Flüchtigkeit

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Die Flüchtigkeit trennt die unwillkürliche Lebenserfahrung (was Menschen merklich widerfährt, ohne dass sie es sich absichtlich zurechtgelegt haben) und damit auch das Bewusstsein radikal von den Gegenständen der Physik, die die Menschen sich (mit großem Erfolg bei der Vorhersage) zurechtgelegt haben. Sie besteht im Wechsel von Nochnichtsein durch das Sein zum Nichtmehrsein, d.h. im Eingetauchtsein in den Fluss der Zeit, dass die Masse des bereits Vergangenen, das nicht mehr ist, entsprechend schrumpft und die Masse des Gegenwärtigen, das ist, aber nicht mehr noch nicht und noch nicht nicht mehr ist, immerzu wechselt. Die Physik hat keinen Zugang zu diesem Fluss, namentlich nicht zu dem Wechsel des Gegenwärtigen, der ihn betreibt. (S-BW 84)

Flüchtigkeit muss mit solcher Beschränkung auf eine Zeitstelle so wenig verbunden sein wie mit der Beschränkung auf eine, eventuell sehr kleine Raumstelle. (S-BW 84)

Im Fluss der Zeit hat der Mangel, nicht jetzt zu sein, eine viel härtete Konsequenz: nämlich die, überhaupt nicht (nicht mehr oder noch nicht) zu sein, mitsamt der Zeitstelle. Darin besteht die Flüchtigkeit. (S-BW 85)

Flüchtigkeit ist zwar kein Existenz-Inductivum aber sozusagen ein Nichtexistenz-Inductivum. (Vgl: S-BW 85)

Das Sein ist kein Attribut, und die Flüchtigkeit ist nur mittelbar eine Eigenschaft der flüchtigen Sache, unmittelbar eine Eigenschaft ihres Seins. (S-BW 85)

Mit der Flüchtigkeit fällt etwas gleichsam herab aus der ausgedachten Welt der Physik und der ihr folgenden Naturwissenschaften, die einzig mit lauter Seienden zu tun haben, auf das Niveau der unwillkürlichen Lebenserfahrung mit verletztem, flüchtigem Sein, das der Mensch ertragen muss, weil er es sich nicht zurechtgemacht hat. (S-BW 85)