Entkörperung: Unterschied zwischen den Versionen

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{{c|Eine Kultur der Virtualisierung und Simulation bedeutet grundsätzlich eine »Entkörperung«, einen Rückgang leiblicher und zwischenleiblicher Erfahrung.|TF-VdM 138}}
 
{{c|Eine Kultur der Virtualisierung und Simulation bedeutet grundsätzlich eine »Entkörperung«, einen Rückgang leiblicher und zwischenleiblicher Erfahrung.|TF-VdM 138}}
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== Phantomisierung ==
 
== Phantomisierung ==

Aktuelle Version vom 10. Oktober 2020, 15:51 Uhr

  • Disembodiment
  • Abkoppelung von der unmittelbar leiblichen Erfahrung

Eine Kultur der Virtualisierung und Simulation bedeutet grundsätzlich eine »Entkörperung«, einen Rückgang leiblicher und zwischenleiblicher Erfahrung. (TF-VdM 138)

Damit verschieben sich die vorherrschenden Modalitäten der Empathie vom zwischenleiblichen zum virtuellen und projektiven Pol. (TF-VdM 138)

Phantomisierung

Das sicherste Mittel, die Wirklichkeit zu verdecken, bestehe darin, sie ständig und überall abzubilden, und zwar durch Abbilder, die ihren Bildcharakter selbst verschleiern, sodass »die Welt unter ihrem Bilde zum Verschwinden gebracht wird« (Anders 1956/1994: 154). (TF-VdM 133)

Virtuell nehmen wir auf diese Weise an immer mehr Weltereignissen teil, sind dabei aber doch nicht wirklich betroffen. Die Gelegenheiten zur Empathie vervielfältigen sich, doch in gleichem Maß verflacht die Empathie selbst. Resultat ist das, was Anders den "medialen Idealismus" nannte: Die Welt wird zum Schauspiel, der Zuschauer zum passiven Konsumenten der Vorstellungen, die die Medien ihm liefern. (TF-VdM 134)

Die Welt ist nun meine geworden, meine Vorstellung, ja sie hat sich, wenn man das Wort »Vorstellung« einmal im Doppelsinne: nicht nur im Schopenhauerschen, sondern im Theatersinne, zu verstehen bereit ist, in eine »Vorstellung für mich« verwandelt. In diesem für mich besteht nun das idealistische Element. (Anders 1956/1994: 112))

Einleibung des virtuellen Raums.

Tatsächlich ist es aber gerade die optimale visuelle, taktile und motorische Koppelung von User und Computer, die die Erfahrungen von Widerständigkeit, Entfernung und Fremdheit unterläuft, wie sie sonst für die leibliche Auseinandersetzung mit der Welt charakteristisch sind. Dies manifestiert sich nicht zuletzt in Begriffen wie »surfen«, »browsen« oder »skimmen«; sie verweisen auf die Minimalisierung des Widerstandes in einem Medium, das unbegrenzte virtuelle Bewegungsmöglichkeiten und damit das Erlebnis magischer Omnipotenz vermittelt. (TF-VdM 135)

Es ist also gerade die leibliche Verschmelzung mit digitalen oder visuellen Medien, die zu den höchsten Stufen der Immersion und damit der Illusion führt. (TF-VdM 135)

Medialisierte Kommunikation

Gerade weil die entsinnlichte Kommunikation so viele Leerstellen lässt, bleibt umso mehr Raum für projektive Gefühlsinvestitionen. Was jedoch fehlt, ist die Interaffektivität, also die unmittelbare Rückkoppelung der emotionalen Regungen und Ausdrucksgesten, durch die wir im lebendigen Kontakt einander empathisch wahrnehmen. (TF-VdM 136)

Stattdessen erzeugt das Internet:

  • fiktionale Gefühle (Eva Illouz)
  • Phantomgefühle