Übernommene Gefühle

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Übernommene Gefühle sind fremde Gefühle. Es kann mehrere Gründe dafür geben, wieso ein Gefühl übernommen wurde:

  • Solidarität mit Ausgeschlossenen
  • Um einer Bezugsperson nahe zu sein

Zitate

Übernommene, primäre und sekundäre Gefühle

Das größte Mißverständnis, dem wir alle am meisten unterliegen ist, dass wir grundsätzlich der Meinung sind - alle Gefühle in uns wären auch wirklich UNSERE Gefühle. Es stellt sich oft heraus, dass wir gerade die Gefühle, die uns am längsten oder meisten beschäftigen, aus einem Beziehungssystem übernommen haben (was oft auch der Grund für stark in uns eingeschliffene Verhaltensweisen ist) . Es gibt also Gefühle, die wir unmittelbar als uns selbst zugehörig zuordnen können und müssen, aber es gibt auch Gefühle in uns, die uns ursprünglich gar nicht gehören.

Gerade diese fremden Gefühle verstricken uns in problembelastete Situationen und Verhaltensweisen, denen wir oft hilflos ausgeliefert erscheinen (wiederholende Verhaltensmuster, Süchte, Zwänge etc.). Weil wir die Ursache für das Problem in uns suchen, bzw. weil wir der Meinung sind, WIR SELBST könnten und müssten das Problem lösen. Was nicht möglich ist, da wir nur das Gefühl, nicht aber das ursprüngliche Problem haben. Um das übernommene Gefühl zu fühlen mussten wir natürlich unbewusst eine ähnliche Problemsituation in unserem Leben erschaffen und uns entsprechend Verhalten - diese Situation löst sich jedoch augenblicklich, wenn die Person, die das ursprüngliche Problem hatte, gefunden wurde und ihr das Gefühl entsprechend zurückgegeben wird.

Wie können wir nun schon im Vorfeld evtl. solche Gefühle von eigenen unterscheiden?

Wir sprechen hierbei von Primär- u. Sekundärgefühlen.

Primärgefühle gehören der, sie fühlenden Person direkt, können klar einer Situation zugeordnet werden und haben einen Anfang, verstärken sich und nach einer Weile, wenn das Gefühl lange genug gefühlt wurde, klingt es ab und es hinterlässt keine Spuren mehr. Wenn uns z. B. ein Erlebnis in Trauer versetzt hat (z. B. der Tod eines Haustieres), dann durchlaufen wir so ein Primärgefühl indem wir ein paar mal Weinen. Irgendwann ist die Trauer dann überwunden und der Tod des Tieres hat keine Macht mehr über uns.

Sekundärgefühle sind unterschwellig immer da und gehören ursprünlich einer anderen Person - nicht der Person, die sie fühlt. Sie sind nicht klar abgegrenzt, können keiner aktuellen Lebenssituation direkt zugeordnet werden und haben keinen klaren Beginn und kein Ende. Solche Gefühle sind oft aufgrund von Verstrickungen übernommene Gefühle aus der Familie bzw. von anderen Personen.

Dadurch, dass das Gefühl nicht zur aktuellen Situation passt bzw. dadurch dass es ja "irgendwie schon immer" da war, ist die betroffene Person dazu geneigt, das Gefühl ebenfalls zu verdrängen, wodurch es wahrscheinlich wieder an die nächste Generation weitergegeben wird - bis ein Mitglied aus den nachfolgenden Generationen das Gefühl nicht mehr verdrängt, sondern wie ein Primärgefühl zulässt und ganz durchfühlt - auch wenn es gar nicht diesem Mitglied gehört. Solange das Gefühl nicht gefühlt wird, konstruiert die belastete Person in ihrem eigenen Leben Situationen, die das entsprechende Gefühl hervorrufen sollen. Die Person animiert sich also unbewusst dazu, das Gefühl endlich zu fühlen. Dadurch kommt es vor, dass in verschiedenen Generationen einer Familie immer wieder ähnliche Ereignisse auftreten bzw. Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen einer Familie immer wieder ähnliche, oder gar dieselben Schicksalsschläge oder Erlebnise durchmachen.

Man kann sich vorstellen, dass unbearbeitete traumatische Erlebnisse einzelner Personen (z. B. Krieg, Unfälle, Mord, etc.) starke Auswirkungen auf nachfolgende Generationen haben. (http://www.neue-familienaufstellungen.de/Website/gefuehleundinnerewelt/gefuehle/gefuehleunduebertragung.html)

Wenn Kinder fremde Gefühle übernehmen

Kinder übernehmen in den ersten Lebensjahren, in der Phase, in der ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit am größten ist, viele Gefühle aus der Familie. Manchmal kommt ein ganzes Paket übernommener Gefühle zusammen, die ein Leben ganz entscheidend beeinflussen können.

Nicht selten wirken übernommene Gefühle wie ein Virus mit extrem langer Inkubationszeit. Sie schlummern geraume Zeit im Verborgenen und werden erst viele Jahre nach der Ansteckung aktiv. In der Regel bemerken wir sie nur dann, wenn sie mit unserer eigenen Lebensplanung oder unseren Lebensumständen in Konflikt geraten. Zum Beispiel, wenn wir unser Bedürfnis nach beruflicher Selbständigkeit nicht leben können, uns vergeblich eine Partnerschaft wünschen, oder uns traurig, leer und verlassen fühlen, obwohl es in unserem Leben dafür keinen Anlaß gibt.

Ein großer Teil der Gefühle und Blockaden, die unser Leben bestimmen, sind aus der Familie übernommen, und sie beruhen meist auf einem konkreten aber vergangenen Ereignis. Sie gehören zu einer anderen Zeit und einem anderen Menschen, und dort hatten sie ihre Berechtigung, nicht aber in unserem Leben.

Wir übernehmen vielleicht die unterschwellige Trauer der Mutter über den frühen Tod ihrer Schwester, die wir aber selbst gar nicht kennen. Oder wir übernehmen das Gefühl von Heimatlosigkeit von den vertriebenen Großeltern und fühlen uns, obwohl wir nirgendwo vertrieben wurden, auch heimatlos. Vielleicht übernehmen wir die verdrängten Schuldgefühle des Vaters, weil er die Mutter wegen einer anderen Frau verließ, und nun fühlen wir uns schuldig, obwohl wir gar nichts Böses getan haben. Waren die ursprünglichen Gefühle besonders heftig und stark, werden sie manchmal von einer Generation an die nächste weitergegeben, ohne nennenswert an Kraft zu verlieren. Dann schlagen sich die Nachkommen mit Gefühlen herum, zu denen sie jeden tatsächlichen Bezug verloren haben; bis auf das Gefühl.

http://www.systemische-familienaufstellungen.de/dynamiken.htm

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