Realismus

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Kein naiver, sondern ein lebensweltlicher Realismus.

Siehe: Objektivität der Wahrnehmung

Realismus ist die Überzeugung, dass die Welt, wenn auch noch nicht in endgültig fertigem Zustand, den in sie eintretenden Menschen bestimmt vorgegeben ist. (S-GedW 33)

Für den Realisten ist die Welt einfach da, wenn auch vielleicht nicht von selbst und nicht fertig, aber weitgehend ohne Rücksicht auf den Menschen, der in ihr vorkommt. (S-GedW 11)

... die Vorstellung, dass die Welt, in der sich die Menschen befinden, sozusagen vorläufig fertig ist, wenn auch nicht endgültig, da sie durch Geschehnisse aller Art u.a. durch menschliches Tun, umbestimmt werden kann. Für die Redeweise "vorläufig fertig" lässt sich, soviel ich sehe, keine andere Präzisierung angeben als die Anwendung des Grundsatzes der durchgängigen Bestimmung auf die Welt, und diese wie jede Anwendung des Grundsatzes ist falsch. (S-GedW 110)

die Lehre, dass es allgemeine Gegenstände (Gattungen und Arten) gibt. (S-DWdeP2 826)

Erkennen von nackten Tatsachen

Siehe: Nackte Tatsache

Erkenntnistheoretischer Realismus

Siehe: Erkenntnistheorie

Der erkenntnistheoretische Realismus ist die Kehrseite der dreischichtigen Substanzontologie, die aus der reduktionistischen Zersetzung der Situationen hervorgeht und mit dem Psychologismus gepaart ist, ... (S-Hegel 34)

Ich verstehe das Wort "Realismus" hier buchstäblicher als gewöhnlich, nämlich als abgeleitet von "res" (Sache). Die These des erkenntnistheoretischen Realismus lautet also: Sachen beliebiger Art (z.B. Dinge, Zahlen, Gefühle, Farben) sind die Gegenstände der Erkenntnis. (S-DuG 209)

  1. Erkenntnis als Erlangung von Wissen "über" etwas, nämlich über Sachen durch Sachverhalte
  2. eine aufs Ganze gehende Angleichung oder wenigstens Entsprechung zwischen Wissen und Sachen

Der erkenntnistheoretische Realismus basiert auf der Verwechslung von:

  • Erkennen und Wissen (Erkenntnis)
  • Kennen vom Typ des Verstehens

(Vgl: S-DuG 209)

Reise- und Besuchsmodell der Erkenntnis

Das Subjekt wäre wie ein Tier, das in einer Höhle wohnt und herausschlüpfen oder -kriechen müsste, um auf Beutefang zu gehen, wenn es Erkenntnis von einem Gegenstand seiner Außenwelt erlangen wollte. Das es nach Kant dazu nicht fähig ist ... muss es sich in seiner Höhle, gleich den Insassen des platonischen Höhlengleichnisses, ein Surrogat der Außenwelt gefallen lassen, eine gleichsam aus dem Fleisch der Innenwelt geschnittene Quasi-Außenwelt. Wenn man sich von dem leicht kosmischen Leitbild eines solchen Höhlenbewohners und seiner Ersatzbefriedigung aber auch freimacht, ist die Korrektur der Verzerrung immer noch unvollkommen; ein Fehler liegt schon darin, das Erkennen nach Art einer Bewegung wie auf einer Reise, von der man Kenntnisse mitbringt, aufzufassen, gleich ob diese Reise in einer Höhle beginnt oder das erkennende Subjekt keines Übergangs von innen nach außen bedarf. (S-DuG 212)

Erkenntnis als ein Erwandern von Kenntnis durch Stoßen auf Objekte, an denen sie abgelesen werden kann, ... (S-DuG 213)

Offenbar liegt ihm die Vorstellung zu Grunde, dass das erkennende Subjekt aus seiner Burg (der Innenwelt), oder auch innerhalb der Burg von den Sprossen einer hohen Leiter (etwa der Vernunft oder der besonnen beobachtenden Schau), erst herabsteigen müsse, um mit oder ohne Reisegepäck Gegenstände seiner Erkenntnis zu erreichen und von ihnen Gewinn für sein Wissen (eventuell sie selbst als solchen), also Erkenntnis, einzuheimsen. (S-NGE 217)

Die Erkenntnis ist kein Reisen sondern ein Ernten. Siehe: Explikationismus

Lebensweltlicher, interaktiver Realismus

Enaktivistische These

Wahrnehmen beruht weder auf einem bloßen Datentransport von außen nach innen noch auf einer internen Modellierung, sondern auf einer fortlaufenden sensomotorischen Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umgebung. Jede Wahrnehmung bedeutet eine übergreifende Koppelung von Organismus und Umwelt. Damit entfällt die Trennung von Innen und Außen, die der Repräsentationalismus voraussetzt. Die gleichwohl objektivierende Leistung der Wahrnehmung resultiert auf dieser Stufe aus vermittelter Unmittelbarkeit, nämlich aus der Transparenz der vermittelnden leiblichen Prozesse für die distalen Gehalte der Wahrnehmung. (TF-VdM 168-169)

Sozialinteraktionistische These

Menschliche Wahrnehmung überwindet darüber hinaus die Perspektivität des zentrierten Umweltbezugs durch eine implizite Intersubjektivität, das heißt durch eine Mitberücksichtigung der möglichen Perspektiven anderer. Damit vermag sie Gegenstände und Situationen als solche zu erfassen, das heißt in ihrer Unabhängigkeit vom Wahrnehmungsakt. Diese implizite Intersubjektivität beruht ontogenetisch auf frühen sozialen Interaktionen: Gemeinsame Aufmerksamkeit, gemeinsame Praxis und schließlich gemeinsame Sprache konstituieren eine geteilte oder »Wir-Intentionalität«, die sich der individuellen Wahrnehmung einschreibt und damit ihren lebensweltlichen Realismus begründet. (TF-VdM 169)