Erkenntnistheorie

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Die abendländische Erkenntnistheorie ist seit Demokrit und dem diesen weiterführenden Platon weitgehend von den zusammengehörigen Irrtümern oder falschen Tendenzen des Physiologismus, des Reduktionismus und der Introjektion beherrscht. (S-SaP 340)

Erkenntnistheoretischer Realismus

Siehe auch: Erkenntnistheoretischer Realismus

Der erkenntnistheoretischer Realismus verlegt die Aufgabe der Erkenntnis in die möglichst genaue Beschreibung einzelner Sachen (auch im Zusammenhang), also in eine repräsentierende Wiedergabe, die sich der eingehenden Abbildung nähert. (S-GedW 131)

Demgemäß wird Erkenntnis so aufgefasst, dass Systeme so aufgebauter Gegenstände als ihr Gegenstand gelten (erkenntnistheoretischer Realismus), entweder so, dass diese Sachen als solche erkannt werden sollen (Realismus im strengen Sinn) oder so, dass beschreibend Züge an ihnen abgelesen werden (erkenntnistheoretischer Deskriptivismus); sie soll sich in der Weise einer Kontaktaufnahme vollziehen, indem das Subjekt die zu erkennenden Gegenstände besucht oder diese es besuchen. Nach Revision der Ontologie durch Einführung des Situationsbegriffs wird ein verbessertes Verständnis der Erkenntnis möglich, nicht mehr als durchdringende oder beschreibende Erkenntnis von Sachen, sondern als Explikation von Sachverhalten, die Tatsachen sind, aus Situationen; dazu bedarf es nicht mehr jener Kontaktaufnahme, da übergreifende Situationen der Welt vorgegeben sind und die Ernte von Tatsachen so gestatten, dass dazu nur in besonderen Fällen, je nach Lage der Umstände, Reisen und Besuche erforderlich sind. (S-SaP 341f)

  • Realismus
    • im strengen Sinn
    • im weiteren Sinn (Deskriptivismus)

Voraussetzung: Dingontologie

Der erkenntnistheoretische Realismus samt seinem ontologischen Hintergrund beruht auf der naiven Voraussetzung, dass alles ohne Weiteres einzeln ist und nalso ein gewisses Einzelding, das Subjekt, sehen muss, wie es zu anderen Einzeldingen, den Objekten, kommt (oder umgekehrt), um Erkenntnis zu gewinnen. (S-HL 386)

Siehe: Singularismus

Realismus im strengen Sinn

Annahme: Die Sachen können als solche erkannt werden.

Was erkannt wird, sind beliebige Sachen. (S-NGE 222)

  • Thomas von Aquin
  • Kant
  • Schelling
  • Heidegger (zum Teil)
  • Nicolai Hartmann

Realismus im weiteren Sinn: Erkenntnistheoretischer Deskriptivismus

Annahme: An den Sachen können beschreibende Züge abgelesen werden, die über einen (aktiven oder passiven) Besuch der Sachen festgestellt werden können.

Man stellt sich dann nämlich vor, dass einzelne Gegenstände von sich aus wie Blöcke vorliegen, denen Bedeutung erst dadurch verliehen wird, dass jemand sich auf sie einlässt und sich Gedanken über sie macht. (S-WNP 407)

Jedes Erkennen ist partielles Erkennen irgend welcher Sachen durch Beschreiben ihrer Züge oder Merkmale. (S-NGE 222)

Erkenntnistheoretischer Absolutismus

Der erkenntnistheoretische Absolutismus behauptet einen eindeutig festgelegten Weltinhalt, eine kanonische Weltfüllung, der sich die Erkenntnis anzupassen habe. (S-GedW 131)

Der erkenntnistheoretische Absolutismus lehrt, dass die Welt insgesamt, allen Wechsel eingerechnet, nur einen einzigen Inhalt hat, so dass der invarianten Weltform nur eine einzige Füllung zukommt. Auf jede Frage, die durch Angabe einer Tatsache beantwortet werden kann, kann demnach eine richtige Antwort gegeben werden, die unabhängig von der Art des Zugangs, der Betrachtungsweise, wahr ist; es kommt nur darauf an, den richtigen Zugang zu finden, der den unverstellten Blick auf den im Ganzen der Weltfüllung eindeutig vorgegebenen Vorrat erlaubt. (S-GedW 132)

Erkenntnistheoretischer Relativismus

Ich vertrete dagegen die gleichmäßige Möglichkeit vieler Weltfüllungen, die im Allgemeinen widerspruchsfrei neben einander bestehen, aber auch in Konkurrenz treten können, ohne dass dann eine endgültige Entscheidung zwischen ihnen möglich wäre. In diesem Sinn bin ich erkenntnistheoretischer Relativist. (S-GedW 131)

Siehe: Explikationismus

Gegenüberstellung

  • 1994 NGE: Explikationismus, Realismus, Holismus
  • 2007 HL: Explikationismus, Realismus
  • 2014 GedW: Explikationismus, Realismus, Absolutismus
Realismus Explikationismus Absolutismus
Aufgabe der Erkenntnis Genaue Beschreibung einzelner Sachen (auch im Zusammenhang), repräsentierende Wiedergabe gleichmäßige Möglichkeit vieler Weltfüllungen, die im Allgemeinen widerspruchsfrei neben einander bestehen, aber auch in Konkurrenz treten können eindeutig festgelegter Weltinhalt, eine kanonische Weltfüllung, der sich die Erkenntnis anzupassen habe.
Nicht-Relativistisch Relativistisch: Füllung abhängig je nach den Situationen, aus denen geschöpft wird. Nicht-Relativistisch
bezogen auf einzelne Gegenstände bezogen auf einzelne Gegenstände


Deskriptivismus Explikationismus Konstruktivismus
Die Welt besteht aus einzelnen Dingen, die (mehr oder weniger) besuchbar und beschreibbar sind. Die Welt besteht aus Situationen, primär ohne Einzelheit Die Welt wird nicht beschrieben, wie sie ist, sondern (aus Einzelnem) konstruiert.
Erkenntnistheorie Realismus (von Einzeldingen) Relativismus (aber real erlebte Situationen, Atmosphären) Relativismus (alles konstruiert)
Ontologie Dingontologie, Reduktionismus Situationsontologie Prozessontologie, Introjektionismus
Singularismus Singularismus Singularismus
Erkenntnis als Reise und Besuch Ernten Bauen

Siehe: ESP_Erkenntnistheorie

Ältere Unterscheidung