegungnen aus dem Nichts
Atemporaler Raum in Aufstellungen

Hellinger weist z.B. immer wieder darauf hin, dass die Zeit keine Bedeutung hat. Wenn ein Klient z.B. fragt, zu welcher Zeit er die Familie aufstellen soll: "Stelle dein inneres Bild auf, ohne an eine bestimmte Ziet zu denken." (SCG-NFS 35)

Die gegenwärtige Absolutheit und die absolute Gegenwärtigkeit entheben den Prozess letztendlich jeder Zeitstruktur. Sie eröffnen einen atemporalen Raum, der in dieser Fokussierung nicht radikaler gedacht werden kann, der aber in dieser Fokussierung eben auch zugleich immer seine eigenen Grenzen mitthematisiert.

Und weitergehend weist der Gültigkeitsbereich des Gesagten aus der absoluten Beschlossenheit im Hier und Jetzt über das Hier und Jetzt als bloßen Jetztpunkt einer zeitlicher Abfolge hinaus. Nicht umsonst bedient sich das Instrument der Aufstellung des Raumes, löst also als Verraumung einer immer in Zeit sich ereignende Geschehensabfolge aus ihrem angestammten Bezugssystem. (SCG-NFS 34f)

Zeitloser Raum im Schamanismus

Im Schamanimus wird mit den Kräften im zeitlosen Raum gearbeitet. Durch die Zeitlosigkeit werden alle einzelnen Geister sichtbar, die zu dem Ritual eingeladen werden. Sie können sich in menschliche Leiber inkarnieren, so dass sie einem Körper haben, mit dem sie sich ausdrücken können.

Inkarnation

Der transpersonale Raum

...

Leibliche Selbst-Verortung: Phänomen des eigenen Raumes

  • systemische Selbst-Integration
  • erstmal eine schützende Individuation herstellen bevor man in achtungsvolle Interaktion treten kann
  • Person-Sein als Verortung
  • von dort heraus Empathie für die leidende Seite
Das Phänomen des eigenen Raumes

Personsein ist das Einnehmen eines Platzes, den es gar nicht gibt ohne einen Raum, in dem andere Person ihre Plätze haben. ... Jeder Mensch nimmt diesen Platz als geborenes Mitglied kraft eigenen Rechts ein. Aber er wird nicht empirisch an diesem Platz vorgefunden, sondern dieser Raum wird überhaupt nur wahrgenommen in der Weise der Anerkennung. (RS-Personen 193)

Der "Ort" der Person in diesem Kommunikationsraum steht, wie wir gesehen haben, in einem apriorischen Bezug zu allen anderen Orten. Jede Person nimmt hier einen solchen Platz ein, der für immer ausschließlich durch sie definiert ist. Nun wäre es theoretisch denkbar, dass auch "gewesene" Menschen einen solchen Ort konstituieren, solange sie in Erinnerung an sie lebendig ist. Aber es sind ja nicht die schon existierenden Personen, die neu hinzukommenden einen solchen Platz zuweisen. Und es sind auch nicht die erinnernden, die ihnen weiterhin einen solchen einräumen. Es ist für den Anerkennungszusammenhang wesentlich, dass jeder von sich aus einen solchen Ort in der universalen Personengemeinschaft einnimmt. (RS-Personen 172f)

Die Einmaligkeit der Person ... ist definiert durch einen "Ort" im Ganzen Universum, den nur sie einnimmt. Dieser Ort wiederum ist bestimmt durch seine Stellung zu allen anderen Orten, die Person also durch ihre Beziehung zu allem anderen, das niemals sie selbst sein kann. Und dies ist nicht nur von außen betrachtet so, sondern die Person selbst weiß von der Einmaligkeit des Ortes, von der Unverwechselbarkeit der Beziehung zu allem anderen und damit von ihrer eigenen wesentlichen Einmaligkeit. (RS-Personen 46)

Wenn aber "Personen" den Platzhalter eines einmaligen Ortes in einem durch Personen konstituierten Beziehungsraum meint, dann ist es wiederum uno actu, dass wir uns selbst und die anderen als solche Platzhalter wahrnehmen. Mensch als Personen wahrzunehmen, heißt, diesen apriorischen Beziehungsraum wahrzunehmen, der durch Personalität konstituiert wird. Und nur zusammen mit diesem Beziehungsraum entdecken wir uns selbst als Personen. (RS-Personen 196)

Der apriorische Raum, in dem jeder Person einen nur ihr zukommenden und nur durch sie definierten Platz einnimmt, verlangt von sich aus danach, zum Rechtszustand zu werden, in dem die Inkommensurabilität jeder Person die Form des gleichen Rechts aller auf Anderssein annimmt. (RS-Personen 202)

Vielmehr gilt, dass Selbstheit erst entspringt aus der Gründung des Da-seins ... (Heidegger 1989, Beiträge zur Philosophie (vom Ereignis) S. 67. Zit.n.: GR-IE_II2 538)

Der eigene Identitätspunkt

Unsere gesamte Erfahrungswelt ist davon geprägt, von welchem Identitätspunkt aus wir auf diese Welt schauen. Mit Identitätspunkt ist jenes Tor gemeint, durch das wir uns der Welt zuwenden, durch das wir uns die Welt erschließen. Er ist – und das ist das Schwierige an der ganzen Sache – das Auge, das sich selbst nicht sieht. (AK-SN 55)

Nick Blaser: Aufmerksamkeitspunkt

Multiplizität der Selbst-Verortung
  • Kampf- und Freundschaftskontext

Im eigenen Erleben gibt es häufig widerstrebende Kräfte und Anteile, die als Ambi- oder besser Multivalenzen wahrgenommen werden. Diese Multivalenzen sind Ausdruck einer noch nicht fix explizierten Situation und lässt noch Spielraum für stimmige Vereinzelungen.

... semi-autonome 'Agenten' des Gefühlsraums (GR-LuS 290)

Schutzraum und Steuerposition durch Umfriedung
  • Aufbau eines sicheren Ortes
  • Palm-Paradigm: Handflächen nach Außen
  • "alles was da drängt, nach außen verlegen, so als ob sie in einem geschützten sicheren Raum sich. Wie würde ihre Atmung dabei werden, der Stand auf dem Boden, und wie fühlt sich der Rücken und der Atem, sowie Ihr Blick an? Wie ist ihr Stimmigkeitserleben?"
  • Entfaltungsraum
  • Nicht-Einmischen (Schricker)
  • Steuerung, Schutz, Überblick und Sicherheit
  • Schützende Hülle mit Kontaktfunktion, es kommt nur rein, was gut für sie ist.
  • "Grenzen anerkennen ist die Grundlage von Kompetenz von Kraft und von Steuerungsfähigkeit. In der Endlichkeit kriegt man seine Kraft. Ohne Grenze diffundiert die Kraft ins Welt, dann gibts einen bald nicht mehr."
  • "Ich würde ja gerne mehr machen, ich könnte sogar, aber mein Organismus sagt: ich will nicht mehr."
  • Grenze als Schutz vor Ergriffenheit in fremde Räume und Übergriffigkeit aus fremden Räumen

Zur Selbstbehauptung des Menschen gehört nicht nur die Auseinandersetzung mit der Natur und mit seinesgleichen, sondern auch die Leistung, sich mit Gefühlen zu arrangieren und im Konzert dieser abgründig ergreifenden Atmosphären so einzurichten, dass er ihnen nicht hilflos ausgeliefert ist. Von größter Bedeutung für diesen Erfolg ist die Fähigkeit, Grenzen im Raum zu ziehen und dadurch eine Umfriedung für das Wohnen zu schaffen. (S-H 139)

Ausbildung eines umfriedeten Raumes

Das Kind wird hüllenlos und kann aus eigenen Vermögen keine Atmosphäre bilden, welche die Entwicklung zur Eigenständigkeit garantiert. (HT-GuA (Tellenbach: Geschmack und Atmosphäre), S. 153)

Berechtigtes Bedürfnis nach gesunder Abgrenzung

... dem Bedürfnis nach Abgrenzung des Erlebens gegen Überflutung durch einbrechende Reize und Impulse; ... (S-H 144)

Das Bedürfnis nach Zentralisierung und Abgrenzung des Erlebens gegenüber solchen unberechenbar einströmenden Impulsen führt zur Konstruktion einer privaten Innenwelt jeder Person als des Hauses, in dem sie als Vernunft der Herr im Haus sein kann ... (S-H 143)

Das berechtige Bedürfnis nach Abgrenzung des Erlebens gegen Überflutung durch einbrechende Reize und Impulse mündet in einem phänomenologischen Arbeiten mit Grenzen als Umfriedungen. Diese Grenzen sollen nicht dazu führen, dass eine seelische Innenwelt von einer körperlichen Außenwelt unterschieden wird, vielmehr ist sowohl der umfriedete Bereich als auch der äußere Bereich Teil des leiblich gespürten Erlebnisraumes, noch vor jeder Trennung in Körper und Seele.

Das berechtige Bedürfnis nach Abgrenzung des Erlebens gegen Überflutungen darf aber nicht zu einem philosophischen Introjektionismus führen, in dem angenommen wird, dass alles Erleben sich ausschließlich in der abgeschlossenen Innenwelt abspielt, aus der man nicht ausbrechen kann.

Geschützte Anteilnahme für die leidende Seite

...

Kraft und Würde aus der Endlichkeit

GS: Kraft und Würde kommt aus der Endlichkeit, aus der Anerkennung der eigenen Grenzen

Herleitung der Schutzraummetapher
  • Physiologistisch: Schon Einzeller haben einen eigenen Raum und Zellmembran, damit deren Lebendigkeit nicht in den Weltall difffundiert sondern erhalten bleiben kann.
  • Konstruktivistisch: "Draussen gibt es nur Schallwellen, mein Gehirn gibt denen erst die Bedeutung."
    • Phänomenologisches Kontra: "Wir hören nicht, wie Schallwellen auf das Trommelfell treffen, sondern hören ganzheitliche 'Hör-Eindrücke'." (GR-LuS 294)
Leibliche Haltung der Abgrenzung
  • Konsequenzen der Körperhaltung
  • Handflächenexperiment


Berechtigtes Bedürfnis nach Kontakt
Kompetenzentfaltung
  • Ressourcenlokalisierung
  • Verbindung mit den Kompetenzen (für die man sich entscheidet)

Muster der Verortung

  • transgenerational
  • Musterverschiebung etc.

Praxis der Verortung

  • Aufstellungen
    • Aufstellungen: Verortung und repräsentierende Wahrnehmung
    • Selbstintegration: eigener Raum, Grenze, Selbst
  • Soziales Panorama
  • Szenisches Externalisieren
  • Dissoziation durch Verortung
  • Davis-Orientierung:
    • Davis-Therapie: Orientierungspunkt im Raum, Selbst-Modellierung
    • Legasthenie, Dyskalkulie
    • Autismus
  • Phänomenologie des Ortsraumes
  • Hypnotherapie: imaginiertes Sichbefinden in Räumen
    • Imagination des sichereren Ortes
    • Schamanische Rituale: Verortung von Seelen und Geistern
In Sprache

...

In der hypnosystemischen Therapie

Bild ist ein darin sein.

Im sozialen Panorama
In Systemaufstellungen
  • Entfaltung der Gegenwart, in hauptsächlich zwei von fünf Seiten:
    • absoluter Ort zu relativen Orten
    • der Subjektivität nach durch personale Emanzipation.

In all solchen Situationen zeigt das Anschauliche seine Macht. (Zutt in FK-DrF 69)

Das Familienstellen wird als eine phänomenologische Methode bezeichnet und damit als ein vom bisherigen Wissen möglichst unvoreingenommener Weg. Es verhält sich einer von sich aus zeigenden Wirklichkeit gegenüber offen und absichtslos. Die phänomenologische Methode ist in gewissem Sinne eine paradoxe Methode. Denn offen kann nur sein, wer sich nach etwas ausstreckt und etwas fassen kann. Absichtslos kann nur sein, wer etwas sehen und erreichen will. Das Nichtwissen ist nur eine Tugend für den Wissenden. Insofern wird der Versuch einer Phänomenologie der Methode des Familienstellens zwei parallele Stränge aufweisen: das Wissen und das Nichtwissen, die Absicht und die Absichtslosigkeit, das Fassbare und das Offene, das Wahrnehmen von Wirklichkeit (Phänomeno-) und die Bedeutungsgebung im geistigen Verstehen (logie). (JRS-DF 112)

Ähnlich erfahren wir im Familienstellen die "Seele" – ob wir das Wort dabei benützen oder nicht – in einer systemischen Sichtweise. "Seele" können wir die unsichtbare Kraft nennen, die erlebbar Teile auf eine Weise zu einem Ganzen zusammenfasst, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile und ihrer Funktionen. ... Sie ist nicht der "Kern" oder die "Substanz" eines Ganzen, sondern eher wie ein Raum, der eine lebende Ganzheit umhüllt, oder wie ein "Feld", das alles, was eine Person oder eine Gruppe ausmacht, in einer Raum und Zeit übergreifender Weise verbindet und Identität schafft. (JRS-DF 43)

Wir wissen zwar nicht, wie wir eigentlich wissen können, dass etwa eine Skizze genauso richtig liegt und nicht anders. Aber fast immer haben Klienten ein erstaunlich klares Urteil, obwohl die Aufforderung, eine bestimmte Vorstellung darzustellen, zuerst einmal als unerfüllbar anmutet – zumal sie ja meist so bestimmt gar nicht ist! Trotzdem ergibt sich auf rätselhafte Weise eine Darstellung von verblüffender innerer Logik und Aussagekraft. (EM/BI-IBs 38)

Positionen sind mit Befindlichkeiten gekoppelt. (EM/BI-IBs 38)

"Phänomenologie heißt: den Wunsch nach Verständnis der Wahrnehmung von Wirklichkeit opfern." Mit diesem Satz formuliert Bert Hellinger seine Ansicht, dass die Wahrnehmung Vorrang vor der Vorstellung hat. (EMBI-IBS 198)

In der Naturtherapie

Aus dem Feld der szenischen Mittel – wie zum Beispiel der Auffstellungsarbeit oder dem Mythenspiel – kennen wir bestens, dass der Körper unter der Bedingung einer konzentrierten Platzierung im Raum zu einem Medium für wertvolle Informationen werden kann. Ein ähnliches Phänomen erleben wir auch in der Natur, nur dass hier nicht stellvertretend für andere Informationen generiert werden, sondern mehrheitlich für das Wesen selbst, dessen Körper arbeitet. (AK-SN 47)

Im Schamanismus

Topologische Phänomenologie: Beziehung als Haltung zum Phänomen

Die Beziehung zum Phänomen wird nicht nur durch die Verortung im eigenen Erlebnisraum gestaltet, sondern auch wesentlich durch die Haltung. Die Haltung der Neugierde, Demut etc.

Übertragung neuer Ressourcen im sozialen Panorama

Siehe: Haltung

Zutt: innere Haltung

innere Haltung (Zutt, in: GR-IE_II2 101)

Zwischen Ich und Bewegungsvorgang müssen wir uns gewissermaßen einen Funktionskomplex 'eingeschaltet' denken, aus dem heraus sich die Bewegungsvorgänge mit der erwähnten nicht näher definierbaren Selbstständigkeit entwickeln, und durch den dauernd der Ausdrucksgehalt unserer jeweiligen Körperhaltungen und unserer Bewusstseinsvorgänge im Bewusstsein repräsentiert ist. (Zutt 1923, S. 62. Zit.n.: GR-IE_II2 101)

Goodmann: Haltung im Ritual

....

Schmitz: Haltung als Gesinnung

Die innere Haltung und eine zentrale Fähigkeit, in Erscheinung zu treten, sind identisch (Zutt 1963, S. 308). Die innere Haltung nach Zutt entspricht dem Begriff der Fassung wie Schmitz ihn verwendet. Die Fassung beinhaltet einen komplexen Rahmen, der die Einheit des eigenen Entwurfs mitsamt des eigenen Selbst- und Rollenverständnisses der Person gewährt (...). (Andrea Moldzio: Schizophrenie: eine philosophische Erkrankung?, S. 56)

Siehe: Gesinnung, Fassung

Rappe: Haltung als leibliches Dispositionsgeflecht

Der Begriff des "Funktionskomplexes" kann genauer durch den des leiblichen Dispositionsgeflechts ersetzt werden, wodurch sich auch ein Anschluss an das Habitus-Konzept Bordieus ergibt (...) (GR-IE_II2 101f)

Der Aufbau der "inneren Haltung" bzw. der Erwerb der die personale Entfaltung und Kompetenz ermöglichende Dispositionsgeflechte wird, so wurde im vorherigen Teil gezeigt, zunächst durch die Verneinung initiiert, die einerseits von der Widerständigkeit der Dinge, andererseits von den Verboten der Eltern ausgeht. (GR-IE_II2 102)

Die Verneinung zieht jene Grenze, durch die aus der vorgängigen Einheit jene Disposition von leiblichem Zentrum und umweltlicher Peripherie, von leiblicher Enge und Unlust, Weite und Lust, entsteht, die einerseits das Subjekt im eigenen Leib zentriert und andererseits leibfremde Objekte in der umgebenden Situation 'ansiedelt'. Diese frühen Grenzziehungen sind sowohl ein- als auch ausgrenzend, haben einen Aspekt des Sich-selbst-Vergewisserns und einen der Erfahrung von Leibfremden. Sie helfen, die innerhalb der leibphantasmatischen Gegebenheitsweisen des Säuglings (...) noch ungetrennten Aspekte von Atmosphären und 'Dingen' zur Entschiedenheit hin aufzuschließen. (GR-IE_II2 102)

  • Haltungsmuster

Erickson: Utilisierung als Haltung

  • Haltung und Beziehung als entscheidende Wirkfaktoren
  • Utilisation, Kompetenzorientierung, Allparteilichkeit, Neugier etc.

Verneigung als würdevolle Haltung

  • Hellinger
  • Japaner

Das Verneigen, das in den Familienaufstellungen eine große Rolle spielt, ist eine lebende Metapher für eine innere Haltung, in der man die "Würde des anderen sehen kann." (in WdP-SiE 152)

Schmidt: Die Haltung des Realitätenkellners

  • Weg von einer Macher-Haltung

Ausdruck von Bedürfnissen

  • World of WIBBs: Wertvolle Information berechtigter Bedürfnisse

Richtung des Wofür

Utilisierung der Autonomie des Klienten

  • Es setzt den Therapeuten gewöhnlich unter Druck, wenn der Klient nicht so antwortet, wie gewünscht
  • Demgegenüber eine offene, neugierige Haltung:
    • Utilisation jeder möglichen Antwort des Klienten
    • Wertschätzung der eigenen und fremden Bedürfnisse

Der Therapeut kann sich von der Erwartung lösen, dass ein bestimmtes Resultat rauskommen muss. Eine bestimmte Erwartung des Therapeuten würde sich eh nicht heilsam auswirken.

Transpersonale Aspekte systemischer Topologie

Magische Wirkung einseitiger Veränderung

LD-DSsB 134

Transgenerationale Muster der Verortungen

Parallelräume

Damit zeichnet sich ab, dass wir ähnlich wie von unterschiedlichen Objektivierungsverfahren von unterschiedlichen Räumen sprechen müssen. Allerdings verfügen wir noch über keine voll entwickelte Anthropologie, die diese multi-dimensionale Sicht auf den Raum fundieren könnte. Die Leib-Phänomenologie hat jedoch bereits die Richtung gewiesen; worauf noch eigens einzugehen sein wird. Dies insbesondere, wenn es gilt, die in der europäischen Kultur dominanten Konzepte einer 'Innenwelt' im Gegensatz zur 'Außenwelt' zu kritisieren, denn auch die sogenannte 'Innenwelt' ist kein naturwissenschaftlicher Raum; ... (GR-LuS 47)

..., sodass die Frage auftaucht, wie es denn möglich ist, dass es verschiedene Räume gibt, und wie diese untereinander zusammenhängen. Erneut täuscht hier die Annahme 'einer' Wirklichkeit oder 'eines' Raumes – und ist doch grundlegend. Sie täuscht dann, wenn die naturwissenschaftliche Raum-Vorstellung – aufgrund ihrer 'Allgemeinheit' – als dieser 'eine', allen gemeinsame Raum ausgegeben wird. Da die anderen Räumlichkeiten des 'einen Raums' naturwissenschaftlich – zumindest bisher – nicht erfassbar sind, wird ihnen die lebensweltliche Existenz abgesprochen und damit die menschliche Lebenswirklichkeit 'geistig' radikal-materialistisch reduziert. Das macht die moderne Phänomenologie nicht mit, sie ist diesbezüglich 'anti-reduktionistisch'. (GR-LuS 48)

Geistige Weltenachse

Glossar

Ein-Stellung

Haltung

  • Haltung und Beziehung als entscheidende Wirkfaktoren
  • Utilisation, Kompetenzorientierung, Allparteilichkeit, Neugier etc.

Stand-Punkt

Verortung

Psychogeographie

  • in: Dilts (1990): Changing Belief Systems With NLP

Diverses

Exkurs: Duales und topisches Verhältnis

Duales Verhältnis Topisches Verhältnis
Stellung Vorstellung Einstellung
Begrenzung Durchdringung


Fußnoten

  1. 1089 b 23f.
  2. Selbst Husserl bekennt sich in hohem Alter noch zur triadischen Dingontologie. Vgl.: S-WieP 19
  3. Vgl.: Toshihiko Izutsu: Philosophie des Zen-Buddhismus. S. 28
  4. "Der Strukturenrealismus kann weiterhin als die vielversprechendste Ontologie der modernen Physik angesehen werden." (Lyre in E-PdP 389)
  5. Martin Buber (1954): Die Schriften über das dialogische Prinzip. Heidelberg. S. 31. Zit. n.: MB-IuD 137
  6. Hume, Enquiring Concerning Human Understanding. 2. Teil des 7. Abschnitts: "All events seem entirely loose and separate." Deutsche Übersetzung von R. Richter, Nachdruck Hamburg 1973, S. 90
  7. Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. (T1.1)
  8. S-AHG 37
  9. Damit verneine ich auch die Möglichkeit eines ontischen eleminativen Strukturenrealismus, der davon ausgeht es nur Relationen ohne Relata gibt.
  10. Hier schließe ich mich der Begriffsverwendung von Rappe an, der sie der Unterscheidung von "absolut" oder "relativ" von Schmitz vorzieht: "Ähnlich sollte wegen 'konnotativer Unwägbarkeiten' dem Begriffspaar "absolut" und "relativ" ausgewichen und stattdessen von 'subjektiv' und 'objektiv' gesprochen werden. Dann ergibt sich daraus, dass der "reine Leib" subjektiv-örtlich im Sinne einer subjektiven Tatsache, aber nicht objektiv-örtlich, also keine objektive Tatsache ist." (GR-LuS 92)
  11. Vgl.: Transformative Phänomenologie von Rolf Elberfeld: "Eine zentrale kulturelle Prägung der phänomenologischen Übung besteht in der Sprache, in der sie vollzogen wird. Aus diesem Grund spielen die Sprache und die Sprachen als Vollzugsmedien transformativer Phänomenologie eine entscheidende Rolle, so dass die Phänomenologie insgesamt vor allem im Anschluss an Wilhelm von Humboldt und Paul Valéry sprachphänomenologisch gewendet wird." http://www.information-philosophie.de/?a=1&t=4427&n=2&y=1&c=76
  12. Böhme, Gernot (2003): Leibsein als Aufgabe. Zug/Schweiz. [GB-LaA]: "Es kann der Phänomenologie des Leibes eigentlich nicht darum gehen, leibliche Phänomene lediglich zu beschreiben - und vielleicht noch in eine systematische Ordnung zu bringen -, vielmehr muss es ihr darum gehen, den Zusammenhang von Leibpraxis und Erfahrungsweisen darzulegen. Sie muss also genetische Phänomenologie sein." (GB-LaA 50)
  13. Irrgang, Bernhard (2009): Der Leib des Menschen. Grundriss einer phänomenologischen-hermeneutischen Anthropologie. Stuttgart. [BI-LM]: "Der Unterschied zwischen der klassischen und der postklassischen Phänomenologie besteht darin, dass insbesondere die postphänomenologische Perspektive den Handlungsraum und das Umgehen Können betont, während in der klassischen Phänomenologie die Intuition im Zentrum des Interesses gestanden hat. Die räumliche Orientierung ist das Resultat eines Spieles verschiedener phänomenologischer Vektoren, die die Sinneswahrnehmung gemäß ihren eigenen Gesetzen und der Intentionen im Rahmen von Handlungen formuliert, welche ihren Ursprung im menschlichen Leib haben. Insofern ist das Leibschema auch ein Zentrum der leiblichen Orientierung." (BI-LM 340f)
  14. Vgl.: S-DuG 446