Evidenz

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Theoretische und Praktische Evidenz

In der Evidenz fällt einem Menschen eine Überzeugung so unwiderstehlich zu, dass er sich ihr nicht anders als zwiespältig und halbherzig entziehen kann; ... Was er dann zugeben muss, ist

  • bei theoretischer Evidenz die Tatsächlichkeit eines Sachverhaltes,
  • bei praktischer Evidenz die Geltung eines Programms. (S-DRdN 24)

Theoretische Evidenz

Theoretische Evidenz ist die Tatsächlichkeit eines Sachverhaltes.

Evidenz ist die Evidenz von Tatsachen. Tatsachen sind eine ausgezeichnete - wohl die wichtigste - Untergruppe der Sachverhalte. (S-DRdN 24)

Evidenz ist die Auszeichnung eines Sachverhaltes durch die Autorität des Seins (der Wirklichkeit), die dem Betroffenen mit exigenter Nötigung die für ihn verbindlich geltende Norm auferlegt, sich als einen von dem Sachverhalt Überzeugten anzuerkennen oder hinzunehmen. (S-LU 77)

Praktische Evidenz

Praktische Evidenz ist die Geltung eines Programms.

Nötigung durch Evidenz

In der Evidenz nötigt die Wirklichkeit den Betroffenen mit unbedingtem (d.h. auch durch die Mobilisierung aller Reserven seiner Kritikfähigkeit nicht überbietbarem) Ernst exigent (d.h. mit einem Spielraum, der nur zwiespältige, nicht unbefangene, Verweigerung zulässt) die Zustimmung dazu ab, sich als einen von einem Sachverhalt Überzeugten hinzunehmen. (S-GedW 38f)

Jemand hat sich eine leichtsinnige Art zu laufen angewöhnt in der Überzeugung, dass ihm nichts passieren kann; nun bricht er sich ein Bein, und damit ist er zwei Nötigungen unterworfen:

  • erstens der automatischen Nötigung, seinen bisherigen Laufstil zu unterlassen,
  • und zweitens der exigenten Nötigung durch die Evidenz, dass ihm eben doch etwas passieren kann. (S-GedW 39)

Automatische Nötigung

z.B. der automatischen Nötigung, seinen bisherigen Laufstil zu unterlassen.

Exigente Nötigung durch das Sein

z.B. die exigente Nötigung, dass einem doch etwas passieren kann.

Die Nötigung durch das Sein in der Evidenz ist die exigente, nicht die automatische. (S-DRdN 25)

Er hat Spielraum, sich davon ablenken oder gar das Gegenteil einzureden, aber dahinter kann er nicht ganz stehen, sondern nur brüchig und zwiespältig. (S-DRdN 25)

Echtheit der Evidenz

Deswegen ist die Unterscheidung zwischen echter und scheinbarer Evidenz nie ganz sicher. Als besonders evident imponiert das schließliche Einfallen eines Namens, den man lange gesucht hat, aber wer möchte dafür bürgen, dass der so Überzeugte sich nicht doch geirrt hat? Gern wüsste man Näheres über das Sein, aber leider ist dieser Wunsch unerfüllbar. (S-DRdN 25)

Theorien der Evidenz

Kontemplative Theorie der Evidenz

Diese kontemplative Theorie der Evidenz setzt sich zu völliger Geltung in der älteren Phänomenologie durch, bei Husserl, Scheler und Heidegger; ... (S-IRdN 28)

Diese kontemplative Theorie der Evidenz halte ich aus drei Gründen für falsch:

  1. Sie versagt vor der Evidenz der Wahrheit negativer Sätze. ...
  2. Es gibt aber auch eine sehr wichtige Klasse affirmativer, d.h. in affirmativen Behauptungen darstellbarer, Evidenzen, vor denen die kontemplative Theorie versagt. Dabei handelt es sich um die Evidenzen der Existenz von etwas. Um das Versagen der kontemplativen Theorie einzusehen, muss gezeigt werden, dass Existenz kein Attribut ist. ...
  3. Nicht nur Tatsachen können evident sein, sondern auch geltende Normen. Einem Menschen kann mit völliger Evidenz gewiss werden, dass eine Norm für ihn gilt, sei es auf Grund eines Gefühls, des Pflichtbewusstseins oder im Fall einer logischen Schlussregel. ... (S-IRdN 30f)

Autoritätstheorie der Evidenz

Diese Autoritätstheorie der Evidenz steht in der philosophischen Überlieferung ziemlich einsam da. Als Vorläufer kommen vielleicht noch die südwestdeutschen Neukantianer Windelband und Rickert in Betracht. (S-IRdN 27)

Siehe: Autorität

Evidenzbasierte Medizin

Evidenzpyramide: An der Spitze steht die RCT (Randomisierte Doppelblindstudie)

Siehe: Wahrheit

Geschichte der Evidenz

  • claritas (Descartes)
  • Selbstgegebenheit (Husserl)
  • Unverborgenheit (Heidegger)

[S-WwK 340]