Körperschema

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Perzeptives Körperschema Motorisches Körperschema
Räumlichkeit ortsräumlich richtungsräumlich

Perzeptives Körperschema

  • kommt ohne Ganzheit aus. Man kann sich in optischer Vorstellung den eigenen Körper ebenso teilweise wie im Ganzen vergegenwärtigen. Es baut auf umkehrbare Verbindungsbahnen, auf denen der vorstellend vergegenwärrtigende Blick bei geschlossenen Augen z.B. von Kopf zu Fuß un zurück oder von rechts nach links un zurück schweifen kann, ein System umkehrbarer Lage und Abstände auf, wodurch die Körperteile an relativen Orten untergebracht werden.

... das habituelle Vorstellungsbild, das jeder von seinem eigenen Körper besitzt, nachdem er es aus den Erfahrungen des Sichbesehens und Sichbetastens gewonnen hat. ... Jeder Normalsinnige kann sich auch bei geschlossenen Augen sich selbst als körperliche Gestalt mit sehr genauer und beweglicher Anpassung an die gerade eingenommene Körperstellung anschaulich vorstellen. Das betreffende Vorstellungsbild repräsentiert einen stetig ausgedehnten festen Körper mit charakteristisch unterschiedenen, wohlbekannten Teilen, deren Reihenfolgen auch bei Stellungsänderungen erhalten bleiben; die Anordnung der Teile wird durch Lage- und Abstandsbeziehungen bestimmt. (S-DgL 75 in: MG-WvR 75)

Motorisches Körperschema

  • eine zum zweckmäßigen Einsatz der eigenen Glieder ausreichenden Orientierheit.
  • umgreift ganzheitlich den Körper, unabhängig vom perzeptiven Körperschema
  • beruht auf einer zweckmäßig führenden systematischen Organisation leiblicher Richtungen, die unumkehrbar aus der Enge in die Weite führen (S-WNPh 31-34)

... die bei der Eigenbewegung unwillkürlich leitende Orientiertheit am eigenen Körper; dabei kann es sich ebenso um die zielgerichtete Eigenbewegung bei Gehen, Greifen und Ausübung sonstiger motorischer Kompetenzen handeln, wie um die zielfreie Eigenbewegung ausdrückender oder darstellender Gebärden. (S-DgL 76)

Durch das motorische Körperschema ist der Mensch, ebenso das Tier, über Richtungen und Entfernungen am eigenen Körper ohne Vorstellungsbild orientiert, so dass Spannung und Initiative jeweils zweckmäßig auf die Körperteile verteilt werden können; ein einfaches Beispiel ist die Rechts-Links-Unterscheidung im motorischen Verhalten. (S-DgL 76)

Das liegt daran, dass das motorische Körperschema nicht durch umkehrbare Lage und Abstände, sondern durch unumkehrbare Richtungen und Entfernungen organisiert ist; ... (S-DgL 76)

Das motorische Körperschema gibt also absolute Orte vor, die aber keineswegs nur durch Richtungen und Entfernungen bestimmt sind; das gilt z.B. nicht für die geheimnisvolle Bezugsstelle, den Nullpunkt des motorischen Körperschemas. (S-DgL 77)

Man ist im motorischen Verhalten nach rechts und links, oben und unten, vorn und hinten sowie durch feinere Differenzierung orientiert, aber nicht so, dass dabei das Zentrum der Orientierung von der Peripherie aus der Lage und dem Abstand nach bestimmt wäre, sondern durch unumkehrbare Richtungen, die in die Weite führen wie der Blick, der selbst in dieses Schema integriert ist, so dass er mit den motorischen Extremitäten ohne Reaktionszeit koagieren kann. (S-LuG 16)

Beispiele

Ein Virtuosenstück des motorischen Körperschemas ist das Balancieren beim Abfangen eines drohendes Sturzes mit blitzschnellen Änderungen der Lagen von Körperteilen und der Gewichtsverteilung auf sie. (S-DgL 76)